18.10.2019

Eine Frage der Zuneigung und Barmherzigkeit

"Hast du mal einen Euro?"

Ein verschenkter Euro hilft vielleicht nicht gleich gegen die Bekämpfung der Armut, gibt DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen zu. Er ist aber eine liebevolle Geste, die die Welt ein wenig heller macht.

Drücken Sie einem Bettler auch schon mal einen Euro in die Hand? Dann sind sie in guter Gesellschaft: Der Kölner Erzbischof macht das genauso wie Esther Duflo. Die französisch-amerikanische Armutsforscherin hat in dieser Woche den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Wie auch der Kölner Erzbischof weiß sie, dass die kleine Spende manchmal sofort wieder in Tabak oder Alkohol umgesetzt wird und kein wirksamer und nachhaltige Schritt zur Bekämpfung von Hunger und Armut ist. Aber der verschenkte Euro ist eben eine liebevolle menschliche Geste der Zuneigung und Barmherzigkeit.

Wie Armut wirksam bekämpft wird und wie erfolgreiche Entwicklungshilfe funktioniert, erforscht Esther Duflo seit Jahren. Zusammen mit ihrem Ehemann Abhijit Banerjee und dem US-Wissenschaftler Michael Kremer haben sie in zahlreichen wissenschaftlichen Studien ermittelt, wie effektiv Menschen heute geholfen werden kann. Alle drei sind dafür mit dem Nobelpreis Wirtschaft ausgezeichnet worden. Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse haben sie nicht am Schreibtisch gesammelt - sondern vor Ort in vielen sogenannten Feldexperimenten. So konnten sie z.B. zeigen, dass Investitionen in die Gesundheit der Kinder hilfreicher waren als neue Schulbücher. Schulbildung in armen Regionen ist nach ihren Forschungen auch viel effizienter, wenn man die Schüler nicht nach ihrem Alter - sondern nach ihren jeweiligen Fähigkeiten in Klassen aufteilt.

Mich faszinieren Menschen wie diese drei neuen Nobelpreisträger. Sie gehören zu den Menschen, die ihre eigenen Fähigkeiten und Talente wirksam einsetzen, um unsere Welt ein wenig heller zu machen. Und das kann jeder von uns - überall. Wie wäre es, wenn wir noch heute damit anfangen? Jeder Lichtblick für den wir so sorgen zählt - selbst wenn am Ende nicht unbedingt der Nobelpreis dabei herauskommt sondern "nur" das dankbare Lächeln eines Bettlers.

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