Symbolbild: Konzept des "Social Credit Scores"
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Open Doors Geschäftsführer Markus Rode
Open Doors Geschäftsführer Markus Rode

03.09.2021

Open Doors warnt vor digitaler Christenverfolgung "Das ist wie eine elektronische Fußfessel"

Mehr als 260 Millionen Christen werden weltweit extrem verfolgt, allein in China sind es 100 Millionen. Dabei hat sich die Christenverfolgung im digitalen Zeitalter auch ins Internet verlagert, warnt das christliche Hilfswerk Open Doors.

DOMRADIO.DE: Was ist digitale Christenverfolgung?

Markus Rode (Leiter Open Doors Deutschland): Digitale Christenverfolgung ist wie eine elektronische Fußfessel, die zur Kontrolle von Verbrechern eingesetzt wird. Das ist zum Beispiel die Digitalisierung von Menschen nach bestimmten Kategorien, in diesem Fall von Christen.

Aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus sollen sie engmaschig überwacht werden, aber auch digital durch Strafe oder Belohnung unter Druck gesetzt werden. Das Ziel der Regierungen ist, dass sie in ihrem christlichen Glauben geschwächt werden, ihn ganz aufgeben und sich zuerst dem Staat und seiner Ideologie oder der Religion unterordnen.

DOMRADIO.DE: Sie schreiben auf Ihrer Website, dass vor allem Indien und China diese digitale Überwachung massiv ausgeweitet haben. Wie läuft die Christenüberwachung konkret ab?

Rode: Ich nehme mal das Beispiel China. Da ist es nämlich sehr weit fortgeschritten. Das steht im Weltverfolgungsindex mittlerweile auf Rang 17 sehr weit vorne für die Härte der Verfolgung. China hat allein geschätzte 570 Millionen Überwachungskameras im Einsatz, die mit einer sehr hochentwickelten Gesichtserkennungssoftware ausgestattet sind.

Das heißt, mittlerweile muss jeder Bürger, der ein Handy hat, sich zum Beispiel mit seinem Gesicht registrieren. Das geht also nicht mehr anders. Und damit verbunden ist ein sogenanntes Sozial-Kreditsystem. Das ist mit einem Punktesystem versehen zur ideologischen Überwachung. Und da will man praktisch regierungskonformes Handeln auch im öffentlichen Raum kontrollieren. Und wenn man jetzt zum Beispiel Christ ist und das ist auch die Religionszugehörigkeit allgemein, dann gibt das Minuspunkte.

Das heißt, der digitalisierte Bürger als Christ hat Einschränkungen bei Reisen, Kreditvergabe, Berufsausbildung und anderen Dingen. Und jetzt gehen wir mal von 100 Millionen Christen aus - das ist die Schätzung in China - das sind mehr als Mitglieder der Kommunistischen Partei. Und die erleben mittlerweile Kontrolle bis in den Privatbereich.

Und dieser Druck auf das christliche Leben nimmt auch weiter zu. Zum Beispiel ist es so, dass Überwachungskameras mittlerweile sogar in registrierten wie auch nicht registrierten Kirchen zum Standard geworden sind. Das heißt, jeder Bürger, der einen Gottesdienst besucht, wird sozusagen gescannt, gescreent und selbst für Kinder und Jugendliche - da ist übrigens die Teilnahme an christlichen Veranstaltungen bis zu einem Alter von 18 Jahren verboten - sollen damit natürlich ebenfalls kontrolliert werden.

DOMRADIO.DE: Wie können Christen sich denn vor dieser digitalen Verfolgung schützen?

Rode: Das ist eine große Frage. Sie werden sich irgendwann im Endeffekt von der modernen Technik verabschieden müssen. Denn die Digitalisierung geht immer tiefer. Sie geht über das Internet, sie geht über die Handys, es wird getrackt. Das heißt, wenn man sich zu einem Gottesdienst treffen will, muss man sich letztendlich wieder in eine neue Untergrundbewegung bewegen. Und ich schätze, das wird gar nicht mehr so lange dauern.

DOMRADIO.DE: Könnte man aber nicht andersherum auch sagen, dass das Internet und auch die Digitalisierung vielleicht auch Chancen für Christen bieten, sich besser zu vernetzen und auf ihre Situation damit aufmerksam zu machen?

Rode: Das schon. Man muss sagen, die Medaille hat immer zwei Seiten. Und natürlich wird das Internet auch von Christen genutzt. Wenn man jetzt mal in Länder wie China wieder geht oder aber auch Indien, wo sehr viel digitalisiert wird und Bürger erfasst werden, ist es natürlich so, dass man das nur so weit machen kann, wie das Fenster noch offen ist. Also man merkt, dass die Einschränkungen immer weiter zunehmen, die Kontrolle des Internets immer weiter zunimmt. Aber das kleine Fenster was offen ist, das nutzen Christen auch zur Ermutigung, zur gegenseitigen Ermutigung.

Das Interview führte Hannah Krewer.

(DR)

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