Der emeritierte Krakauer Erzbischof Stanislaw Kardinal Dziwisz
Kardinal Stanislaw Dziwisz

26.06.2021

Vatikan untersucht Vorwürfe gegen Kardinal Dziwisz Vorwürfe der Missbrauchsvertuschung

Der Vatikan prüft laut polnischen Medienberichten Vorwürfe der Missbrauchsvertuschung gegen Ex-Papstsekretär Kardinal Stanislaw Dziwisz. Dziwisz gehört zu den prominentesten Kirchenmännern Polens.

Wie das Warschauer Internetportal Onet.pl (Freitag) meldet, setzte Papst Franziskus dazu eine Sonderkommission ein, die von Genuas Erzbischof, Kardinal Angelo Bagnasco, geleitet werde. Der 82-Jährige Dziwisz war Privatsekretär Papst Johannes Pauls II. (1978-2005) und anschließend bis 2016 Erzbischof im südpolnischen Krakau.

Vorwürfe gegen Dziwisz

Der Priester Tadeusz Isakowicz-Zaleski, der Missbrauchsbetroffene in Polen vertritt, wurde von Bagnasco bereits offiziell zu Vorwürfen gegen Dziwisz befragt, wie er dem Radiosender RMF FM bestätigte. Isakowicz-Zaleski wirft dem Kardinal seit langem vor, er sei den 2012 ihm übergebenen schriftlichen Hinweisen auf sexuellen Kindesmissbrauch durch Priester in seiner Kirchenprovinz nicht nachgegangen.

Bagnasco ist Vorsitzender des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Geplant sind laut Onet.pl auch eine Anhörung von Betroffenen sexualisierter Gewalt. Der Vatikan habe die Kirche in Polen nicht über den Beginn der Arbeit der Kommission informiert, heißt es.

Dziwisz hat sich für unabhängige Untersuchung ausgesprochen

Dziwisz hat Vertuschungsvorwürfe gegen ihn stets zurückgewiesen, sich aber mehrfach für eine unabhängige Untersuchung ausgesprochen. Polens Bischofskonferenz nahm zunächst nicht zu den Medienberichten Stellung. Der katholische Publizist Tomasz Terlikowski kommentierte das Vorgehen des Vatikan auf Twitter mit den Worten: "Vieles deutet darauf hin, dass uns ein Erdbeben erwartet."

Polens staatliche Aufarbeitungskommission für sexuellen Kindesmissbrauch zeigte im März Dziwisz und weitere Bischöfe bei der Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen die Meldepflicht an. Dabei ging es um einen Priester, der im südpolnischen Bistum Bielsko-Zywiec von 1984 bis 1989 ein Kind etwa 500 mal missbraucht haben soll.

Die katholische Kirche in Polen steht wegen bekanntgewordener Fälle von Missbrauchsvertuschung massiv unter Druck. Gegen einzelne Bischöfe verhängte der Vatikan Disziplinarstrafen wegen Versäumnissen beim Umgang mit Missbrauchsfällen.

Oliver Hinz
(KNA)

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