Kardinal Christoph Schönborn (l.) und Bischof Alois Schwarz
Kardinal Christoph Schönborn (l.) und Bischof Alois Schwarz
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

13.04.2021

Komplizierte Situation der Kirche im Bistum St. Pölten Vorwürfe und viele offene Fragen

Vetternwirtschaft und Misswirtschaft waren nur einige der Vorwürfe, deretwegen Bischof Alois Schwarz 2018 in die Diözese St. Pölten abberufen wurde. Aber auch in seinem neuen Bistum kommt es im Moment wieder zu Turbulenzen.

DOMRADIO.DE: Was ist denn da los in der österreichischen Kirche?

Klaus Prömpers (Journalist und Beobachter der Kirche in Österreich): Der Bischof will, nachdem er Ende 2018 dort angekommen ist, jetzt die Diözese neu organisieren. Das zu tun, sagen alle, ist sein gutes Recht, angesichts des Schwundes der Gläubigen in der Kirche und des Priestermangels, der abzusehen ist.

Aber nun beklagen sie in einem öffentlichen Brief mit 67 Unterschriften, der ursprünglich nur als Hilferuf an den Nuntius gedacht war, aber dann veröffentlicht wurde, dass Ehrenamtliche, der Pastoralrat, der Diözesanrat und andere Gremien innerhalb der Diözese nicht vom Bischof befragt worden sind.

Stattdessen wurde eine externe Kärntner Beratungsfirma beauftragt, die Strukturen zu analysieren und dann einen neuen Vorschlag zu machen. Eine Firma, so sagen die Unterschreiber des Briefes, die von Kirchenstrukturen keine Ahnung hat.

DOMRADIO.DE: Es gibt mittlerweile eine Auseinandersetzung auf offener Bühne in der Diözese und starken Gegenwind gegen das Vorgehen des Bischofs.

Prömpers: Es gab aus der Vergangenheit, gewachsen in dieser durchaus schwierigen Diözese St. Pölten, zwei Vorgängerbischöfe, die eher mit Schimpf und Schande aus ihren Ämtern geschieden oder geschieden worden sind, nämlich Bischof Krenn und Bischof Küng, mittlerweile Strukturen, die ganz gut für die diözesande Arbeit passten. Zu nennen ist ein Pastoralamt, dessen Leiter und dessen geistlicher Leiter in der jetzigen Umstrukturierung überhaupt nicht befragt worden sein sollen und dessen Leiter, ein Laie, vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, einen Tag bevor der Bischof dieses Gutachten halb öffentlich machte.

Da geht es beispielsweise um die Frage: Was wird aus der Jugendpastoral? Die ist in den neuen Umrissen, die der Bischof bisher sehr zögerlich bekannt gemacht hat, nicht klar sortiert. Da gibt es eben neue Zuschnitte, wo sechs neue Planstellen ausgeschrieben werden sollen, auch angeblich stärker für Frauen.

Aber alles liegt im Grunde im Streit zwischen denen, die seit Jahrzehnten die Arbeit in der Diözese tragen und dem neuen Bischof.

DOMRADIO.DE: Gab es schon Reaktionen auf diese Post?

Prömpers: Soweit ich es bisher recherchieren konnte, leider nicht. Es gab den Brief an den Nuntius, es gab den Brief an den Erzbischof von Salzburg, der zugleich Vorsitzender der Bischofskonferenz ist, Erzbischof Lackner, der auch damals Kärnten untersucht hat und einen Sachstandsbericht nach Rom geliefert hat - aus dem ist bisher auch keine Konsequenz gezogen wurden.

Und es gab einen Brief an den hiesigen Kardinal Schönborn, der natürlich als Nachbarbischof und als der dienstälteste Bischof in Österreich damit befasst werden sollte.

Aber von keinem der Beteiligten weiß ich bisher irgendeine Reaktion an irgendeinen der Unterschreiber des Briefes. Die sind natürlich ziemlich enttäuscht. Der Bischof gehe jetzt ein wenig auf sie zu, aber vieles wird im Verborgenen gehandelt. Vieles ist kommunikationstechnisch sehr schwierig.

Diejenigen, mit denen ich gestern auf der Seite der Briefunterschreiber telefoniert habe, sagen: Der Bischof agiert wie ein Fürstbischof aus dem Mittelalter.

DOMRADIO.DE: Als Bischof Schwarz in Gurk-Klagenfurt war, gab es auch Vorwürfe. Sind die jetzt versandet oder was ist daraus geworden?

Prömpers: Da schützt den Bischof im Grunde das Konkordat, also der Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Vatikan über die Sonderstellung der katholischen Kirche im Staate. Denn die Staatsanwaltschaft Wien hat in einem konkreten Fall gesagt: Wir können ihn strafrechtlich nicht belangen, weil er außerhalb der Jurisdiktion des Staates steht. (Dazu bezieht die Diözese St. Pölten wie folgt Stellung: Das Konkordat schützt Niemanden vor staatlicher Strafverfolgung. Das Kirchenrecht bzw. die Vermögensverwaltung im Kirchenrecht gestattet Bischöfen, über das Mensalgut im kirchenrechtlich korrekten Rahmen zu verfügen. Beide aufgrund der Rechtmäßigkeit der Tätigkeiten eingestellten staatlichen Ermittlungsverfahren (Ermittlungen 1 wegen der Höhe eines gezahlten Gehaltes, Ermittlungen 2 wegen Einladungen zur Jagd von Personen öffentlichen Interesses) haben beschieden, dass es für staatliche Behörden nicht relevant ist, wenn laut kirchlicher Vermögensverwaltung korrekt gehandelt wurde. So wie das AktienG die inneren Angelegenheiten von Aktiengesellschaften regelt, regelt das Kirchenrecht die inneren Angelegenheiten der Kirche. Die Kirche ist eine klar geregelte Körperschaft mit einem entsprechenden Kodex.)

Das Konkordat schützt kircheninterne Vorgänge vor einem strafrechtlichen oder wirtschaftsrechtlichen Zugang. Es ging um den konkreten Fall einer möglichen Steuervermeidung. Und der wird jetzt nicht weiterverfolgt. Nicht etwa wegen Unschuldsvermutung oder etwa weil da nichts dran ist, sondern weil das nicht statthaft ist. (Dazu bezieht die Diözese St. Pölten wie folgt Stellung: Es ist unwahr zu behaupten, das Konkordat schütze den Bischof vor steuerrechtlicher Verfolgung. In Bezug auf steuerrechtlichen Fragen rund um einen Wohnungsverkauf sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen; hier wird zu den Tätigkeiten von neun Personen ermittelt. Das Steuerrecht gilt in vollem Umfang für die Kirche, die in Österreich als Körperschaft öffentlichen Rechts klar geregelt ist. In dieser Sache hat Bischof Alois Schwarz von Anfang an seine volle Bereitschaft zur Kooperation zu den Ermittlungen gezeigt und wartet im Vertrauen auf rechtsstaatliche Entscheidungen den Ausgang der Ermittlungen ab. Da es sich um ein laufendes Prüfungsverfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter kommentiert wird.)

DOMRADIO.DE: Und es geht ja nicht nur um diesen einen Vorwurf. Sie haben eben auch schon kurz den Salzburger Erzbischof Lackner angesprochen. Der war damals vom Papst mit der Kontrolle beauftragt worden. Heute ist er Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz. Was wird denn aus seinem Bericht?

Prömpers: Das muss man im Grunde in Rom nachfragen. Wenn man auf die Situation in Kärnten, also in der Diözese Klagenfurt-Gurk schaut, wo der neue Bischof Marketz im Amt ist: Der versucht im Grunde einen kompletten Neustart aller Arbeiten in der Diözese. Und er versucht, dadurch neues Vertrauen zu gewinnen.

Durch den unter Schimpf und Schande stattgefundenen Abgang von Schwarz ist natürlich sehr viel Misstrauen gesät worden, weil man nicht wusste: Ist da wirklich Geld veruntreut worden? Ist da Misswirtschaft betrieben worden? Wurden da Menschen in Positionen gebracht, die im Grunde die Anforderungen nicht erfüllten? Aber aus Rom war bisher meines Wissens nichts zu hören.

DOMRADIO.DE: Seit März ist Bischof Alois Schwarz nicht mehr Vorsitzender der Finanzkommission der Österreichischen Bischofskonferenz. Was müsste noch passieren?

Prömpers: Erstens müsste aus der römischen Kurie ein klärendes Wort kommen, wie mit ihm weiter verfahren werden soll, und zweitens müsste der Bischof, denke ich, sehr stark auf seine Diözese zugehen. Man wirft ihm nicht zu Unrecht vor, dass im Grunde in den Sankt Pöltener Zeitungen und Zeitschriften kaum etwas über das steht, was er vorhat. Das findet sich in den Salzburger Nachrichten, im Wiener Kurier oder in anderen Zeitungen, aber nicht in seiner Kirchenzeitung, nicht in den Zeitungen, die vor Ort gelesen werden - am meisten die Niederösterreichischen Nachrichten - allenfalls im Kurier.

Dort hat er einen journalistischen Kollegen, der ihn zu Ostern befragt hat und wo er all diese Fragen umgangen hat. Man versteht nicht, warum, denn für die Menschen vor Ort ist es sehr wichtig. Wie geht es weiter mit uns? Wie organisieren wir uns? Sie haben den Eindruck, der Bischof will alles auf sich konzentrieren. Und das, denken sie, ist 2021 nicht mehr zeitgemäß. Sie wollen einen synodalen Prozess, ähnlich wie in Deutschland.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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