Einige der Holz-Königinnen und -Könige von Ralf Knoblauch.
Einige der Holz-Königinnen und -Könige von Ralf Knoblauch.
Ralf Knoblauch mit einer seiner Königsfiguren
Ralf Knoblauch mit einer seiner Königsfiguren

06.01.2021

Holzstück aus der Ukraine wird zum Sinnbild für Menschenwürde "Jeder Mensch ist ein Königskind"

Ein einfaches Stück Holz aus der Ukraine, das ins Rheinland kommt und in Bonn zu einem König wird: Das ist für die diesjährige Sternsingeraktion des Kindermissionswerkes entstanden. Welche Geschichte steckt dahinter?

DOMRADIO.DE: Ihre Holzfiguren sehen aus wie ganz normale Menschen. Eine schwarze Jeans, ein weißes T-Shirt - was heraussticht, ist die goldene Krone. Was für eine Symbolik steht dahinter? 

Ralf Knoblauch (Diakon in St. Thomas Morus, Bonn): Die Symbolik des Königs an sich ist ja so etwas wie ein Archetyp. Die Bilder, die man im Kopf hat, wenn man einen König sieht, sind geprägt von autoritärer Führerschaft oder Verantwortlichkeit für den Nächsten und für die Gemeinschaft. Bei mir ist das alles etwas anders. Mein Königsbild, das den meisten so im Kopf herumschwebt, wird hier völlig auf den Kopf gestellt. Meine Könige haben erst einmal nichts Mächtiges an sich. Sie haben zwar alle eine Krone, die sie recht unterschiedlich tragen, die muss nicht unbedingt auf dem Haupt sein, aber es sind Könige, Menschen wie du und ich, sie haben Ecken und Kanten, Fehler, sind nicht perfekt.

DOMRADIO.DE: Welche Botschaft wollen Sie damit transportieren?

Knoblauch: Mir geht es im Grunde darum, dass ich ausdrücken möchte: Jeder Mensch trägt diese königliche Würde in sich. Egal wie gut oder schlecht es einem geht. Die äußeren Bedingungen sind sehr entscheidend, aber letztlich kann einem die Würde nicht genommen werden. Und das schreibt ja auch unser Grundgesetz mit diesem ersten Artikel der Unantastbarkeit der Würde fest. Und diesen Universalanspruch sprechen wir auch als Christen jedem Menschen zu. Würde gehört konstitutiv zum Menschsein dazu.

DOMRADIO.DE: Heute ist der sechste Januar. Wir haben den Dreikönigstag, den Sternsingertag und da haben Sie einen ganz besonderen König angefertigt. Die Sternsingeraktion sammelt in diesem Jahr vor allem für Kinder aus der Ukraine und Sie haben einen König aus einem ukrainischen Stück Holz gemacht. Wie ist es dazu gekommen?

Knoblauch: Ich bin mit dem Kindermissionswerk schon seit längerer Zeit im Gespräch und wir haben verschiedene Ideen entwickelt, wie wir miteinander kooperieren könnten, wie meine kleinen Könige vielleicht auch ein Beitrag für diese Sternsingeraktion leisten können. Und so ist vor längerer Zeit schon einmal die Idee entstanden, ob wir aus den Beispielländern der letzten Jahre irgendwann mal ein jeweiliges Holzstück zu mir nach Bonn bekommen und dieses Holzstück dann verwandelt als König zurück ins Heimatland geht. Das war teilweise sehr schwierig und mit großen Auflagen behaftet, es gab zum Beispiel Zollprobleme.

Und jetzt bot sich das bei der Ukraine sehr gut an, weil eine Gruppe von Referenten mit einem Transporter nach Kiew gereist ist. Sie haben dort die entsprechenden Projekte für dieses Jahr festgelegt, auch wo das Geld hingehen soll. Und bei dieser Gelegenheit haben sie für mich ein Holzstück ausgesucht und haben das im Transporter mit nach Bonn ins Rheinland gebracht. Und irgendwann lag dieses Holzstück vor meiner Haustür mit der netten Postkarte: Mach was draus, Ralf! Und dann entwickelte sich die Idee. Das ukrainische Holz hat natürlich eine Geschichte mitgebracht, nämlich die Geschichte der Kinder in der Ukraine, denen es ja auch gar nicht so gut geht. Und aus diesem Buchenholz, das in der Ukraine sehr oft vorkommt, weil es dort riesige Buchenwälder gibt und viel mit Buchenholz geheizt wird, ist dann ein kleiner König entstanden.

DOMRADIO.DE: Was macht den Kindern in der Ukraine das Leben momentan so schwer?

Knoblauch: Das Problem ist, dass sie sehr, sehr oft von ihren Eltern getrennt leben und aufwachsen. Ihre Eltern beziehungsweise oft ein Elternteil geht ins Ausland, um zu arbeiten. In der Ukraine selbst gibt es für viele Menschen keine Arbeit. Und da sind dann all die Menschen, die bei uns hier als Arbeitsmigranten auf dem Arbeitsmarkt herüberkommen und wir erleben sie ja auch in den verschiedenen Kontexten, ob als Erntehelfer, in der Pflege, in der Bauindustrie und - hier auch ganz bekannt - in der Fleischindustrie. In diesen Kontexten versuchen sie dann, hier Geld zu verdienen, um Ihre Familie zu Hause am Leben zu halten.

Und das ist eine große Belastung, weil sie dadurch für Monate getrennt von ihrer Familie leben und die Kinder oft wie Waisen ihre Kindheit verbringen und aufwachsen. Und diesen Fokus wollte das Kindermissionswerk in diesem Jahr nochmal betonen: dass es auch hier in Europa Armut gibt, wo große psychische Belastungen für Kinder etnstehen, nicht nur in Dritte-Welt-Ländern. Emotionale Bindungen fehlen, weil Eltern nicht mit ihrer Familie leben können.

DOMRADIO.DE: Und jetzt ist ihr ukrainischer Sternsingerkönig fertig. Was passiert jetzt mit ihm? Der kann ja in diesem Jahr nicht mit den Sternsingern durch die Straßen ziehen.

Knoblauch: Genau, das war anders gedacht, als es jetzt gekommen ist. Aber er ist bei der bundesweiten Eröffnung im Aachener Dom in der letzten Woche eingesetzt worden. Da stand er vorne präsent neben dem Ambo und Bischof Dieser von Aachen ist bei seiner Predigt und Ansprache an die Sternsinger auf den König eingegangen, hat das Thema mit der Königswürde noch einmal in den Kinderkontext gestellt, was ich sehr schön fand. Der König wird sicher jetzt erst einmal in Aachen bleiben. Aber meine Hoffnung ist, dass er vielleicht irgendwann, wenn wir die Corona- Pandemie überstanden haben, in die Ukraine zurückfindet, um dort bei einem Projekt den Menschen, vor allen Dingen den Kindern, Würde und Wertschätzung zu spiegeln und zu sagen: Jeder Mensch ist ein Königskind.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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