Ein Plakat mit John Paul II (links) Bischof Aloizie Stepinac (mitte) und Benedict XVI (rechts)
Ein Plakat mit John Paul II (links) Bischof Aloizie Stepinac (mitte) und Benedict XVI (rechts)
Erzbischof Alojzije Stepinac (l.) 1946 auf dem Weg in einen Gerichtssaal
Erzbischof Alojzije Stepinac (l.) 1946 auf dem Weg in einen Gerichtssaal

06.12.2020

Diskussion um Kardinal Stepinac Historikerin warnt vor Heiligsprechung von kroatischem Kardinal

Die Münchner Historikerin Marie-Janine Calic sieht eine mögliche Heiligsprechung des kroatischen Kardinals Alojzije Stepinac kritisch. "Stepinac ist für viele Serben eine Hassfigur", sagt sie.

"Zugleich könnte eine Heiligsprechung große Frustrationen bei denen auslösen, die einen gesellschaftlichen Ausgleich zwischen Serben und Kroaten erreichen wollen", so die Die Expertin für die Geschichte Südosteuropas

Stepinac (1898-1960) war von 1937 bis zu seinem Tod Erzbischof von Zagreb. Bis heute umstritten ist seine Haltung zum faschistischen Ustascha-Regime im Zweiten Weltkrieg. Kritiker werfen ihm eine mindestens moralische Mitverantwortung an den damals in Kroatien begangenen Verbrechen vor. Unterstützer des Kardinals verweisen dagegen darauf, dass er Notleidende und Verfolgte insbesondere in der Kriegszeit unterstützt habe.

"Er schob jegliche Verantwortung weit von sich"

"Stepinac war kein Faschist oder überzeugter Anhänger des Ustascha-Regimes", betonte Calic im KNA-Interview. Dass er gegen die planmäßige Vernichtung der Juden und anderer Volksgruppen seine Stimme erhoben hätte, sei allerdings auch nicht bekannt. "Auch hat er sich nie öffentlich vom Ustascha-Regime distanziert." Als besonders schwerwiegend bezeichnete die Historikerin sein Schweigen angesichts der Zwangskonversion von rund 250.000 orthodoxen Serben zum Katholizismus. "Er hatte Kenntnis von all dem, aber schob jegliche Verantwortung weit von sich."

Stepinac wurde 1998 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ein Heiligsprechungsverfahren ruht derzeit, unter anderem wegen massiver Vorbehalte der serbisch-orthodoxen Kirche. Papst Franziskus hatte zur Prüfung des Falls eine Kommission eingesetzt, der serbische und kroatische Historiker sowie Vertreter der katholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche angehörten. Die Experten kamen 2017 zu dem Schluss, dass im Fall Stepinac die Interpretationen "nach wie vor unterschiedlich" seien.

Konflikte vermeiden

Ende September warb Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin um Geduld. Bei allem Verständnis für den berechtigten Wunsch der kroatischen Kirche sei es dem Papst wichtig, dass ein solcher Schritt ein "Moment der Einheit der gesamten Kirche" sei und nicht zu neuen Konflikten und Auseinandersetzungen führe, so die vatikanische Nummer zwei im Interview der kroatischen Kirchenzeitung "Glas Koncila".

Das Verfahren für eine Heiligsprechung ruht derzeit. Papst Franziskus hatte eine Kommission eingesetzt, der serbische und kroatische Historiker sowie Vertreter der katholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche angehörten. Die Experten kamen 2017 zu dem Schluss, dass im Fall Stepinac "die vorherrschenden Interpretationen der katholischen Kroaten und der orthodoxen Serben nach wie vor unterschiedlich" seien.

(KNA)

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