Der verstorbene Kardinal Henryk Roman Gulbinowicz (Archiv 1998)
Der verstorbene Kardinal Henryk Roman Gulbinowicz (Archiv 1998)
Blick auf Breslau und den Dom im Hintergrund
Blick auf Breslau und den Dom im Hintergrund

16.11.2020

Kardinal Gulbinowicz mit 97 Jahren gestorben Keine Beisetzung in der Kathedrale

In den letzten Wochen seines Lebens durfte Henryk Roman Kardinal Gulbinowicz seine bischöflichen Insignien nicht mehr nutzen. Sein Bistum distanzierte sich von ihm. Noch 2009 war er mit dem höchsten Orden Polens ausgezeichnet worden.

Henryk Roman Kardinal Gulbinowicz, Alterzbischof von Breslau (Wroclaw), ist tot. Der zweitälteste Kardinal der katholischen Weltkirche starb am Montag im Alter von 97 Jahren in einem Breslauer Krankenhaus, wie das Erzbistum Breslau und Radio Wroclaw mitteilten. Er war der zweitälteste Kardinal der Weltkirche.

Gulbinowicz gehörte zu den prägenden Gestalten der polnischen Kirche unter Papst Johannes Paul II. Von 1976 bis 2004 leitete er das Erzbistum Breslau. 1985 machte ihn Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Kardinal.

Nach Missbrauchsvorwürfen keine Beisetzung in Kathedrale

Zuletzt war Gulbinowicz jedoch wegen Missbrauchsvorwürfen in Ungnade gefallen. Der Vatikan untersagte ihm Anfang November die Nutzung von Bischofsinsignien und die Teilnahme an öffentlichen Gottesdiensten und Treffen; zudem schloss er eine Trauerfeier und Beisetzung in der Kathedrale nach Gulbinowicz' Tod aus. Auch seine ehemalige Bischofsstadt Breslau distanzierte sich von ihm. Nach Angaben von Ärzten lag der Kardinal zuletzt im Krankenhaus und war nicht mehr ansprechbar.

Gulbinowicz wurde des sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen und der Zusammenarbeit mit dem früheren kommunistischen Geheimdienst beschuldigt. Der Breslauer Dichter Karol Chum hatte 2019 Strafanzeige erstattet; Gulbinowicz habe ihn Anfang 1990 kurz nach seinem 16. Geburtstag im Priesterseminar missbraucht.

Verteidiger der "Solidarnosc"-Gewerkschaft

Während des von 1981 bis 1983 von den kommunistischen Machthabern über Polen verhängten Kriegsrechts zählte Gulbinowicz zu den Verteidigern der Freiheits- und Gewerkschaftsbewegung "Solidarnosc". Er bot in seiner Bischofsresidenz Dissidenten Unterschlupf und versteckte 90 Millionen polnische Zloty vor dem Staatsapparat. Das Geld hatte die "Solidarnosc" vor der drohenden Beschlagnahmung durch den Geheimdienst von ihrem Bankkonto abgehoben.

Das kommunistische Regime in Warschau hatte Gulbinowicz 1976 selbst als Kandidaten für den Breslauer Bischofssitz akzeptiert, weil es fälschlicherweise annahm, es könne ihn leicht steuern. Schon bald zeigte er sich den Machthabern aber als furchtlos und schlagfertig. 2009 verlieh Staatspräsident Lech Kaczynski dem Kardinal vor allem für dessen Unterstützung der demokratischen Opposition gegen die Kommunisten die höchste Auszeichnung des Landes, den Weiße-Adler-Orden.

Gulbinowicz wurde am 17. Oktober 1923 im damals polnischen und heute litauischen Szukiszki geboren. Bis Anfang 2005 gab er jedoch als Geburtsdatum 1928 an. Erst dann wurde bekannt, dass das Datum 1942 geändert wurde, damit ihn die Nationalsozialisten nicht als Zwangsarbeiter verschleppten.

1950 wurde er zum Priester geweiht. Papst Paul VI. (1963-1978) ernannte ihn 1970 zum Bischof und übertrug ihm die Leitung des polnischen Bereichs der Erzdiözese Vilnius in Bialystok. 1976 wurde er Erzbischof von Breslau; 1985 machte ihn Johannes Paul II. zum Kardinal.

Höhepunkt im Jahr 2000

Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit in Breslau (1976-2004) gehörten die Feiern zum 1.000-jährigen Bestehen seiner Diözese im Frühjahr 2000. Damals sorgte er allerdings für Missstimmung bei der deutschen Kirchendelegation, als er erklärte, das Erzbistum Breslau befinde sich auf "ewig polnischem Land".

Mit dem Tod von Gulbinowicz und dem des ecuadorianischen Kardinals Raul Eduardo Vela Chiriboga (86) am Sonntag (Ortszeit) hat das Kardinalskollegium nun noch 216 Mitglieder; Ende November nimmt Papst Franziskus 13 weitere Kirchenmänner in seinen Senat auf.

Oliver Hinz und Alexander Brüggemann
(KNA)

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