Der emeritierte Krakauer Erzbischof Stanislaw Kardinal Dziwisz
Der emeritierte Krakauer Erzbischof Stanislaw Kardinal Dziwisz

24.09.2020

Vertuschte Kardinal Dziwisz Missbrauchsfälle? "Eine Art Feuerprobe"

Ein Priester wirft dem Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz vor, seine Hinweise auf sexuellen Kindesmissbrauch in der Kirche ignoriert zu haben. Dziwisz bestreitet das und plädiert für eine Untersuchungskommission.

Er ist einer der bekanntesten polnischen Kirchenmänner, wenn nicht der prominenteste: Kardinal Stanislaw Dziwisz. Der langjährige Privatsekretär von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) trieb dessen Heiligsprechung im Rekordtempo voran. 2016 richtete er als Erzbischof von Krakau den katholischen Weltjugendtag mit Papst Franziskus aus.

Auch Pfarrer Tadeusz Isakowicz-Zaleski betont daher, Dziwisz sei "für viele in der Kirche nach wie vor eine große Autorität". Aber er fügt sofort hinzu, diese Autorität werde jetzt auf die Probe gestellt. Es komme gar zu "einer Art Feuerprobe", so der Geistliche gegenüber dem Internetportal onet.pl.

Hat Dziwisz Meldungen unterlassen?

Isakowicz-Zaleski (64) tritt in Polen seit Tagen in Medien als Ankläger gegen den 81 Jahre alten Kardinal auf. Im Internet veröffentlichte er ein Schreiben, das er nach eigenen Angaben im April 2012 persönlich Dziwisz übergeben hat. Darin wirft er mehreren Priestern aus dessen Kirchenprovinz hauptsächlich sexualisierte Gewalt an Jungen vor. Zudem beschuldigt er in dem Text den damaligen Bischof von Bielsko-Zywiec (Bielitz-Saybusch), Tadeusz Rakoczy, solche Verbrechen eines Pfarrers vertuscht zu haben.

Der schwere Vorwurf gegen Dziwisz lautet: Er hätte aktiv werden und die Missbrauchsfälle dem Vatikan melden müssen, habe das jedoch unterlassen. Damit habe er gegen Vorgaben der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. (2005-2013) verstoßen. "Wenn sich bestätigt, dass der Kardinal gewisse Sachen wusste und sich mit ihnen nicht beschäftigen wollte, wird sich für viele herausstellen, dass der König nackt ist", warnt Isakowicz-Zaleski den Ende 2016 emeritierten Krakauer Erzbischof in dem aktuellen Interview.

Bewahrte der Kardinal Missbrauchstäter vor Strafen? Er könne sich nicht erinnern, dass er Dokumente zu dieser Angelegenheit bekommen habe, erklärte Dziwisz. An dem Tag, an dem Isakowicz-Zaleski ihm das Schreiben samt Anlagen gegeben haben wolle, sei er auf einer Pilgerreise im Heiligen Land gewesen, was man überprüfen könne.

Zugleich bedauerte er das "immense Leid", das ein von Isakowicz-Zaleski angeführter Priester in den 1980er Jahren einem Ministranten zugefügt habe. Dem heute 48 Jahre alten Mann sprach er sein "aufrichtiges Mitgefühl" aus. Er werde Schritte unternehmen, um ihn persönlich zu treffen, so der Kardinal.

Unabhängige Kommission vorgeschlagen

Auch sonst ging Dziwisz auf Kritiker zu. Er schlug eine gründliche Prüfung vor: "Hierbei scheint es mir eine gute Lösung zu sein, eine unabhängige Kommission zur Untersuchung dieser Sache zu berufen." Er sei zur vollen Zusammenarbeit mit einem derartigen Gremium bereit.

Noch ist allerdings offen, ob es so eine Aufarbeitung geben wird. Trotz Nachfragen reagierten bislang weder der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski noch das Sekretariat der Bischofskonferenz auf Dziwiszs Vorschlag.

Doch immerhin Piotr Studnicki, Büroleiter des Kinderschutzbeauftragten der Bischofskonferenz, nannte es "hilfreich für die Wahrheitsforschung", wenn eine "unabhängige und für beide Seiten glaubwürdige Kommission" die Sache prüfe. Am besten sollten Dziwisz und Isakowicz-Zaleski die Mitglieder des Gremiums selber bestimmen und sie gemeinsam um eine ehrliche Aufarbeitung bitten, meinte er. Schließlich ist sich Studnicki auch darüber im Klaren: "Die Angelegenheit ist äußerst ernst, öffentlich und für viele sehr skandalös."

Kein Richter in eigener Sache

Isakowicz-Zaleski ist strikt dagegen, das Erzbistum Krakau zum Richter in eigener Sache zu machen. Ganz klar sagt er: "Die einzige Person, die eine Kommission für den Fall des Kardinals einberufen kann, ist der Papst. Ich sehe keine andere Möglichkeit."

In der Diskussion setzte bislang niemand auf die staatliche Untersuchungskommission, die das Parlament im Sommer 2019 für Missbrauchsfälle in den Bereichen Bildung, Kultur, Freizeit und Sport sowie in Religionsgemeinschaften beschlossen hat. Bis heute, mehr als ein Jahr später, ist nicht bekannt, wann sie ihre Arbeit aufnimmt.

Kritiker rügen, die Regierung habe kein Interesse daran, die Versäumnisse beim Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt aufzuarbeiten.

Oliver Hinz
(KNA)

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