Beirut: Blick über den Schauplatz nach einer massiven Explosion im Hafen
Beirut: Blick über den Schauplatz nach einer massiven Explosion im Hafen
Bischof Cesar Essayan, Apostolischer Vikar von Beirut
Bischof Cesar Essayan, Apostolischer Vikar von Beirut

05.08.2020

Beiruts Apostolischer Vikar bittet um Gebet "Einige unserer Kirchen sind hart getroffen"

Tausende Verletzte und viele Tote sind nach der enormen Explosion in Beirut zu beklagen. Die Kirchen vor Ort sind hart getroffen, versuchen aber auch Hilfen für die Opfer zu organisieren.

DOMRADIO.DE: Was wissen Sie über die Lage in Beirut?

Bischof César Essayan (Apostolischer Vikar von Beirut): Es gibt vor allem Verwirrung im Moment. Es sind verschiedene Versionen im Umlauf, was genau gestern passiert ist. Etwas Genaues wissen wir noch nicht. Es ist auch schwer zu sagen, wie es jetzt weiter geht. Das hängt davon ab, ob es ein Unfall war im Hafen von Beirut, oder ein israelischer Raketenangriff gegen die Hisbollah-Miliz. Die Konsequenzen wären sehr verschieden. Das ist im Moment das große Gesprächsthema, weil das überhaupt nicht klar ist.

Auf der anderen Seite sind so viele Menschen tot, es gibt so viele Verletzte. Viele von uns haben ihr Zuhause verloren. Beirut ist verwüstet und wir wissen nicht, was wir jetzt tun sollen. Viele Organisationen versuchen zu helfen, bieten Unterkünfte außerhalb der Stadt an. Klöster haben ihre Türen für die Menschen geöffnet, aber auch für sie ist das eine ungewisse Situation, weil wir ja immer noch das Coronavirus im Land haben. Dafür interessiert sich niemand mehr im Moment. Aber jetzt ist erst mal die Zeit zu helfen, wie wir können. Danach ist die Frage, wie wir wieder aufbauen können.

DOMRADIO.DE: Haben Sie schon von den Menschen ihres Bistums gehört? Oder von den Christen anderer Konfessionen?

Essayan: Noch nicht. Vielleicht wird der Patriarch etwas veröffentlichen. Ich weiß nur, dass alle Kirchen und Klöster versuchen zu helfen. Viele Christen arbeiten auch in den Krankenhäusern.

DOMRADIO.DE: Wie versuchen Sie mit den Katholiken zu helfen?

Essayan: Wir klären gerade, wie wir unsere Freiwilligen organisieren können. Wir müssen helfen, wie es geht, was immer die Menschen jetzt brauchen oder anbieten können. Einige von uns haben ihre Küchen geöffnet und stellen Essen zur Verfügung. Einige Freiwillige helfen auch bereits den Priestern und den Schwestern beim Aufräumen und Säubern der Straßen und Häuser, oder sie geben Kleidung. Einige unserer Kirchen sind hart getroffen, die anderen versuchen Hilfe anzubieten.

Jeder tut, was er kann. Die Hilfe ist noch nicht gut organisiert von der Regierung, das wird sich die nächsten Tage hoffentlich etwas klarer darstellen.

DOMRADIO.DE: Dabei ist der Libanon ja in letzter Zeit durch politische Unruhen geprägt. Trifft Sie dieses Unglück dadurch jetzt besonders hart?

Essayan: Ja, das macht es noch schwieriger. Seit der Revolution am 17. Oktober vergangenen Jahres gibt es viel Korruption im Land. Dagegen wird nichts unternommen. Es sind immer noch die selben Leute an der Macht. Wenn nun sowas wie diese Explosion passiert, die uns alle betrifft, fragen wir uns natürlich, wer dafür verantwortlich ist. Einige Gruppen versuchen andere zu beschuldigen, aber die Korruption ist überall, nicht nur in der Regierung, sondern auch in unserer Mentalität.

Das macht es alles noch schwieriger. Als erstes haben gestern alle der aktuellen Regierung die Schuld gegeben, die gerade mal einen Monat im Amt ist. Niemand fragt zum Bespiel das Parliament, welche Verantwortung es trägt, auch für die Missstände der ganzen letzten Jahre. Es ist natürlich nicht die Zeit für solche politischen Diskussionen. Jetzt müssen wir erst mal auf die Regierung vertrauen. Aber wenn man in einer Zeit des politischen Chaos lebt, weiß man einfach nicht, wem man glauben kann.

Es gibt drei oder vier Versionen im Umlauf, von dem, was gestern passiert ist. Und mit Social Media kann jeder von uns seine Stimme erheben, und sagen: Ich habe ein israelisches Flugzeug gesehen, zum Beispiel. Man kann einfach niemandem im Land glauben, und das macht es alles viel schwieriger. Die Geschichten, die wir hören, widersprechen sich alle – und so kommen wir nicht weiter.

DOMRADIO.DE: Bitten Sie die Menschen ums Gebet?

Essayan: Ja. Wir brauchen Gebete. Wir brauchen sie, weil wir heute einen klaren Kopf brauchen. Das ist nicht möglich, ohne sich auf das Gebet zu besinnen, ohne zur Klarheit Gottes zu kommen. Das ist sehr wichtig. Im Moment reden alle, aber niemand nimmt sich die Zeit zur Besinnung, auf die Werte des Libanons zu achten.

Das Gebet hilft uns aber auch, nicht zwischen den Opfern zu diskriminieren. Es geht nicht darum, ob jemand Christ oder Muslim ist, Libanese oder nicht. Die Gräben, die uns bis jetzt getrennt haben, müssen wir überwinden. Dabei hilft uns hoffentlich das Gebet.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

The original interview, as conducted in english.

(DR)

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