Blick auf den Stephansdom
Blick auf den Stephansdom
Blick in den Wiener Stephansdom
Blick in den Wiener Stephansdom
Menschen stehen Schlange vor dem Wiener Stephansdom
Menschen stehen Schlange vor dem Wiener Stephansdom

11.04.2020

Vor 75 Jahren brannte der Wiener Stephansdom Und die Orgel pfiff leise Klagetöne dazu

Ein Feuer, das Plünderer in der Wiener Innenstadt legten, griff am 11. April 1945 auf den Stephansdom über. Am 12. fiel die größte Glocke, die "Pummerin", zu Boden; am Freitag, den 13., stürzten die Gewölbedecken ein.

Was vor 75 Jahren im Herzen Wiens passierte, trieb vielen entsetzten Bewohnern die Tränen in die Augen: Am 12. April 1945 stürzte die Pummerin, die größte Glocke des Stephansdoms, als Folge eines Dachbrands in die Turmhalle herab und zerbrach.

Tags darauf durchschlug eine einbrechende Stützmauer das Gewölbe des südlichen Seitenchores; das in den Dom eindringende Feuer zerstörte Chorgestühl, Chororgel und Lettnerkreuz. Ein erbarmungswürdiges Bild sinnloser Zerstörung, und das fast am Ende jener Schreckenszeit, in der die Wiener nach jedem Bombenangriff bang fragten: "Steht der Steffl noch?"

Wien trug Trauer

Als steinerner Zeuge des Unvergänglichen hatte der Dom durch über 800 Jahre hinweg allen Widrigkeiten getrotzt, hatte Feuersbrünste, Türkenbelagerungen und Franzosenkriege überstanden. Doch in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges blieb auch Sankt Stephan nicht mehr verschont.

Die Wiener trugen Trauer. Und doch - zu den fassungslosen Betrachtern der Zerstörung gesellte sich laut Presseberichten ein Mann in ausgebeulten Hosen und mit abgeschabtem Hut, der wie nebenbei bemerkte: "Na, wir werden ihn halt wieder aufbauen müssen."

Es handelte sich um Kardinal Theodor Innitzer. Nur wenige Wochen danach, am 15. Mai 1945, rief der Wiener Erzbischof den Gläubigen zu: "Unsere Kathedrale, den Stephansdom, wieder in seiner ursprünglichen Schönheit erstehen zu helfen, ist eine Herzenssache aller Katholiken, eine Ehrenpflicht aller!"

Ab März hatten sich die alliierten Bombenangriffe auf Wien gemehrt.

Einer davon am 12. März sollte für die Katastrophe einen Monat später fatale Folgen haben - wurden dabei doch die beiden großen Wasserleitungen des kaum in Mitleidenschaft gezogenen Doms zerstört.

Zum wichtigsten Zeugen der Geschehnisse zwischen 11. und 13. April wurde Domkurat Lothar Kodeischka (1905-1994), der als Sakristeidirektor in diesen Tagen praktisch durchgehend vor Ort war Als am 11. April 1945 Waffen-SS und Rote Armee einander am Donaukanal gegenüberstanden, tauchte laut Kodeischka die Nachricht auf, SS-Einheiten würden einen Gegenstoß über die Augartenbrücke unternehmen.

Teile der sowjetischen Artillerie wurden daraufhin vom Stephansplatz abgezogen. Für einige Stunden sei die zentrale Innenstadt daher ohne Besatzung gewesen. Dies nutzten Banden von Plünderern - und legten anschließend Feuer in den heimgesuchten Geschäften.

Diese Schilderung deckt sich mit denen anderer Augenzeugen; die vom späteren Wiener Judaistik-Professor Kurt Schubert vertretene Hypothese eines deutschen Artilleriebeschusses als Brandursache gilt heute als überholt. Er könne "bezeugen, dass die ganze Zeit hindurch kein einziger Granattreffer, schon gar nicht eine Brandbombe, den Dom traf - entgegen der sonst oft gehörten Ansicht, die Deutschen hätten den Dom in Brand geschossen", heißt es in dem Kodeischka-Bericht.

Starker Südwestwind löste demnach heftigen Funkenflug aus, sodass "brennende Fetzen bis hoch über den Südturm wehten". Bis in die Nacht zum 12. April habe man "immer wieder neue Brandherde entdeckt und löschen können", so Kodeischka. Um Mitternacht jedoch fing das Gerüst auf dem Nordturm Feuer. Der Glockenstuhl begann zu brennen; eine Zehn-Tonnen-Glocke fiel ins linke Querhaus. Dort wurde das Wimpassinger Kreuz, eine monumentale toskanische Arbeit des Mittelalters, ein Raub der Flammen.

Gegen elf Uhr des 12. April brannte das Dach zwischen den beiden Domtürmen. Stück für Stück des riesigen Dachstuhls aus zehntausend Lärchenstämmen stürzte auf die Gewölbedecken. Die hielten der Last stand - noch. Doch aus einem der runden Deckenlöcher, das sich über der großen Orgel öffnete, fiel Glut herunter und erfasste die Tausenden Holzteilchen im Inneren des Instruments. Bald stießen aus Orgelpfeifen Flammen hoch. Augenzeugen berichteten später von leisen Klagetönen aus den Pfeifen.

Um 14.30 Uhr sauste die "Pummerin", mit 22 Tonnen die schwerste Glocke Österreichs, samt ihrem brennenden Glockenstuhl in die Tiefe und zerschellte lärmend am Gewölbering der südlichen Turmhalle.

Abends war das Dach abgebrannt. Glühende Balken lagen auf den Gewölbedecken - aber das Innere des Doms schien gerettet zu sein.

Abends mussten alle mittlerweile tätigen Helfer den Stephansdom verlassen, weil die Sowjets in der "Kampfzone" Stephansplatz eine Ausgangssperre verhängt hatten.

Völlig unerwartete Katastrophe

In der Nacht schien Kodeischka, dass das Feuer unter Kontrolle sei. Doch dann sei am Freitag, 13. April, um 4.15 Uhr "völlig unerwartet die Katastrophe erfolgt": Das Gewölbe stürzte ein und bedeckte den Kirchenraum. Der Domkurat und eine Helferin entgingen nur knapp dem Tod. "Wir wurden von einer dichten, undurchdringlichen Staubwolke eingehüllt, sodass in der gähnenden Finsternis jede Orientierung unmöglich war. Ich selbst verlor einige Augenblicke das Bewusstsein", schilderte Kodeischka.

Das gotische Lettnerkreuz wurde zum Sinnbild der Zerstörung: Vom Triumphbogen hing es herab; nur der obere Teil des Längsbalkens und der Querbalken mit den angebrannten Unterarmen des kopflosen Corpus waren noch vorhanden - "ein Bild, das jedem unvergesslich blieb, der es gesehen hat", berichtet die langjährige Diözesanarchivarin Annemarie Fenzl. Im Schutt fand ein Benediktiner das hölzerne Haupt; er löschte die noch züngelnden Flammen in einem Weihwasserbecken.

Seit 2009 hängt das rekonstruierte Kreuz wieder an seinem angestammten Platz; der Kopf weist bis heute Brandspuren auf.

Gerade die "kleinen Leute" von Wien trugen entscheidend zum Wunder des Wiederaufbaus bei. Die Finanzierung wurde in den ersten vier Jahren allein durch Spenden der Wiener, die selbst nur das Notwendigste hatten, erst später dann durch eine Dombaulotterie, eine Briefmarkenserie sowie die bekannte Aktion aufgebracht, bei der Freunde des Doms eine oder mehrere Dachziegel für fünf Schillinge kaufen konnten.

In nur sieben Jahren gelang der Wiederaufbau in einem nationalen Kraftakt. Beim Festgottesdienst am 27. April 1952 war sogar Papst Pius XII. via Funk aus dem Vatikan zugeschaltet. Erst 1983 wurden in der Barbarakapelle am Fuß des Nordturms die letzten Kriegsschäden behoben.

Robert Mitscha-Eibl
(KNA)

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