Ein Ordensbruder braut in der Abtei von Hamont-Achel, der kleinsten Trappistenbrauerei in Belgien, Bier (Archivbild)
Ein Ordensbruder braut in der Abtei von Hamont-Achel, der kleinsten Trappistenbrauerei in Belgien, Bier (Archivbild)
Ein Mitarbeiter steht an der Abfüllanlage und füllt das Bier in Flaschen (Archivbild)
Ein Mitarbeiter steht an der Abfüllanlage und füllt das Bier in Flaschen (Archivbild)

01.04.2020

543.500 Liter Bier pro Mönch und Jahr Trend Trappistenbiere - Ein zurückgezogener Orden ganz weit vorn

Nach Jahrzehnten der Bier-Vereinheitlichung durch Riesenkonzerne geht der Trend nun voll in die Gegenrichtung: "Craft-Biere" und Bier-Individualismus ziehen rund um den Globus. Und ganz zurückgezogene Mönche machen es vor.

Trappisten gehören zu den strengsten Orden der katholischen Kirche. Das bedeutet aber keineswegs, dass sie nicht der Welt etwas ganz besonderes zu geben hätten, das über fürbittendes Gebet und Gottesdienst hinausginge. Was den Kartäusern der "Chartreuse", der weltweit beliebte Kräuterlikör aus Grenoble, das ist den Trappisten das "Trappistenbier".

Weltweit gibt es nur 12 oder 13 sogenannte authentische Trappistenbiere: sechs davon aus Belgien (Westvleteren, Westmalle, Achel, Chimay, Rochefort und Orval), zwei aus den Niederlanden (Koningshoeven, Zundert), eines aus Österreich (Engelszell), eins aus Italien (Tre Fontane), eins aus den USA (Spencer, Massachusetts) und seit 2018 eines aus England (St. Bernhard, Leicestershire). Bei einem weiteren aus Frankreich ist die Authentizität unsicher: Es firmiert unter der Abtei Mont-des-Cats in Godewaersvelde, wird aber in der belgischen Trappistenabtei Scourmont Achel hergestellt.

Zur Arbeit gehört das Brauen dazu

Auch wenn belgische Biere bei Puristen des deutschen Reinheitsgebotes bis in die jüngere Vergangenheit stets als Panscherei abgelehnt wurden: Spätestens der internationale Trend der sogenannten Craft-Biere hat die einstige deutsche Hopfen-und-Malz-Langeweile überrollt. Individuelle Handwerkskunst gibt nun den Ton an; mit Bier-Sommeliers und Beer Tastings.

Belgien hat dabei seinen ganz speziellen Zugang zur Braukunst, inspiriert durch das Verbot hochprozentigen Alkohols im Zuge des Ersten Weltkriegs. Das gilt besonders für die belgischen Orden. Der Trappistenorden wurzelt im frühen 12. Jahrhundert; seine Hauptaufgaben sind Gebet und Arbeit. Und zur Arbeit gehört nun mal auch das Brauen.

185.000 Hektoliter Bier in 2018 - Chimay ist Spitzenreiter 

Die Belgische Bischofskonferenz hat kürzlich Zahlen zum kirchlichen Leben veröffentlicht, die auch ein Schlaglicht auf die liebste Nebenbeschäftigung der Trappisten wirft. Demnach leben in den sechs Abteien Belgiens insgesamt 96 Mönche - mit einem Bierausstoß von 521.800 Hektoliter jährlich. Das bedeutet 52,2 Millionen Liter - oder 543.500 Liter Bier pro Mönch und Jahr.

Der Spitzenreiter ist Chimay im Hennegau. Hier wurden 2018 spektakuläre 185.000 Hektoliter Bier produziert - allerdings nicht nur von den 15 Mönchen, sondern auch von 100 Beschäftigten der Brauerei. Den zweiten Platz belegt Westmalle in der Provinz Antwerpen. Von dort kommen 134.000 Hektoliter - bei 32 Mönchen und 59 Angestellten in Brauerei und Käserei.

Alkoholgehalt zwischen 6 und 12 Prozent

Mittlere Größe haben Orval in Südostbelgien (14 Mönche, 78.200 Hektoliter) und Rochefort in den Ardennen (15 Mönche, 52.000 Hektoliter). Die beiden kleinen sind Achel (2 Mönche, 13 Angestellte, 6.300 Hektoliter in 2018) und Westvleteren in Westflandern (18 Mönche, 5 Angestellte, 6.265 Hektoliter).

Für das Siegel als "authentische Trappistenbiere" müssen die obergärigen Biere innerhalb der Abtei und unter Verantwortung des Ordens gebraut werden. Der Alkoholgehalt von Trappistenbieren liegt zwischen 6 und 12 Prozent. Sie werden zwar nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot, aber doch nur aus natürlichen Rohmaterialien hergestellt: Quellwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker und Hefe. In der Flasche findet eine zweite Gärung statt.

15 Euro pro Flasche

Angesichts der strengen Regeln, wonach nur wirklich hinter Klostermauern gebraute Biere das Qualitätssiegel tragen dürfen, haben Trappistenbrauereien nach eigenen Angaben oft Schwierigkeiten, die wachsende Nachfrage zu befriedigen. Das beste Beispiel ist Westvleteren.

Wiederholt zum besten Bier der Welt gekürt, ist es doch nur in kleinen Mengen erhältlich. Dabei rennt ihnen die Welt des 21. Jahrhunderts die Bude ein. In Gaststätten werden 15 Euro pro Flasche abgerufen. Nur einmal, als die Abtei ein neues Dach brauchte, wurde der Ausstoß vergrößert und über Zeitungscoupons in einer einzigen Supermarktkette ausgegeben. Ein ganzes Land stand Kopf. Es geht eben um belgische Hochkultur.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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