Feuer im Tur Abdin
Feuer im Tur Abdin

07.08.2019

Waldbrände in der Türkei Brandstiftung gegen Christen?

Seit Tagen brennt es in der Türkei in Gebieten, in denen vor allem Christen leben. Sie gehen davon aus, dass die Feuer absichtlich gelegt wurden. Der Staat hält sich raus und löscht nicht mehr.

Die Flammen kommen immer näher. Es sind vor allem Jugendliche, die versuchen, sie mit Erde und Olivenzweigen auf Abstand zu ihren Häusern zu halten. Seit mehr als einer Woche brennt immer wieder die Erde – im Südosten der Türkei, nahe der syrischen Grenze. Das Gebiet heißt Tur Abdin, was so viel bedeutet wie "Berg des Knechts Gottes". Schon vor vielen Hundert Jahren haben hier Christen gelebt. Davon zeugt zum Beispiel das bekannte Kloster Mor Gabriel, das etwa 400 Jahre nach Christus gebaut wurde und noch intakt ist.

Jetzt steht das Land der Urchristen in Flammen. Betroffen ist vor allem Ackerland, also Olivenhaine, Weinstöcke oder Flächen, auf denen Schafe normalerweise grasen. Nach Angaben der Behörden sind mittlerweile mindestens 200 Hektar Land verbrannt. Auch ein Friedhof stand in Flammen und vor ein paar Tagen brannte es in den Gärten des alten syrisch-orthodoxen Klosters Mor Zafaran in der Nähe der Stadt Mardin. Es gibt Bilder, auf denen man sieht, wie das Feuer bis an die Mauern des Klosters herankommt. Der Brand konnte zwar gelöscht werden, aber unzählige Bäume und insgesamt rund zehn Hektar Anbaufläche wurden vernichtet.

Christen vermuten Brandstiftung

Für die Menschen in der Region steht damit nicht nur die Ernte auf dem Spiel, sondern sie sehen auch ihre Kirchen und Klöster bedroht. Außerdem kommen die Flammen immer näher an die zahlreichen Dörfer heran, die vorwiegend christlich sind und wo sich erst seit einigen Jahren wieder Christen ansiedeln. Sie mussten vielen Jahren von dort vor Unterdrückung durch Militär, Staat und regionaler Milizen fliehen. Viele sind nach Europa gegangen und kommen jetzt langsam wieder zurück.

Immer mehr Menschen gehen davon aus, dass die Feuer absichtlich gelegt wurden. Zwar ist es im Tur Abdin im Sommer mit Temperaturen um die 40 bis 50 Grad extrem heiß und trocken. Deswegen brennt es immer mal wieder in den Sommermonaten. Doch dieses Jahr ist anders: Die Brände sind heftiger, sie brechen zum Teil an verschiedenen Orten gleichzeitig aus und sie brachen etwa dann aus, als die Kämpfe zwischen türkischer Soldaten und Milizen der verbotenen terroristischen PKK wieder begannen.

Zwischen PKK und türkischem Militär

Es gibt drei Theorien, woher die Brände kommen. Erstens: Das Feuer ist durch herumliegende Munition entstanden. Zweitens: Die PKK-Kämpfer haben es gelegt, um sich gegen die türkischen Soldaten zu wehren. Drittens: Die türkischen Soldaten haben es gelegt, um die PKK-Kämpfer zu vernichten. Die Christen sind mal wieder zwischen die Fronten eines Kriegs geraten, mit dem sie nichts zu tun haben möchten.

Manche verstehen die Brände auch als Angriff auf die rückkehrwilligen Christen. Sie vermuten eine Taktik dahinter, damit bloß nicht mehr Christen in die Region zurückkehren. Denn in dem Gebiet leben sehr viele verschiedene religiöse und ethnische Gruppen. Dass die Christen zurückkommen, gefällt nicht allen dort. Es geht dabei vor allem um alte Rivalitäten und um Grundstücke. Als fast alle Christen vertrieben waren, konfiszierte der Staat die Ländereien und enteignete die Christen. Erst nach kostspieligen Gerichtsprozessen und auf internationalen Druck hin wurden einige der Grundstücke zurückgegeben.

Feuerwehr traut sich nicht in die Flammen

Mittlerweile sei die Situation so schwierig, dass selbst die Feuerwehr nicht mehr löschen wolle, berichten Anwohner. Sie begründen das damit, dass in den brennenden Wäldern noch immer Militär gegen PKK-Anhänger kämpfen würde. Und solange das Militär es der Feuerwehr nicht erlaubt zu löschen, würden sie nicht ausrücken.

Den Anwohnern bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst zu verteidigen – weil das Wasser knapp ist, nehmen sie dafür vor allem Olivenzweige – solange es noch welche gibt.

Marion Sendker
(DR)

Sommer-Gewinnspiel

Ab dem 15. Juli wochentäglich: unser multimediales Sommer-Gewinnspiel. Kirchengeräusch anhören, erraten und gewinnen!

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 25.08.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Urlaub Anno Dazumal - Prälat Sauerborn
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Severinale der Kölner Gemeinde St. Severin
  • Bonifatius-Musical in Fulda
11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Severinale der Kölner Gemeinde St. Severin
  • Bonifatius-Musical in Fulda
12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag. (Achtung: Sommerpause ab 1. Juli)