Zusammenleben der Religionen: Oftmals konfliktreich
Zusammenleben der Religionen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird auch auf der Weltversammlung sprechen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird auch auf der Weltversammlung sprechen

06.08.2019

Über die Ziele der Weltkonferenz "Religions for Peace" Miteinander reden und Frieden initiieren

In zwei Wochen kommen Vertreter verschiedener Religionen aus über 190 Ländern zusammen, um miteinander zu reden und zu diskutieren – bei der Weltkonferenz von "Religions for Peace" im kleinen Ort Lindau am Bodensee.

DOMRADIO.DE: Von Religionskritikern wird oft und gerne gesagt, dass die Welt ohne Religion – also ohne Kreuzzüge, ohne IS – viel friedlicher wäre. Was entgegnen Sie?

Ulrich Schneider (Geschäftsführer der Stiftung Friedensdialog der Weltreligionen und Zivilgesellschaft): Insgesamt ist das ja eher eine theoretische Diskussion. Wir leben mit Religionen und deshalb ist es eben wichtig, dass wir uns zusammensetzen und miteinander reden.

DOMRADIO.DE: Gerade in den letzten Jahren und auch in den letzten Monaten nehmen religiöse Konflikte immer mehr zu. Denken wir an Israel und Palästina. Trump will Muslime aus den USA aussperren. Wie kann eine Religion zur Verständigung und Friedensförderung beitragen?

Schneider: Wir können zeigen, dass wir gerade in den letzten 50, 60 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und in Europa auch eine Friedensgeschichte erlebt haben, an der auch die Religionen einen Anteil hatten.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, die die NGO "Religions for Peace" anführen kann. Religionen haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass sich Menschen zusammengesetzt und versucht haben, sich gegenseitig zu verstehen. Überhaupt hat das Miteinanderreden dazu geführt, dass ein Friedensprozess initiiert und ein friedliches Zusammenleben möglich wurde.

DOMRADIO.DE: Haben Sie ein Beispiel?

Schneider: In Europa wäre es der Konflikt in Bosnien-Herzegowina vor 25 Jahren, in dem "Religions for Peace" eine wichtige Rolle gespielt hat. Sie hat Muslime, Orthodoxe, also Serben, und die Katholiken an einen Tisch gebracht hat. Und das auch auf einer ganz anderen als der politischen Ebene.

Es war natürlich ein stark religiös geprägter Konflikt. Aber die Menschen haben sich zusammengesetzt und erst mal wieder eine Gesprächsebene gefunden, die die Grundlage für den Friedensvertrag von Dayton, Ohio, geschaffen hat. Der Friedensvertrag hält dort bis heute an.

DOMRADIO.DE: "Religions for Peace" ist die größte religiöse Nichtregierungsorganisation der Welt. Sie kommt aus New York und organisiert die Weltversammlung, bei der in zwei Wochen knapp 1.000 Vertreter der größten Religionsgemeinschaften aus 190 Ländern teilnehmen. Die Religionen Judentum, Christentum und Islam werden natürlich vertreten sein. Wer ist sonst noch beteiligt?

Schneider: Die abrahamitischen Religionen in Europa sind natürlich zu einem großen Teil dabei. Aber auch Buddhisten werden kommen. Zum Beispiel hat sich eine sehr große Delegation aus Japan angekündigt. Hindus werden dabei sein und eine ganze Reihe kleinerer Religionen wie Sikhs oder auch die indigenen Religionen aus Amerika.

Die größte Gruppe sind die Christen mit 300 Vertretern. Die kleinste Gruppe hat vielleicht nur drei oder vier Vertreter einer Religion. Insgesamt werden auf der Weltkonferenz in Lindau über 10 verschiedene Religionen vertreten sein.

DOMRADIO.DE: Die christlichen Kirchen wollen eine lange Tafel der Religionen aufbauen, um die Verständigung zu fördern. Was wird da passieren?

Schneider: Das ist eine tolle Idee. Die Kirchengemeinden in Lindau und auch die muslimische Gemeinde werden beteiligen sich. Die Delegierten aus aller Welt sind eingeladen, zusammen am Tisch zu sitzen und gemeinsam zu essen. Sie können mit den Menschen hier vor Ort ins Gespräch kommen.

Wir werden mit der Weltkonferenz nicht einfach wie ein UFO in Lindau landen und nach fünf Tagen wieder abheben, sondern auch hier vor Ort zum Austausch kommen.

DOMRADIO.DE: Was muss am Ende der Weltkonferenz nach 5 Tagen passieren, damit Sie zufrieden sind?

Schneider: Zum einen ist für mich persönlich natürlich wichtig, dass wir eine erfolgreiche Versammlung haben und alles gut über die Bühne geht. Aber das wichtige Ergebnis ist sicherlich der Aktionsplan, der in Lindau geschrieben und verabschiedet wird. Er wird die Arbeitsgrundlage von "Religions for Peace" weltweit und in den einzelnen Kontinenten für die nächsten Jahre sein.

Außerdem wird ein neuer 'World Council', also ein neuer Weltrat, für die nächsten fünf Jahre und auch ein neuer Generalsekretär in Lindau gewählt. Insofern gibt es auch wichtige personelle Weichenstellungen. Wenn das alles erfolgreich über die Bühne gegangen ist, dann bin auch ich zufrieden und glücklich.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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