Geschlossene Kirchentür
Geschlossene Kirchentür
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers
Abschiebung aus den USA
Abschiebung aus den USA

17.07.2019

USA-Experte über Trumps Pläne von Massenabschiebungen "Vor der Kirchentür muss Halt sein"

Präsident Donald Trump droht seit einigen Tagen mit der radikalen Abschiebung von Migranten, die sich illegal in den USA aufhalten. Doch die Kirche hält massiv dagegen, berichtet USA-Experte Klaus Prömpers im Interview.

DOMRADIO.DE: In den USA leben rund elf Millionen Menschen ohne gültige Papiere. Massen-Abschiebungen gab es dort auch unter Obama immer wieder. Was macht die Situation jetzt so besonders?

Klaus Prömpers (Ehemaliger ZDF-Korrespondent und USA-Experte): Besonders macht es das Wahlversprechen Trumps bei seiner Wahl 2016. Denn damals hat er versprochen, die aus seiner Sicht elf Millionen illegalen Menschen wieder an ihre Ursprungsorte zurückzubringen - also aus dem Land zu werfen. Er hat schon damals gesagt, er werde eine Mauer zu Mexiko bauen, sodass vor allem aus Zentralamerika keine Flüchtlinge mehr nach Amerika kommen könnten. Beides hat er bisher nicht erfüllt. Die Wahlen im nächsten Jahr rücken näher. Jetzt verschärft er den Ton und hat damit immerhin bei seinen eigenen Anhängern 73 Prozent Zustimmung.

DOMRADIO.DE: Die Kirchen in den USA und Mexiko haben ein Unterstützer-Netzwerk für mexikanische Migranten angekündigt. Wie kann das aussehen?

Prömpers: Die Kirchen können sich dabei insbesondere auch auf die Tatsache stützen, dass sie bereits jetzt 30 Prozent aller Flüchtlinge, die ins Land kommen, versorgen. Sie helfen Ihnen etwa bei der Ansiedlung und bei Sprachkursen. Das übersteigt im Grunde den Anteil, den die Katholiken insgesamt in den USA haben. Aber in über 100 Diözesen gibt es spezielle Organisationen für Flüchtlinge.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz der USA, Kardinal DiNardo, hat nach Inkrafttreten der neuen Asyl-Bestimmungen US-Präsident Trump am Dienstag einen Brief geschrieben. Er warnt davor, ein Klima der Angst zu erzeugen. Menschen würden in die USA fliehen, weil sie etwa wegen ihrer Rasse verfolgt werden, weil sie wegen Gewalt, wegen Bandenkriminalität oder wegen Armut aus ihrer Heimat fliehen. Das sei zu respektieren. Die USA seien traditionell ein Land, das immer davon gelebt habe, dass viele Menschen aus aller Welt sich dort in die Freiheit bewegt hätten.

DOMRADIO.DE: Gibt es in den USA so etwas wie Kirchenasyl? Können Kirchen ihre Türen für Migranten öffnen, sodass die Polizei dann dort kein Zugriffsrecht hat?

Prömpers: Am Wochenende ist das praktiziert worden. In 25 Kirchen in Houston, Texas, und in einem Dutzend Kirchen im kalifornischen Los Angeles haben die Kirchen den bedrohten Ausländern dieses Kirchenasyl angeboten. Dagegen macht Donald Trump Front. Er kann das aber nicht so unverschämt machen, wie er das bisweilen in seinen Tweets macht. Denn in der Tat: Vor den Kirchentür muss erst mal Halt sein.

Der Bischof von Chicago, Kardinal Cupich, schrieb in einem Brief an seine Diözesan-Priester am vergangenen Sonntag: "Drohungen von Aktionen, die Grenzen stärker zu überwachen und schließen zu wollen, heißt, eine Menge von Gemeinschaften zu terrorisieren." In der Diözese mit mehr als zwei Millionen Katholiken rief er dazu auf, keine Mitarbeiter der Behörden von der Einwanderungsbehörde in die Kirchen zu lassen, wenn sie sich nicht ordentlich ausweisen und sie nicht wirklich über einen Haftbefehl verfügen. Dann haben Sie die Möglichkeit, zumindest darüber zu reden, ob die Menschen, die möglicherweise Zuflucht gesucht haben, ihnen folgen müssen.

DOMRADIO.DE: In diesen Tagen gibt es in den USA auch eine große Diskussion um einen rassistischen Tweet von Trump gegen vier demokratische Abgeordnete. Er riet ihnen dazu, in "ihre Länder" zurückzukehren. Gibt es dazu schon eine Stellungnahme von Vertretern der Kirche oder gibt es dort eher Zurückhaltung?

Prömpers: Da hat sich zwar nicht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zu geäußert, aber dafür durchaus einzelne Vertreter der Kirche. Aber auch Sie haben kritisiert, was der Präsident da gemacht hat. Alle vier sind Neulinge im Repräsentantenhaus oder im Senat. Alle vier sind Farbige. Erstmals ist eine indianische Farbige ins Repräsentantenhaus gewählt worden, erstmals eine Farbige aus Kalifornien in den Senat. Alle diese vier Damen hatte er nicht nur aufgefordert, in ihre Heimat zurückzukehren, er hat sie wirklich in mehreren Tweets und wiederholt auf übelste Weise beschimpft.

Die Frauen haben sich am Dienstag vor die Presse gestellt und haben den Präsidenten aufgefordert, menschlicher miteinander umzugehen.

Vielleicht noch eine Zahl zu den Asylbewerbern: Donald Trump hat es geschafft, in seinem ersten Haushaltsjahr, das im September letzten Jahres endete, nur noch 52.500 Asylbewerber anzunehmen. Im Jahr zuvor - im letzten Haushaltsjahr von Obama - waren es noch 100.000. Das zeigt ein bisschen, was sich in den USA durch die Regierung Trump verändert hat, eine Regierung, die zweifelsohne eine rechtspopulistische, wenn nicht sogar in Teilen rechtsextreme ist.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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