Nach den Anschlägen in Sri Lanka
Nach den Anschlägen in Sri Lanka
Kardinal Albert Malcolm Ranjith
Kardinal Albert Malcolm Ranjith

20.06.2019

Kardinal kritisiert mangelnden Aufklärungswillen auf Sri Lanka Schuldzuweisungen statt Aufklärung

Zwei Monate sind seit den Anschlägen auf Kirchen und Hotels auf Sri Lanka vergangen - die Aufklärung stockt. Kardinal Ranjith warnt vor einer Instrumentalisierung der Angriffe bei der Präsidentschaftswahl 2020. 

Das Interesse an einer Aufklärung der Bombenanschläge vom Ostersonntag auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka lässt nach Ansicht des Erzbischofs von Colombo, Kardinal Malcolm Ranjith, spürbar nach.

Anhörungen einer Untersuchungskommission würden nicht mehr im Fernsehen übertragen. Vertreter von Behörden und Parteien ergingen sich in Schuldzuweisungen, wer Hinweise auf Anschläge vernachlässigt habe, sagte Ranjith am Donnerstag in Rom.

Hinweise auf Attentate ignoriert

In den Wochen vor den Angriffen habe es mehrfach Informationen des indischen Geheimdienstes zu möglichen Attacken von Extremisten gegeben, die aus Syrien zurückkämen, bestätigte der Kardinal bei einer Pressekonferenz des Hilfswerks "Kirche in Not".

Noch am Ostermorgen um 6.45 Uhr sei eine Warnung eingegangen. "Hätte ich das gewusst, hätte ich die Kirchen geschlossen und den Menschen gesagt, sie sollten zu Hause bleiben", so Ranjith.

Am Donnerstagnachmittag wurde der Kardinal von Papst Franziskus empfangen. Ihm will er ein Video übergeben, das über die Anschläge und deren Folgen berichtet. Zu sehen sind darin auch Aufnahmen von Überwachungskameras, die die Terroristen mit Rucksack zeigen - einen von ihnen bis zu dem Moment, in dem er eine Kirche betritt und die Bombe zündet.

Bei den Selbstmordanschlägen islamistischer Terroristen auf drei Kirchen und drei Hotels waren nach Aussage von Ranjith 300 Menschen getötet worden; andere Quellen nennen 250. Vor einer Woche erst wurden laut Medienberichten vier weitere Verdächtige im Nahen Osten durch Interpol festgenommen.

Interreligiöser Zusammenhalt trotz Spannungen

In den Tagen und Wochen nach den Anschlägen habe er etliche Kirchengemeinden, Dörfer, aber auch Moscheen und Tempel besucht, um aufkommende Spannungen zu entschärfen, berichtete der Kardinal. Es sei in manchen Fällen schwierig gewesen, anti-islamische Racheangriffe zu verhindern. Die Vorsteher örtlicher Moscheegemeinden habe er beruhigen können, dass keine Racheakte von Christen zu befürchten seien. Im Gegenzug hätten die Muslime die Christen unterstützt, so Ranjith.

Allerdings habe sich in den vergangenen 30 bis 40 Jahren der wahhabitische Einfluss in Sri Lanka verstärkt, der sich von örtlichen Muslimen abgrenze. Nun komme es darauf an, die jüngsten Anschläge und mögliche unterschwellige Spannungen bei den nächsten Präsidentschaftswahlen Anfang 2020 nicht zu instrumentalisieren. Sri Lanka ist von einer buddhistischen Bevölkerungsmehrheit geprägt.

(KNA)

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