Weihekandidaten knien während einer Priesterweihe
Weihekandidaten knien während einer Priesterweihe
Prof. Dr. Christoph Ohly
Prof. Dr. Christoph Ohly

19.06.2019

Amazonas-Synode könnte für Universalkirche Fragen aufwerfen "Schneeballeffekte" aus dem Regenwald?

Der Vatikan hat das Arbeitspapier zur Amazonas-Synode veröffentlicht. Darin geht es auch um Fragen der Priesterweihe für verheiratete Männer und neue Ämter für Frauen. Könnten daraus "Schneeballeffekte" für die gesamte Kirche entstehen?

DOMRADIO.DE: Was haben Sie gedacht als Sie gelesen haben, es soll eine Debatte über verheiratete Priester und Leitungsaufgaben für katholische Laien geführt werden?

Prof. Dr. Christoph Ohly (Professor für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät der Universität Trier): Als ich mir den Text mal angeschaut habe, habe ich festgestellt, dass es eine unter sehr vielen Fragen ist, die mit dem Thema Amazonien, Wege der Kirche und Ökologie zu tun hat. Aber es ist natürlich ein Thema, das aufhorchen lässt.

DOMRADIO.DE: Bekannt ist die Region unter anderem dafür, dass es extrem wenige Priester gibt. Eine Lockerung des Zölibats könnte da vielleicht helfen. Wie hoch sind die kirchenrechtlichen Hürden denn, um Ausnahmen vom Zölibat zu ermöglichen?

Ohly: Das kann man vielleicht an einem konkreten Beispiel verdeutlichen. Es hat ja bisher auch immer schon Einzelfälle und Einzelfallprüfungen gegeben. Im Fall von Geistlichen aus den evangelischen Kirchen und Gemeinschaften, wo ein evangelischer Pfarrer mit seiner Familie zum katholischen Glauben konvertiert ist, stellte sich dann die Frage, ob er diesen Dienst auch in der katholischen Kirche fortsetzen kann.

Man hat sich an einen Bischof gewendet, Fragen der Ausbildung besprochen und dann auf Dauer hin natürlich die Frage des Zölibats geklärt. Daraufhin wurde die Frage nach Rom an den Papst gerichtet, ob eine Dispens (Ausnahme[bewilligung], besonders die kirchliche Befreiung von Ehehindernissen, Anm. d. Red.) der Zölibatsverpflichtung möglich ist. Nach Prüfung der gesamten Sachlage ist eine Dispens dann entweder ausgesprochen oder nicht ausgesprochen worden.

Von daher sind die Hürden insofern recht hoch, dass man auf die Person schaut, auf die Ausbildung und auf das gesamte Umfeld. Bisher ist das eben immer eine Einzelfallentscheidung gewesen.

DOMRADIO.DE: Die Möglichkeit an der Eucharistie teilzunehmen, wird für viele Gläubige durch den Priestermangel fast unmöglich gemacht. Kann man dieses Gut der regelmäßigen Teilnahme mit der Verpflichtung von Priestern zum Zölibat abwägen oder müsste da der Zölibat weichen?

Ohly: Es müsste vielleicht die Frage erweitert werden. Papst Franziskus sagt es und auch das Dokument spricht von diesem "eucharistischen Hunger", also den wenigen Priestern, die da sind. Aber es ist natürlich auch die Frage – es war das Zweite Vatikanische Konzil, was das sehr stark herausgestellt hat – zu überlegen, ob wir die Priester der Welt nicht auch besser verteilen können. Das heißt also, müssen wir nicht vielmehr schauen, inwieweit wir Priester aus anderen Regionen in Länder schicken können, in denen es zu wenige Priester und damit tatsächlich einen Notstand in der Eucharistie gibt.

Das wäre der Ansatz von einer anderen Seite, einmal diese Fragestellungen anzugehen. Also die Frage ist nicht sozusagen als ein Hebel zu verstehen, möglicherweise den Zölibat aufheben zu wollen. Ich glaube, die Frage kann man auch von verschiedenen Seiten angehen.

DOMRADIO.DE: Es heißt in dem Arbeitspapier, man folge mit dieser Diskussion den Anliegen, die Befragte bei der Vorbereitung der Synode genannt haben. Wie rechtlich bindend ist denn so eine Befragung?

Ohly: Die ist insofern bindend, dass diese Anfragen jetzt in dieses Vorbereitungspapier aufgenommen worden sind und damit auch Gegenstand der Beratungen in der Synode werden. Man muss natürlich auch darauf hinweisen, dass es eine regionale Synode und eine Sondersynode zu einem ganz spezifischen Gebiet innerhalb der katholischen Kirche ist.

Von daher ist das eine Frage, die sich auf dieses Gebiet konkretisiert oder spezifiziert. Aber man muss sicherlich auch sehen, dass daraus ein gewisser Effekt für die gesamte Kirche entstehen kann. Aber, so glaube ich, man muss tatsächlich schauen, wie man konkrete Probleme vor Ort in den Griff bekommt – aber immer in der Anbindung und mit dem Blick auf die gesamte Kirche, sodass keine Teile innerhalb der gesamten Kirche entstehen, die sich in dieser Frage gänzlich von der gesamten Kirche lösen.

DOMRADIO.DE: Wie ordnen Sie die Bedeutung der Debatte ein? Könnte diese Diskussion denn auch ausstrahlen, also eine Lockerung des Zölibats für die Weltkirche bringen?

Ohly: Der Sekretär der Bischofssynode betont zwar, es sei hier nicht daran gedacht, den Zölibat als Verpflichtung aufzuheben. Aber es hat auch schon jemand gesagt, das könne natürlich den berühmten Schneeballeffekt mit sich bringen. Deswegen würde ich schon sagen, dass man ein bisschen davor warnen muss, zu schnell an die gesamte Frage des Zölibats heranzugehen, weil es ein Gebiet gibt, in dem diese Frage des Priester- bzw. des Eucharistienotstandes gegeben ist, aber durchaus auch andere Lösungen auf dem Tisch liegen.

Zu erinnern ist vor allen Dingen natürlich auch daran, dass wir für priesterliche Berufungen auch das Klima und die Atmosphäre in der Kirche ändern müssen, damit solche Berufungen auch wieder wachsen können. Die wachsen sicherlich nicht, indem man den Zölibat aufheben würde.

DOMRADIO.DE: Es soll auch über einen amtlichen Dienst von Frauen in der Kirche Amazoniens diskutiert werden. Allerdings sollen – wenn überhaupt – auch hier nur Lösungen für die Kirche Amazoniens gefunden werden. Aus dem historischen Blickwinkel heraus: Hat man es in der Vergangenheit schon mal hinbekommen, dass sich die Kirche regional geöffnet hat und dann tatsächlich dabei geblieben ist?

Ohly: Wir haben ja sowieso in der Universalkirche verschiedene Lösungen. Wenn man zum Beispiel sieht, dass es vom universalen Recht her vorgesehen ist, dass in Pfarreien Katechisten mitarbeiten – Frauen und Männer – Laien, die dafür ausgebildet sind, während wir in den deutschsprachigen Gebieten voll ausgebildete Theologinnen und Theologen als Pastoralreferenten und -referentinnen haben.

Da hat es immer schon unterschiedliche Vorgehensweisen gegeben, aber das Grundprinzip, dass das eine Form der Mitarbeit innerhalb der Kirche ist, gilt sicherlich für alle Gebiete der Gesamtkirche, die sich dann auch an der entsprechenden Verfassung und Struktur der Kirche orientieren muss. Aber da hat man immer auch unterschiedliche Verwirklichungsformen gefunden, die aber am universalen Recht der gesamten Kirche ausgerichtet sind. 

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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