Bischofskonferenz: Reise nach Äthiopien
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26.05.2019

Hamburger Erzbischof Heße nach Äthiopienreise "Wir sind hier ziemlich anerkannt"

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße war für einige Tage in Äthiopien. Dort hat er viele Flüchtlingscamps besucht. Was ihm auffiel: Obwohl die Katholiken in der Minderheit sind, leisten sie einen großen Beitrag im Land.

DOMRADIO.DE: Als eines der ersten Länder weltweit implementiert Äthiopien den sogenannten "Umfassenden Rahmenplan für Flüchtlingshilfemaßnahmen" (CRRF), einen zentralen Bestandteil des Globalen Flüchtlingspakts, der im Dezember 2018 von der UN-Generalversammlung in New York angenommen wurde. Wie funktioniert das?

Erzbischof Stefan Heße (Flüchtlingsbeauftrager der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz): Ich bin jetzt eine Woche in Äthiopien unterwegs gewesen und habe mehrere Flüchtlingscamps besucht. Da gibt es im Grunde genommen zwei verschiedene Sorten: Zum einen gibt es Flüchtlinge, die aus anderen Ländern über die Grenze nach Äthiopien kommen - also zum Beispiel aus dem Südsudan oder aus Eritrea. Die anderen sind Binnenflüchtlinge, also Äthiopier, die innnerhalb ihres eigenen Landes fliehen müssen.

DOMRADIO.DE: Katholiken in Äthiopien sind eine kleine Minderheit. Sie machen deutlich: Dennoch trägt die katholische Kirche zur Verbesserung der Situation von Flüchtlingen und Vertriebenen bei.

Heße: Ja, hier in Äthiopien sind die Mehrzahl der Christen Orthodoxe. Wir als katholische Kirche sind sehr klein aufgestellt. Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung sind Katholiken. Trotzdem ist die katholische Kirche hier ziemlich anerkannt. Man ist dankbar für das, was die Kirche leistet - nicht nur die Ortskirche innerhalb von Äthiopien, sondern auch die deutsche Kirche, die etwa mit den Hilfswerken Adveniat oder Kirche in Not sehr stark vertreten ist und sich tatkräftig einsetzt. Da brauchen wir uns nicht verstecken, sondern wir sind sehr aktiv: mit anderen NGOs und auch zusammen mit den Regierungsorganisationen.

DOMRADIO.DE: Äthiopien ist ein armes Land und stößt bei der Versorgung der Flüchtlinge an seine Grenzen. Das hat mehrere Konsequenzen. Welche?

Heße: Das Wasser ist reglementiert. Man kann zu bestimmten Zeiten nur an die Brunnenanlage gehen und etwas bekommen. Die Ernährung – und erst recht eine gehaltvolle Ernährung – liegt natürlich weit hinter den Maßstäben, die wir in Europa und in Deutschland haben. Also, es ist wirklich ärmlich, wie die Flüchtlinge hier leben müssen.

Hinzu kommt, dass gerade in der ländlichen Bevölkerung ein gewisser Neidkomplex besteht, weil die Menschen vor Ort sagen: "Hier wird den Flüchtlingen noch mehr gegeben als uns gegeben wird!"

Das Interview führte Heike Sicconi

(DR)

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