Demonstrantin mit Nicaragua-Flagge in Managua
Demonstrantin mit Nicaragua-Flagge in Managua
Ansprache in der Pfarreikirche Santo Thomás Apostolische in Corinto, links: Maximilian Rudloff
Ansprache in der Pfarreikirche Santo Thomás Apostolische in Corinto, links: Maximilian Rudloff
Besuch beim Bischof von León, César Bosco Vivas Robélo
Besuch beim Bischof von León, César Bosco Vivas Robélo
Gespräch mit Frauen der Caritas in Corinto
Gespräch mit Frauen der Caritas in Corinto
Besuch der kommunalen  Aufforstungsbemühungen der Mangrovenwälder
Besuch der kommunalen Aufforstungsbemühungen der Mangrovenwälder
Besuch einer Kindersuppenküche
Besuch einer Kindersuppenküche
Zustand der Kindersuppenküche
Zustand der Kindersuppenküche

30.04.2019

Katholikenausschuss Köln über die Lage in Nicaragua Ein Land am Abgrund?

Nicaragua kommt nicht zur Ruhe. Seit einem Jahr demonstrieren Menschen gegen das Ortega-Regime. Die Oppositionellen fordern Neuwahlen, die Ortega verweigert. Dies ist das Spannungsfeld, auf das nun eine Kölner Delegation getroffen ist.

DOMRADIO.DE: Sie waren eine Woche lang in Nicaragua unterwegs, um dort Kölns Partnerstadt Korintho zu besuchen. Sie sind gerade zurückgekehrt. Eigentlich wollten Sie als Katholikenausschuss schon letztes Jahr fahren. Warum sind Sie nicht?

Maximilian Rudloff (Stellvertretender Vorsitzender des Katholikenausschusses der Stadt Köln): Aufgrund der politischen Situation, die sich im letzten Jahr aufgeheizt hat. Das war so brisant, dass wir uns entschieden haben, die Reise im letzten Jahr auszusetzen. Es war uns aber trotzdem wichtig, diese Reise nachzuholen und das konnten wir jetzt erst vor einer Woche tun.

DOMRADIO.DE: Eigentlich hatten Sie letztes Jahr 30 Jahre Partnerstadt-Jubiläum.

Rudloff: Das wäre der Anlass gewesen. Genau.

DOMRADIO.DE: Ziel der Reise ist es jetzt gewesen, Kölns Solidarität mit der Partnerstadt, mit Korintho, in Nicaragua auszudrücken und sich eben auch über die Menschenrechte zu informieren. Wenn man die Demonstrationsfreiheit als Beispiel nimmt, wie sieht es denn da aus?

Rudloff: Schwierig. Die Menschen gehen zum Teil auf die Straße und demonstrieren. Sie werden dann mehr oder weniger daran gehindert und verfolgt, sodass es durchaus ein unterschiedliches Bild gibt. Es gibt Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen das Ortega-Regime sind - etwa aus Menschenrechtsgründen, aus politischen Gründen, aber eben auch aus kriminellen Gründen. Auch die Opposition ist gespalten, sodass es schwierig ist, sie in ihrer Gänze wahrzunehmen.

DOMRADIO.DE: Jetzt hat der Katholikenausschuss seit 2011 gute Beziehungen mit der Stadtpfarrei von Korintho und mit dem dortigen Bischof. Was haben Sie dort genau gemacht?

Rudloff: Wir haben seit Beginn verschiedene soziale Projekte unterstützt. Zum Beispiel helfen wir einer Suppenküche vor Ort. Dort bekommen Kinder von Müttern, die freiwillig oder unfreiwillig in die Prostitution gezwungen wurden, eine Speise. Die Mütter sind froh, dass die Kinder einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekommen.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie die Katholiken vor Ort erlebt?

Rudloff: Wir haben uns etwa mit dem Bischof von Léon getroffen. Er hat uns nochmal versichert, dass sie uns weiterhin als Partner zur Verfügung stehen. Es ist ihm wichtig, dass den Menschen vor Ort geholfen wird. Das hat auch der Pater in Korintho, mit denen wir arbeiten, bestätigt und uns auch noch einmal sehr nachdrücklich diese Menschen ans Herz gelegt.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie sich da eigentlich fortbewegt und haben Sie sich sicher gefühlt in diesem doch sehr im Aufruhr befindlichen Land?

Rudloff: Wir waren als Delegation die ganze Zeit mit einem kleineren Reisebus unterwegs. Uns wurde schon gesagt, dass wir nachts nicht alleine um die Häuser ziehen sollten. Es lag schon eine gewisse Anspannung in der Luft. In Restaurants hat etwa immer ein Sicherheitsmann aufgepasst. Es gab jetzt aber keine Situation, in der ich mich unmittelbar bedroht gefühlt habe.

DOMRADIO.DE: Was sagen die Geistlichen in Ihrer Partner-Pfarrei? Wie geht es denen? Fühlen sie sich in irgendeiner Form unterdrückt?

Rudloff: Die Kirche in Nicaragua hat im Moment noch die Aufgabe, eigentlich dort als einigendes Band zu wirken. Denn die Menschen in den Gemeinde kommen aus beiden politischen Lagern. Das heißt, man versucht sich eigentlich neutral herauszuhalten, die Leute zu verbinden. Die Bischofskonferenz von Nicaragua durfte in der ersten Dialog-Runde zwischen Opposition und Staat im letzten Jahr sogar als Moderator wirken.

DOMRADIO.DE: Das heißt, die Leute, denen mit Ihren Projekten geholfen wird, können sowohl Regierungskritiker als auch Regierungsgegner sein?

Rudloff: Das ist richtig. Die Stadt Köln arbeitet natürlich als Stadt bisher verstärkt mit der kommunalen Verwaltung in Korintho zusammen. Die Stadt hat dort hauptsächlich Klimaschutzprojekte mit aufgebaut und bezuschusst. Gerade erst haben sie vor Ort eine Mülltrennungs-Anlage eingeweiht. Und wir als Katholikenausschuss arbeiten mit der Stadt hauptsächlich bei sozialen Projekten zusammen. So ist das ein bisschen aufgeteilt.

DOMRADIO.DE: Gibt es Stimmen, die sagen, in dem Land müsse man sich nicht mehr engagieren?

Rudloff: Die gibt es durchaus. Das war auch einer der Gründe, warum wir jetzt da rüber gefahren sind, um uns eben auch zu vergewissern, dass das Geld und das Know-How, was wir dorthin transferiert haben, gut angelegt ist. Wir wollen auf der anderen Seite auch schauen, ob bei der derzeitigen Menschenrechtslage eine weitere Zusammenarbeit für uns noch statthaft ist.

DOMRADIO.DE: Und Ihr Fazit?

Rudloff: Es muss weitergehen, gerade im Sinne der Menschen, die da leben. Die Menschenrechtslage ist nicht einfach. Keineswegs. Sie werden durchaus verfolgt und es gibt durchaus Ansätze eines Unrechtsstaates. Es haben uns aber alle - sowohl die Menschen, die verfolgt werden, als auch die Opposition, als eben auch die Regierungspartei dazu aufgerufen, weiter für die Menschen in Nicaragua etwas zu tun. Ich bin eigentlich der Meinung, dass wir das tun sollten, da wir uns davon überzeugen konnten, dass die Hilfe auch ankommt.

DOMRADIO.DE: Ist das ein Thema, was im Katholikenausschuss weiter diskutiert werden wird? Und man möglicherweise irgendwann tatsächlich sagt: Wir sind raus?

Rudloff: Ich gehe davon aus, dass wir das weiter diskutieren. Wir sind ja auch ein demokratisches Gremium. Ich wage die Prognose aufzustellen, dass wir weiter unterstützen werden.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Spendenaufruf für die Kindersuppenküche
Katholikenausschuss in der Stadt Köln,
IBAN: DE 54 3706 0193 0013 7030 19, Pax Bank eG, Stichwort: Corinto

(DR)

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