Mitgefühl und Trauer für die Opfer der Anschlagsserie in Sri Lanka
Mitgefühl und Trauer für die Opfer der Anschlagsserie in Sri Lanka
Kleriker (r) besuchen die durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche
Kleriker (r) besuchen die durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche

25.04.2019

Sri-lankischer Bischof ruft Religionen zu Zusammenhalt auf "Lange Tradition der friedlichen Koexistenz"

Nach den Anschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka ist es im Inselstaat zu vereinzelten Übergriffen auf Muslime gekommen. Der sri-lankanische Bischof von Galle hat nun zur Einheit und Solidarität der Religionen aufgerufen. 

Der sri-lankische Bischof Raymond Wickramasinghe hat nach den verheerenden Terroranschlägen vom Ostersonntag zur Solidarität zwischen den Religionsgemeinschaften aufgerufen und vor Schuldzuweisungen gewarnt. Sri Lanka habe eine "lange Tradition der friedlichen Koexistenz der Religionen", sagte der Bischof von Galle dem Nachrichtenportal Daily News am Donnerstag.

"In dieser Situation sollten wir nicht mit den Fingern auf Individuen oder Gruppen zeigen und sie für die Gewaltakte verantwortlich machen", so Wickramasinghe.

Vereinzelte Übergriffe auf Muslime

"Wir, die Menschen im Süden, haben zu allen Zeiten unseren interreligiösen Zusammenhalt bewiesen, auch wenn unser friedfertiges Leben durch böswillige einheimische oder ausländische Elemente bedroht war", betonte der Bischof. In den vergangenen Tagen war es bereits vereinzelt zu gewalttätigen Übergriffen auf Muslime gekommen.

Aus der Stadt Negombo wurden von der Polizei pakistanische Flüchtlinge der muslimischen Glaubensrichtung der Ahmadiyya zum Schutz vor zornigen Volksmassen evakuiert. Bei dem Anschlag auf die katholische Kirche St. Sebastian in Negombo starben am Ostersonntag fast 200 Menschen.

Zuvor hatten erste Ermittlungen laut Angaben der Regierung ergeben, dass die bisher weitgehend unbekannte islamistische Gruppe National Thowheeth Jama'ath für die Anschläge gegen drei Kirchen und drei Hotels verantwortlich sein soll. Auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Taten für sich. Bei den Bombenattentaten starben insgesamt mehr als 360 Menschen, zumeist Christen.

Sorge vor Instrumentalisierung der Anschläge

Bischöfe, Muslimführer und Politiker im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka warnten die Bevölkerung vor Vergeltungsaktionen gegen die ohnehin von buddhistischen Hardlinern verfolgte muslimische Minderheit des Landes.

Die Anschläge könnten in der "sri-lankischen Konfliktdynamik" von politischen Akteuren für eine "langfristige, nachhaltige Destabilisierung" genutzt werden, warnte die International Crisis Group in einer am Donnerstag veröffentlichten ersten Analyse der Terroranschläge.

"Die Bombenanschläge werden nun als Beweis für den gewalttätigen muslimischen Extremismus angeführt, vor dem militante Buddhisten seit langem warnen."

(KNA)

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