Evgenia und Jacob Cohen bei ihrer Hochzeitszeremonie
Evgenia und Jacob Cohen bei ihrer Hochzeitszeremonie
Evgenia und Jacob Cohen mit ihrem gemeinsamen Sohn
Evgenia und Jacob Cohen mit ihrem gemeinsamen Sohn

16.04.2019

Nachwuchsprobleme bei den Samaritanern Online-Dating als Rettungsanker

Online-Dating liegt weltweit im Trend. In Israel sichert sich eine kleine Religionsgemeinschaft damit ihr Überleben. Die Samaritaner finden im Netz vor allem Ukrainerinnen, die sich damit auf ein Leben mit uralten Gebräuchen einlassen.

Samaritaner waren ihr früher völlig fremd. Und nun ist Ukrainerin Evgenia Cohen selbst eine von ihnen. Cohen, die damals noch Lunjowa hieß, wusste nur, dass es in Israel Juden und Muslime gibt. Vom samaritanischen Glauben hörte sie zum ersten Mal, als sie im Frühling 2016 Jacob Cohen auf einer Dating-Plattform kennenlernte. Vier Monate später zog sie nach Cholon, eine Stadt zehn Kilometer südlich von Tel Aviv. Das Paar unterhält sich auf Russisch und Hebräisch.

Samaritanische Männer heiraten immer häufiger Frauen von außerhalb ihrer Gemeinschaft, sagt Reinhard Pummer, emeritierter Professor für religiöse Studien an der Universität Ottawa. "Es geht dabei um den Fortbestand der samaritanischen Gemeinde und Religion." Neben Frauen aus der Ukraine hätten Samaritaner auch Frauen aus anderen Ländern geheiratet, etwa aus Aserbaidschan und Russland. Sie lernten sich online kennen, unter anderem über Partnerbörsen.

Das biblische Gleichnis

Die 33-jährige Evgenia erinnert sich: "Zur Hochzeit luden wir 800 Menschen ein. So ist der Brauch, die gesamte Gemeinde ist willkommen." In Neve Pinhas, dem Viertel der Samaritaner, auch bekannt als Samariter, lebt sie nun mit Sohn und Mann unter mehr als 400 Gleichgläubigen. Die restlichen 380 siedeln auf dem Grisim-Berg im Westjordanland, unweit von Nablus – dort, wo die Geschichte des Volkes beginnt.

Weltbekannt ist das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der die Wunden eines Verletzten am Wegesrand verbindet. Doch wo kommt die besondere Gemeinschaft her? Als die Israeliten sich in zwölf Stämme teilten und 40 Jahre durch die Wüste wanderten, führte Josua einen Stamm zum Grisim-Berg – ins damalige Nordreich Samaria. Das erzählt Guy Jehoschua, ein Samaritaner aus Cholon, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, über den Glauben aufzuklären. Einen Glauben, der sich trotz vieler Gemeinsamkeiten vom Judentum abgrenzt.

Feste, Verlobungen und Hochzeiten

Samaritaner sehen den Grisim-Berg als heiligen, von Gott auserwählten Ort. Im Westjordanland, das Israel 1967 im Sechstagekrieg erobert hatte, haben die Samaritaner einen Sonderstatus. Die Palästinenser sehen sie zwar als Juden an. "Doch uns duldet man", sagt Jehoschua, schließlich haben die Samaritaner von Nablus nicht nur israelische, sondern auch palästinensische Ausweise.

So leben rund 800 Samaritaner heute verteilt auf Cholon und Kirjat Luza, wie die Bergsiedlung heißt. Die einen sprechen Hebräisch, die anderen Arabisch. Sie vereint zahlreiche Feste, Verlobungen und Hochzeiten. Zu Pessach, dem Wallfahrtsfest, treffen sich beide Gemeinschaften auf dem Berg, feiern eine ganze Woche und bringen Tieropfer dar. In diesem Jahr beginnt Pessach am 19. April.

"Extrem befremdlich"

"Die Schlachtung war für mich extrem befremdlich", erinnert sich Evgenia, die damals erst einige Monate Samaritanerin war, "die Traditionen sind jahrtausendealt und unverändert – obwohl wir mittlerweile ein modernes Leben führen." Einige Traditionen mussten die Samaritaner jedoch aufgeben – um zu überleben. Vor 100 Jahren zählte die Gemeinschaft nur noch 141 Mitglieder. Die Hohepriester entschieden daher, die Ehe mit andersgläubigen Frauen zuzulassen. Anders als im Judentum wird die Religion der Samaritaner über den Vater übertragen.

Laut Guy Jehoschua leben heute schon zwölf Ukrainerinnen unter den Samaritanern. Alle hätten ihre Männer im Internet kennengelernt, sagt er. Da Israelis im Land nur innerhalb der eigenen Religion heiraten können, vermählten sich Evgenia und Jacob bereits in der Ukraine und ließen die Ehe in Israel anerkennen. In Cholon gab es dann ein großes samaritanisches Fest.

Samaritaner könnten heute "Jüdinnen, Christinnen, Musliminnen und Atheistinnen heiraten", erklärt Professor Pummer. "Voraussetzung ist natürlich, dass die Frauen die samaritanische Religion annehmen. Dabei gibt es keine formelle Bekehrungszeremonie, sondern die Frauen machen sich durch ihren Umgang mit den Verwandten nach und nach mit der samaritanischen Tradition vertraut." Samaritanische Frauen dürften dagegen keine nicht-samaritanischen Männer ehelichen. "Wenn sie es trotzdem tun, werden sie und manchmal auch ihre Familien von der Gemeinschaft gemieden."

Anna Shemyakova
(dpa)

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