Brandschäden in der Kathedrale Notre-Dame (Videostandbild)
Brandschäden in der Kathedrale Notre-Dame (Videostandbild)
Blick auf die Kathedrale Notre-Dame nach dem Brand
Blick auf die Kathedrale Notre-Dame nach dem Brand

16.04.2019

Bangen um die kunsthistorische Substanz von Notre-Dame Königsgalerie, Dornenkrone und Rosenfenster

Der Brand in der Kathedrale Notre-Dame war verheerend. Nun werden die Schäden registriert. Sind Kunstwerke und Reliquien erhalten? Moritz Woelk ist Kunsthistoriker und bangt um die gotische "Schwester-Kathedrale" des Kölner Doms.

DOMRADIO.DE: Notre-Dame ist Weltkulturerbe. Was hat die Kathedrale für eine Bedeutung für die europäische Baugeschichte?

Dr. Moritz Woelk (Direktor des Kölner Museums Schnütgen für christliche Kunst des Mittelalters): Es ist die gotische Kathedrale in der französischen Hauptstadt, der Stadt der französischen Könige. Es ist nicht die Krönungskirche und nicht die Grablegungskirche der französischen Könige, das sind die Kathedralen von Reims und Saint-Denis. Aber es ist die Kirche in der Hauptstadt auf dieser Insel in der Seine, die alle besucht haben. Wo Ludwig der Heilige die Dornenkrone einst hingebracht hat. Und sie ist ein Modell für ganz viele andere gotische Kathedralen.

Es ist in sich ein ganz bedeutendes baukünstlerisches Monument. Es ist eine Kirche, die um 1163 begonnen wurde, also in der Frühgotik, und dann im Laufe der Hochgotik immer weiter vollendet, verändert, heller gemacht wurde - auch durch diese berühmten Querhäuser in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Deswegen hat sie eine enorme sowohl kunsthistorische Bedeutung als Baudenkmal, als auch natürlich eine symbolische und historische im Zentrum von Paris.

DOMRADIO.DE: Hat die Kathedrale damals den ganzen Kirchenbau revolutioniert?

Woelk: Die Kathedrale von Chartres und die Kathedrale von Reims und Noyon und Senlis sind baugeschichtlich auch bedeutend. Aber natürlich ist diese Kirche in der Hauptstadt von großer Bedeutung. Denkt man an die Königsgalerie, diese berühmte Folge der Statuen der Könige, von der man sich fragt, ob es alttestamentliche Könige sind oder die französischen Könige. Ludwig der Heilige hat sich ja in diese Tradition der biblischen Könige gestellt - auch im Fensterprogramm der Sainte-Chapelle, die direkt daneben steht. Es ist ein unglaublich mit Geschichte aufgeladenes Monument.

DOMRADIO.DE: Gestern Abend sind sehr früh Menschen in die Kathedrale gelaufen, um in der einen Stunde die Kunstschätze zu retten. Nach dem Einsturz des Spitzturmes wurde sogar mithilfe eines Roboters versucht, Sachen herauszuholen. Wie wichtig ist Notre-Dame für die Mittelalterforschung?

Woelk: Aus Sicht des Mittelalters hat die Kirche in unterschiedlichen Epochen sehr viel gelitten. In der Barockzeit ist sie stark umgebaut worden. Ludwig XIV. hat den Chorraum verändert, hat auch den mittelalterlichen Lettner abgebrochen. Davon gibt es noch die wunderbare Figur des Adam im Musée de Cluny. In der Französischen Revolution und in der Julirevolution ist der Kirchenschatz eingeschmolzen worden.

Der heutige Kirchenschatz von Notre-Dame besteht ja vor allem aus Objekten des 19. Jahrhunderts, abgesehen von der Dornenkrone, die von der Sainte-Chapelle in den Schatz von Notre-Dame übergegangen ist. Das Bedeutendste der Ausstattungsstücke sind sicherlich die Querhausfenster, besonders das große Rosenfenster im Nordquerhaus, das noch aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammt. In der gleichen Zeit wurde hier in Köln der Chor des Domes errichtet.

DOMRADIO.DE: Sie sagen, Sie können nicht untätig bleiben und wollen unterstützen. Wie?

Woelk: Ich fände es schön, wenn sich in Köln Menschen aus dem Wissen heraus zusammenfinden würden, dass unser Dom ganz viel mit den französischen Kathedralen und auch mit Paris zu tun hat. Die Dornenkrone, die zum Schatz von Notre-Dame gehört, ist eine Art Christus-Reliquie, da es von Christus keine Körperreliquien gibt. Zunächst wurde sie in der Sainte-Chapelle aufbewahrt, die 1248 vollendet worden ist. In dem gleichen Jahr hat man hier in Köln begonnen, den Schrein der Heiligen Drei Könige zu bauen. Und die Heiligen Drei Könige sind die, die als erste Menschen Christus als Sohn Gottes erkannt haben. Sie sind quasi auch eine übertragene Reliquie, die sich auf Christus bezieht.

Das ist eine ganz enge historische Beziehung, damals und auch heute. Heute gibt es ganz enge Beziehungen zwischen Köln und Paris, auch zwischen unseren Museen: Das Schnütgen-Museum und das Museé de Cluny unterhalten enge Kontakte. Für uns hier ist das also sehr vorbildlich. Unser Dom ist nicht denkbar ohne die französischen Kathedralen, in deren Zentrum Notre-Dame steht.

Das Gespräch führte Beatrice Steineke.

(DR)

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