Bewaffneter Mann im Südsudan
Bewaffneter Mann im Südsudan
Franziskus küsst den den Anführern der streitenden Parteien die Füße
Franziskus küsst den den Anführern der streitenden Parteien die Füße

15.04.2019

Ordensmann blickt skeptisch auf Friedensprozess im Südsudan "Niemand vertraut dem anderen"

Nach dem Treffen von Südsudans Präsident Salva Kiir und seinem Rivalen Riek Machar im Vatikan blickt der Comboni-Missionar Gregor Schmidt skeptisch auf den Friedensprozess. Die Vereinbarung sei unter Druck unterzeichnet worden.

Die beiden Kontrahenten hätten die jüngste Vereinbarung zur Einsetzung einer Übergangsregierung nur unter Druck unterschrieben, sagte der Comboni-Missionar Gregor Schmidt in einem am Montag auf dem Internetportal weltkirche.katholisch.de veröffentlichten Beitrag. Er halte das Manöver der Regierung mit der Friedensvereinbarung "für einen Trick, um die Gelder der UNO und der Hilfsorganisationen so lange wie möglich einzustreichen", so Schmidt.

Neue Konflikte seien wahrscheinlich

Ein anderes Problem sei, dass es jetzt fünf Vizepräsidenten gebe, um möglichst viele Gruppen einzubinden, erläuterte der Ordensmann. "Politische Macht verhält sich aber wie ein Kuchen: Je mehr Leute mitessen, umso kleiner ist das eigene Stück." Er rechne nicht damit, dass die Übergangsregierung wie geplant im Mai ihre Arbeit aufnehme, sagte Schmidt, der seit 2009 im Südsudan tätig ist. Eher seien neue Konflikte wahrscheinlich. "Ich weiß aus Diplomatenkreisen, dass alle Seiten unter der Hand aufrüsten. Niemand vertraut dem anderen."

Der Ordensmann warnte davor, zu sehr auf Kiir und Machar zu setzen. Kiir sei eine Marionette seiner Berater und des Ältestenrates seines Volkes, der Dinka. Machar wiederum repräsentiere ausschließlich die eigene Ethnie der Nuer. "Es gibt unzählige andere Oppositionsgruppen, die sich weder von den Dinka noch von den Nuer regieren lassen wollen." Kiir und Machar wollten lediglich aus Gründen des Machterhaltes weiter auf ihren Positionen bleiben. "Sie haben aber wenig Einfluss darauf, was tatsächlich vor Ort im Busch passiert." Am besten sollten beide zurücktreten.

Chaotische Lage im Staat

Insgesamt bezeichnet der Comboni-Missionar die Lage im "jüngsten Staat der Welt", der sich 2011 vom Sudan unabhängig erklärte, als chaotisch. "Neben Kriegshandlungen gibt es erschreckend viel Bandengewalt und Kriminalität, weil Gesetzlosigkeit herrscht, und es gibt das traditionelle Morden beim Rinderraub." Manchmal sei gar nicht klar, ob es sich um Rachemorde wegen Rinderraubs handle, um Bandenkriminalität, oder um eine Tat im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg.

Zu einer Aufarbeitung all dieser Verbrechen werde es nach aktuellem Stand wohl nicht kommen, so Schmidt weiter. "Es gibt keine unabhängige Gerichtsbarkeit und keine Gewaltenteilung im Südsudan." Davon abgesehen seien die staatlichen Institutionen "inkompetent und korrupt".

Das Treffen im Vatikan fand in der vergangenen Woche statt. Es kam auf Initiative von Anglikaner-Primas Justin Welby zustande. Für Schlagzeilen sorgte eine ungewöhnliche Geste von Papst Franziskus. Der 82-Jährige kniete vor den beiden politischen Kontrahenten nieder, küsste ihnen die Füße und bat sie eindringlich darum, sich für Frieden in ihrem Land einzusetzen. Zudem wollen Franziskus, Welby und weitere hochrangige Kirchenvertreter eine ökumenische Friedensreise in den Südsudan unternehmen.

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Das neue Bischofsquartett

Endlich: Die aktualisierte neue Auflage des Bestsellers ist da! Ab sofort ist das neue Bischofsquartett bestellbar.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 26.06.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Warum Kirchen auch im Sommer immer kühl sind
  • Hitzefrei! Schulfreie Woche für viele Schüler
  • Mexiko: 15.000 Soldaten an der Grenze zu USA
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff