Opfer von sexuellem Missbrauch in Rom
Opfer von sexuellem Missbrauch in Rom
Wojciech Polak, Primas der polnischen Kirche
Wojciech Polak, Primas der polnischen Kirche
Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen
Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen

27.03.2019

Proteste vor Bischofsresidenzen in Polen "Die Bischofskonferenz steht auf der Seite der Täter"

In Polen streiten der Opferverein "Fürchtet Euch nicht" und die katholischen Bischöfe weiter über den sexuellen Kindesmissbrauch durch Geistliche. Der Verein rief am vergangenen Sonntag zu Protesten gegen 19 Bischöfe auf.

An den Toren der Bischofsresidenzen in Warschau, Danzig, Posen, Breslau (Wroclaw) und anderswo banden Demonstranten Plüschtiere an und befestigten das auf Papier oder Pappe geschriebene Motto derAktion: "Bischofsschande". Der Vereinsvorsitzende Marek Lisinski beklagte: "Die Bischofskonferenz steht auf der Seite der Täter." Die Kirche verteidige sich und stehe nicht auf der Seite der Opfer. Meist beteiligten sich ein paar Dutzend Menschen, vornehmlich Frauen, an den Protesten. Die Initiative "Frauenstreik" unterstützte die Aktion.

"Sie verstecken und versetzen Priester-Täter"

Wenige Tage zuvor schilderte bei einer Pressekonferenz des Vereins ein Mann, der im Bistum Oppeln (Opole) als 13-Jähriger von einem Priester missbraucht wurde, sein Leid. Seine Mutter sagte, Bischof Andrzej Czaja habe davon abgeraten, den Geistlichen bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Es sei besser, wenn ihr Sohn nicht aussagen müsse, habe Czaja argumentiert. Die Vereinsaktivistin und linksliberale Sejm-Abgeordnete Joanna Scheuring-Wielgus betonte: "Wir haben bewiesen, dass die Diözesen lügen. Sie verstecken und versetzen Priester-Täter."      

Auch die Vorstellung der von den Bischöfen in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie Mitte März hatte die harten Fronten zwischen dem Verein "Fürchtet Euch nicht", dem einzigen Sprachrohr der Opfer, und der Kirche nicht überwunden. Der wiedergewählte Vorsitzende der Bischofskonferenz, Posens Erzbischof Stanislaw Gadecki, bat bei der Präsentation alle Menschen, die von Geistlichen sexualisierte Gewalt erfahren haben, sich bei der Kirche zu melden. Auf eine Bitte um Vergebung verzichtete er allerdings. Bereits Anfang des Jahres hatte Gadecki ein Gespräch mit Vereinschef Lisinski angekündigt. Bis heute kam es aber nicht zustande, was nicht nur Lisinski kritisiert.

Stattdessen sprach Gadecki zunächst mit anderen Missbrauchsbetroffenen. Erzbischof Gadecki hatte bei der Pressekonferenz den Begriff "Pädophilie in der Kirche" kritisiert: "Das ist kein institutionelles Problem, sondern ein globales Problem." Es betreffe nicht nur die Kirche. Das "ideologische Schlagwort `Pädophilie in der Kirche'" weise nicht nur auf das Problem hin, sondern "untergräbt auch die Autorität der Kirche und führt dazu, dass das Vertrauen der Gläubigen in die kirchlichen Einrichtungen überhaupt zerstört wird."

Schmerzensgeldforderungen stehen noch aus

Sein Stellvertreter, Krakaus Erzbischof Marek Jedraszewski, distanzierte sich von der von Papst Franziskus verwendeten Formulierung "Null Toleranz" gegenüber den Tätern. Diese "totalitär" klingende Wortwahl erinnere an den Kampf der Nationalsozialisten gegen die "Volksfeinde" Juden, der in den Holocaust gemündet sei. Daher spreche er lieber von "makelloser Standhaftigkeit". Diese Aussagen von Gadecki und Jedraszewski stießen linksliberalen Kommentatoren und auch manchen Geistlichen übel auf.

Polens Primas, der Gnesener Erzbischof Wojciech Polak, gab sich indes demütig und ging am meisten auf die Betroffenen ein: "Jedes dieser Opfer sollte in uns Geistlichen Schmerz, Scham und Schuldgefühle wecken, dass es zu dieser Situation gekommen ist. Das ist ein Schock, der die ganze Gemeinschaft der Kirche verletzt."

Eine Zahlung von durchschnittlich 5.000 Euro pro Opfer "in Anerkennung des erlittenen Leids" wie in Deutschland ist für die polnischen Bischöfe bisher kein Thema. Ihre Antwort auf Schmerzensgeldforderungen von Missbrauchsopfern steht noch aus. Der polnische Orden "Gesellschaft Christi für Emigrantenseelsorge" ficht gegenwärtig beim Obersten Gerichtshof ein Urteil an, das ihn zur Zahlung von 230.000 Euro Entschädigung an eine Frau verpflichtet, die als Kind mehrfach von einem Ordensmann vergewaltigt wurde. Weitere Entschädigungsklagen liegen Gerichten vor.

Von Oliver Hinz

(KNA)

Die neue Bibel-Nacht

Ein in Deutschland einmaliges Nachtprogramm: Jede Nacht sind in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr verschiedene Kapitel aus dem Neuen Testament zu hören.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 28.02.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Schaukeln in der Kirche: St. Dionysius in Rheine
  • Märtyrer Karl Leisner – geboren an einem 28. Februar
  • Rassismus im Fußballstadion
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Religion und Kirche bei den US-Wahlen
  • Maßnahmen gegen Coronavirus in Köln
  • Schwieriges Verhältnis: Singles und Kirche
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Religion und Kirche bei den US-Wahlen
  • Maßnahmen gegen Coronavirus in Köln
  • Schwieriges Verhältnis: Singles und Kirche
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Religion und Kirche bei den US-Wahlen
  • Maßnahmen gegen Coronavirus in Köln
  • Bertram Meier - Ernannter Bischof von Augsburg im Interview
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…