Christenverfolgung im Nahen Osten
Im Jemen droht Christen die Todesstrafe
Prof. Heribert Hirte
Prof. Heribert Hirte

14.03.2019

Stephanuskreis über die Situation der Christen im Jemen Mit Codewörtern im Untergrund

Im Jemen herrscht seit Jahren Bürgerkrieg. Menschen können ihren Glauben nicht gefahrlos ausleben. Das gilt auch für die Christen im Land. Deren Zahl wächst offenbar, weil sich viele vom Islam abwenden und zum Christentum konvertieren.

DOMRADIO.DE: Etwa 30 Millionen Menschen leben im Jemen – warum weiß man so wenig über deren Schicksal?

Prof. Heribert Hirte (Vorsitzender des christlichen Stephanuskreises und Bundestagsabgeordneter): Das ist in der Tat eine Frage, die man sich stellen muss. Was wir hier sehen, ist, wie Nachrichtenflüsse funktionieren. Das Land ist abgeschieden auf der Arabischen Halbinsel im Süden. Es ist sozusagen von Saudi-Arabien eingekapselt. Weitere Zugangsmöglichkeiten gibt es kaum. Das bedeutet, dass es auch keine Möglichkeit für unparteiische Journalisten gibt, in das Land zu kommen.

Wenn sie in das Land kommen, ist die Lage für sie gefährlich. Das zeigt, dass unsere Wahrnehmung, unser Bild, das wir von vielen Ländern der Welt haben, in erheblichem Maße selektiv ist. Das haben wir hier gerade sehr deutlich von den Gästen gesagt bekommen, die auf großen Umwegen aus dem Jemen zu uns gekommen sind, um uns über diese Lage und von ihrem Schicksal zu berichten.

DOMRADIO.DE: Die Gäste, die Sie da ansprechen, sind zwei jemenitische Christen, die aber anonym bleiben müssen. Warum sind die gefährdet?

Hirte: Sie sind gefährdet, weil sie uns von der Situation der Christen im Jemen berichtet haben. Ich fand es zunächst einmal unglaublich spannend, dass sie überhaupt berichtet haben.

Unter anderem von erheblicher interner Kritik an der Staatsreligion des Islam, von der sich viele Jemeniten abkehren. Das machen sie erst einmal sozusagen stillschweigend, indem sie nicht mehr die Moschee aufsuchen.

Sie merken aber auch durch das Internet, für welche Gräueltaten in der Welt gerade der Al Kaida-Islam in den letzten Jahren verantwortlich war. Sie wenden sich dann zunächst ab. Das führt dazu, dass praktisch Zehntausende Atheisten im Land leben, die sich auch als Atheisten bezeichnen.

Und einige davon - nicht alle - konvertieren dann in einem zweiten Schritt zum Christentum. Das sind Entwicklungen, die wir in dieser Weise schon einmal geschildert bekommen haben - nämlich aus Ägypten. Aber die nehmen wir natürlich kaum wahr, weil es nichts Amtliches darüber gibt, sondern nur Secondhand-Informationen, auf die wir angewiesen sind.

DOMRADIO.DE: Sie haben es schon angedeutet: Es konvertieren auch Jemeniten zum Christentum. Das ist ja nicht ungefährlich. Was droht den Gläubigen in dem muslimisch geprägten Land?

Hirte: Ihnen droht die Todesstrafe, so ist die Staatsräson. Sich dieser Todesstrafe letztlich zu entziehen, ist die entscheidende "Kunst". Und dass man in den jeweiligen Stämmen, die eine größere Macht als die staatlichen Organisationen haben, versucht, für Verständnis zu sorgen. Und auch, dass man den christlichen Glauben, die Tatsache, dass man sich in eine andere Religion umorientiert hat, geheimzuhalten.

Die entsprechenden Strukturen sind deshalb Untergrundstrukturen. Man verständigt sich über geheim gehaltene WhatsApp-Gruppen. Natürlich steht dort nichts zum Christentum drin. Man tauscht sich über andere Schlüsselwörter aus und weiß dann davon, dass es solche Personen auch an anderen Stellen gibt.

DOMRADIO.DE: Diese Christen sind Teil dieser 80 Prozent der Bevölkerung. Das sind immerhin 24 Millionen, die von Hunger und von Seuchen betroffen sind. Sie sind Mitglied in der CDU und damit einer Regierungspartei. Was konkret könnte die Bundesregierung tun, um den Menschen im Jemen zu helfen?

Hirte: Ich glaube der entscheidende Punkt ist, dass wir bei der Ausfuhrkontrolle, die wir schon haben, nicht die Regelungen ändern, sondern dass wir die Kontrolle der Regelungen ändern. Das amerikanische Parlament hat gerade gestern darauf hingewiesen, dass wir da genau hingucken müssen.

Die Bundesregierung wird dies genauso tun. Das hatte ich ja schon zugesagt. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Wenn wir Waffen an Partner verkaufen und entsprechende Auflagen machen, dann gibt es natürlich das Gebot der Überwachung der weiteren Verwendung.

Dies irgendwo in der Welt zu vollziehen, ist allerdings außerordentlich schwierig. So wie wir journalistisch nicht an Informationen über den Jemen kommen, kommen wir natürlich auch, was die Exportkontrolle angeht, nicht an verlässliche und belastbare Informationen über den Jemen. Daran zu arbeiten, ist sicher eine ganz wichtige Aufgabe.

Der entscheidende Punkt ist: Die Regelungen sehen mit Sicherheit jetzt schon nicht die Verwendung von saudi-arabischen Waffen gegen Zivilisten vor. Dies aber so belastbar nachweisen zu können, dass wir daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen können, ist deutlich schwieriger.

DOMRADIO.DE: Das eine ist der politische Druck, das andere ist die Unterstützung der Menschen. Gibt es auf absehbare Zeit die Chance, den Menschen humanitär zu helfen? Vielleicht auch durch kirchliche Hilfswerke?

Hirte: Das tun wir, da ist auch das Entwicklungshilfeministerium dran. Wir sehen - gerade jetzt auch durch die Berichte -, dass wir da noch mehr tun könnten. Ich glaube, es ist ein wichtiges Anliegen, hier auch den Menschen noch weitere Unterstützung zukommen zu lassen.

DOMRADIO.DE: Aber wie kann man denn helfen? Man kommt wahrscheinlich gar nicht in den Jemen?

Hirte: Die Vereinten Nationen sind vertreten, sie kommen natürlich über Schiffe aus dem Süden rein. Es gibt auch Flugverbindungen, insbesondere nach Jordanien. Das wird auch toleriert. Das Schlimme ist, dass durch die quasi täglichen Luftangriffe Saudi-Arabiens ein großer Teil dessen, was wir aufbauen, sozusagen postwendend wieder zerstört wird.

Auch das, was Deutschland aufbaut. Wir haben einen hohen Stellenwert in dem Land, wir genießen eine hohe Reputation. Es ist eine gewisse Balance zwischen internationaler Hilfe auf der einen Seite und Zerstörung auf der anderen Seite. Eine traurigerweise negative Balance.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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