Wähler schauen die Wahlzettel an, vor einem Wahllokal in Nigeria
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Flüchtling Lawal Adamu
Flüchtling Lawal Adamu

06.03.2019

Neue Gewaltwelle im nigerianischen Bundesstaat Kaduna Warum Lawal Adamu fliehen musste

Im Bundesstaat Kaduna sind allein im Februar mindestens 180 Menschen durch Gewalt ums Leben gekommen. Die Regierung versorgt die Überlebenden wie Lawal Adamu notdürftig, bekämpft die Ursachen des Konflikts aber nicht.

Lawal Adamu sitzt im Schatten unter einem Mangobaum. Hier liegt alles, was er seit seiner Flucht am 11. Februar besitzt: ein paar Eimer, Plastikschüsseln, Matten, ein zerlesener Koran. Über die Matratzen und Moskitonetze hat er eine Plane gespannt, damit sie bei Regen nicht nass werden. Die Gegenstände sind eine Unterstützung der staatlichen Nothilfeagentur Nema, die auch Nahrungsmittel gebracht hat. Setzt aber tatsächlich Regen ein, gibt es kein Haus, keine Hütte in der Nähe, die Schutz bieten könnte.

"Es passierte an einem Montag nach dem Gebet in der Moschee. Unbekannte griffen uns an. Wir sind um unser Leben gelaufen. Einige sind bei der Flucht gestorben", erzählt Lawal Adamu vom Angriff auf sein Dorf Anguwan Dorawa im Süden des nordnigerianischen Bundesstaates Kaduna. "Meine Beine haben mich gerettet. Ich bin gerannt."

"Es ist schon das dritte Mal passiert."

Eine Erklärung, warum sein Dorf angegriffen wurde, hat er nicht. "Es ist schon das dritte Mal passiert." Bisher seien die Täter aber nie zur Rechenschaft gezogen worden. Verantwortlich sollen die Kadara sein, erzählt er; eine der vielen ethnischen Gruppen im Süden Kadunas.

Dort sind seit Anfang Februar mehr als 180 Menschen bei Angriffen auf Dörfer ums Leben gekommen. Zuerst starben 11 Menschen, dann mindestens 130 und in der vergangenen Woche wieder rund 40. Nicht immer sind die Zahlen korrekt. Nema schätzt, dass 1.000 Menschen aus ihren Dörfern geflüchtet sind. Als vergangene Woche der Ort Maro im Landkreis Kajuru angegriffen wurde, retteten sich Frauen und Kinder in die Grundschule der Kreisstadt.

Die Frage nach dem Warum

James Maikasa, der dort lebt, unterstützt sie seither mit Lebensmitteln. "Was ich habe, muss ich teilen. Als ich ihre Geschichten hörte, musste ich weinen." Hier heißt es, dass die Fulani das Massaker angerichtet haben. Doch auf die Frage nach dem Warum zucken die Frauen auf den Stufen vor dem gelb-grünen Schulgebäude nur mit den Schultern.

Der katholische Erzbischof in der Provinzhauptstadt Kaduna, Matthew Man-Oso Ndagoso, spricht von einer Gewaltspirale, die vor 25 bis 30 Jahren begonnen habe; vor allem seit Oktober folgt ein Angriff dem nächsten. Bis heute werden sie oft als Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen dargestellt. Die Fulani sind Muslime, die Mehrheit im Süden Kadunas sind Christen.

Kritik bleibt, denn das Morden geht weiter

Diese Darstellung kritisiert der Erzbischof; vor allem aber, dass seit Jahren nur die Symptome, nie aber die Ursachen behandelt würden."Passiert etwas, dann geht es der Regierung um ein schnelles Löschen. Sogar die internationale Gemeinschaft macht es so. Man bringt Materialien und geht dann wieder, ohne über die Gründe zu sprechen": Armut, Ungerechtigkeit und Ignoranz. "Ein hungriger Mann wird schnell zum wütenden."

Ignoranz der Landesregierung wird in der Region oft beklagt. Nach den Angriffen kam Gouverneur Nasir el-Rufai zwar zu Besuch. Auch wurde Ende 2017 eine Friedenskommission geschaffen. Mit dem Generalsekretär der anglikanischen Gemeinschaft, Josiah Idowu-Fearon, als Vorsitzendem ist sie hochrangig besetzt. Doch die Kritik bleibt, denn das Morden geht weiter. Gleichzeitig mangelt es an Sicherheitskräften. El-Rufai sagte im Wahlkampf - in Nigeria werden am Samstag (9. März) Gouverneure und Landesparlamente gewählt -, zwei Drittel der Christen im Süden würden ihn ohnehin nicht wählen, "selbst wenn ich den Papst zum Vizekandidaten machte".

"Jeder an der Spitze (...) einer religiösen Institution muss sehr vorsichtig sein"

Als Stellvertreterin hat er eine Muslima ausgewählt. Dabei wird in Nigeria darauf geachtet, dass vor allem in Bundesstaaten, in denen gleichermaßen Christen und Muslime leben, beide Religionen in politischen Spitzenämtern vertreten sind. "Nur ein Wort kann zum Tod so vieler Menschen führen", kritisiert Erzbischof Man-Oso Ndagoso die Aussage des Gouverneurs. "Jeder an der Spitze einer Regierung oder religiösen Institution muss sehr vorsichtig sein. Das war weder clever noch gut. Zum Glück haben die Katholiken nicht darauf reagiert."

Auf die Frage, ob er wählen geht, schüttelt der Flüchtling Lawal Adamu mit dem Kopf. "Wir haben alles im Dorf gelassen. Ich habe nicht mal mehr eine Wählerkarte"; jenen Wahlausweis, der zur Stimmabgabe berechtigt. Einen Wunsch an den künftigen Gouverneur hat er trotzdem: "Es muss endlich etwas geschehen. Vor allem müssen die Täter bestraft werden."

Katrin Gänsler
(KNA)

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