Nicaraguas Flagge auf eine Mauer gemalt
Nicaraguas Flagge auf eine Mauer gemalt
Ernesto Cardenal
Ernesto Cardenal

16.02.2019

Nicaragua in Sorge um erkrankten Theologen Ernesto Cardenal Bischof bittet um Segen

Managuas Weihbischof Silvio Baez veröffentlicht ein Bild vom Besuch bei dem erkrankten Theologen und Schriftsteller Ernesto Cardenal. Darauf zu sehen: eine bemerkenswerten Geste.

Kirche und Gesellschaft in Nicaragua verfolgen aufmerksam Nachrichten über den Gesundheitszustand des erkrankten nicaraguanischen Dichters und katholischen Priesters Ernesto Cardenal. Wie die Tageszeitung "El Nuevo Diario" am Freitag (Ortszeit) berichtete, befindet sich der 94-Jährige seit knapp zwei Wochen wegen einer Niereninfektion in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Managua.

Sein Gesundheitszustand sei besorgniserregend, schreibt die Zeitung und veröffentlichte ein Bild von Cardenal, das den Schriftsteller deutlich geschwächt im Krankenbett zeigt. Das Foto kursierte via Facebook und Twitter und wurde von Managuas Weihbischof Silvio Baez nach einem Besuch bei Cardenal geteilt. Wenige Tage zuvor hatte Cardenals Assistentin Luz Marina Acosta noch erklärt, sein Zustand sei stabil.

 

"Heute habe ich meinen Bruder und priesterlichen Freund, Padre Ernesto Cardenal, besucht, mit dem ich einige Minuten sprechen konnte", schrieb Baez zu dem Bild. Anschließend sei er vor dem Krankenbett niedergekniet, um den Segen Cardenals als Geistlicher der katholischen Kirche zu erbeten, den ihm dieser erteilt habe, so Baez weiter.

Cardenal gehört zu den schillernden Figuren Lateinamerikas. Er nennt sich selbst "Sandinist, Marxist und Christ". 1966 gründete er auf der Insel Mancarron die Gemeinschaft von Solentiname, eine Bauernkommune nach urchristlichem Vorbild. Der Priester war unter anderem am Sturz des Diktators Anastasio Somoza in Nicaragua beteiligt, nach der Revolution 1979 wurde er Kulturminister der sandinistischen Regierung. Wegen seines politischen Engagements verbot ihm Papst Johannes Paul II. 1985 die Ausübung des priesterlichen Dienstes.

 

Später überwarf sich Cardenal mit seinen einstigen Kampfgenossen, heute ist er ein scharfer Kritiker von Präsident Daniel Ortega, dem er schwere Menschenrechtsverletzungen vorwirft. Zuletzt hatte sich Cardenal inmitten der anhaltenden schweren innenpolitischen Krise in Nicaragua zu Wort gemeldet. Im August vergangenen Jahres kritisierte er das harte Vorgehen der nicaraguanischen Regierung gegen Proteste junger Leute. "Wir erleben eine humanitäre Katastrophe und Staatsterrorismus", sagte Cardenal in einem Interview der Zeitschrift "Publik-Forum".

Was in Nicaragua geschehe, sei eine Tragödie, die in diesem Ausmaß nicht zu erwarten gewesen sei. Die Gewalt gehe von der Regierung unter Präsident Ortega aus. "Sie steuert die bewaffneten, polizeiähnlichen Truppen, die Scharfschützen in ihren Reihen haben", betonte Cardenal. Obwohl der Staat massive Gewalt anwende, sei es der Regierung nicht gelungen, den gesellschaftlichen Protest zu ersticken.

 

Cardenal ist auch in Deutschland populär. Erst vor zwei Jahren war er mit der Ehrendoktorwürde der Bergischen Universität Wuppertal für seinen Beitrag zur Weltliteratur und für sein Engagement für den kulturellen Austausch zwischen Nicaragua und Deutschland ausgezeichnet worden. Zu Wuppertal hat er einen ganz besonderen Bezug: Seit 1967 erscheinen seine Bücher im dort ansässigen Peter Hammer Verlag.

Für sein literarisches Werk erhielt Cardenal 1980 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2012 den spanischen Königin-Sofia-Preis für Iberoamerikanische Literatur. Kritiker nennen ihn den "Begründer der mystischen lateinamerikanischen Literatur" oder einen "der originellsten christlichen Mystiker des 20. Jahrhunderts". Groß ist nun die Sorge nicht nur in seiner Heimat Nicaragua, dass die Stimme Cardenals für immer verstummt.

Tobias Käufer
(KNA)

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