Kerzen bilden eine rote Schleife als ein Symbol für den Kampf gegen Aids
Kerzen bilden eine rote Schleife als ein Symbol für den Kampf gegen Aids
Raul im Rollstuhl
Raul im Rollstuhl
Die Aids-Kranke Linet
Die Aids-Kranke Linet

27.01.2019

Papst Franziskus besucht Hilfsprojekt für Aids-Kranke Statement gegen Ausgrenzung

Aids-Kranke werden in Panama wie Aussätzige behandelt. Am Sonntag besucht Papst Franziskus am Rande des Weltjugendtags in Panama eine Einrichtung für HIV-Infizierte; nicht nur für die Bewohner mehr als eine Geste.

"Das Schlimmste ist, wenn dich die Familie fallen lässt. Wenn du von der Familie verstoßen wirst, dann hast du niemanden mehr", sagt Raul. Der 31-Jährige sitzt im Rollstuhl, eine Folge seiner HIV-Infektion. Am Sonntag wird er Papst Franziskus treffen, um ihm zu berichten: aus seinem Leben, von seinem Absturz, seiner Rettung. Die hält der Klinikpsychologe Seul Serrano in seinen Händen: zwei weiße Schachteln mit Medikamenten, die Aids zwar nicht heilen, aber eben kontrollierbar machen.

"Sie wollten mit mir nichts mehr zu tun haben"

Raul ist Angehöriger der Ureinwohner in Panama. Jetzt lebt er mit 17 alleinstehenden Aids-Kranken unter dem Dach der Stiftung «Haus des guten Samariters» im Viertel Juan Diaz in Panama-Stadt. Die wird am Sonntag auch Papst Franziskus besuchen. Ein Zeichen, eine Geste, die herbeigesehnt wird von den Aids-Kranken, den Ausgeschlossenen und Ausgegrenzten. Denn Aids nennen viele Menschen im Land die "rosa Krankheit", weil sie von Drogenabhängigen, von Homosexuellen komme, so der weitverbreitete Glaube.

Das macht die Infizierten zu Ausgestoßenen. Raul erzählt von seinem Leben. Davon, dass er ein paar schlechte Entscheidungen getroffen, dann falsche Freunde gehabt habe. Irgendwann stellte er fest: Er hat Aids. Er verlor seinen Arbeitsplatz, den Freundeskreis, bis auf die Schwester den Zugang zur ganzen Familie. Die Schwester, der letzte Kontakt zur Außenwelt, half ihm, in die Einrichtung des engagierten Paters Domingo Escobar zu kommen. Runter von der Straße, raus aus der Abwärtsspirale.

In seiner indigenen Gemeinde war die Reaktion ähnlich wie im Rest der Gesellschaft: "Sie wollten mit mir nichts mehr zu tun haben." Aids-Kranke stehen in der Hierarchie der Ureinwohner ganz unten. "Das ist ein Tabu-Thema", sagt Psychologe Serrano in der Einrichtung in Juan Diaz. Die Indigenen lehnen den Einsatz von Kondomen mit der Begründung ab, niemand solle ihre Bevölkerungsentwicklung kontrollieren können.

Dem Papst danken für seinen Besuch

Im "Haus des guten Samariters" wird den Patienten geholfen, unter anderem mit den enorm teuren Medikamenten für rund 100 Dollar am Tag. Das Geld können die Kranken niemals aufbringen - aber es gibt Spenden und Unterstützer. Vor allem aber Menschenwürde. "Dass mich jemand in den Arm nimmt und keine Angst hat, sich dabei anzustecken, kenne ich eigentlich gar nicht", sagt Bewohnerin Linet leise. Laut ist hingegen die Botschaft der 21-Jährigen an die Jugendlichen aus Deutschland: "Passt auf euch auf und schützt andere. Das Leben ist wertvoll!"

Mit Hilfe des vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützten Projektes konnte Linet eine gesunde Tochter zur Welt bringen, ihren eigenen Gesundheitszustand stabilisieren und Lesen und Schreiben lernen. Gefragt nach ihren Träumen, nennt sie drei: irgendwann wieder gesund für ihre Tochter da sein zu können; dass es bessere Präventionsprogramme gibt, damit sich nicht mehr so viele Frauen infizieren, und dass das Wohnheim größer wird und damit mehr Menschen geholfen werden kann. Das ist auch der Ansatz von Adveniat; das Hilfswerk investiert viel in Bildung und Prävention.

Raul will bei seinem Treffen dem Papst danken für seine Geste, die die Aids-Kranken rausholen soll aus der gesellschaftlichen Isolierung. Er will ihn bitten, sich für jene einzusetzen, die ganz unten in der Hierarchie stehen. Mit dem Besuch von Franziskus ist dafür ein Anfang gemacht. Vielleicht zum ersten Mal werden Aids-Patienten in Panama als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu sehen sein. Das kann aber nur der erste Schritt sein. Viele weitere müssen folgen.

Von Tobias Käufer

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.10.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Unruhen und Generalstreik in Barcelona
  • Hildesheimer Bischof Wilmer zu Waffenruhe in Syrien
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gleichberechtigung: Fachtagung Frauenpriesterinnentum
  • Buchmesse: Luisa Neubauer über das Ende der Klimakrise
  • Hast Du mal einen Euro - Nobelpreis für Armutsforscher
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gleichberechtigung: Fachtagung Frauenpriesterinnentum
  • Buchmesse: Luisa Neubauer über das Ende der Klimakrise
  • Hast Du mal einen Euro - Nobelpreis für Armutsforscher
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Änderungen in der Kirche - Kirche auf Augenhöhe
  • Veranstaltungsreihe: Begegnung mit dem Judentum
  • Gegen Rechtsradikalismus: Begegnungsstätte Wuppertal
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Änderungen in der Kirche - Kirche auf Augenhöhe
  • Veranstaltungsreihe: Begegnung mit dem Judentum
  • Gegen Rechtsradikalismus: Begegnungsstätte Wuppertal
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Buchmesse: Luisa Neubauer über das Ende der Klimakrise
  • Veranstaltungsreihe: Begegnung mit dem Judentum
  • Fußball für Blinde hörbar machen
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff