Die US-amerikanische Fahne neben einem Kruzifix
Die US-amerikanische Fahne neben einem Kruzifix

12.01.2019

Journalist kritisiert Missbrauchsbericht von Pennsylvania "Unverantwortlich, ungenau und ungerecht"

Der Vorwurf, dass die US-Bischöfe pauschal abgelehnt hätten, Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, sei nicht richtig, schreibt der renommierte Journalist Peter Steinfels. Ein Einwurf in aufgeheizter Stimmung.

Der Grand-Jury-Bericht aus dem Bundesstaat Pennsylvania vom August 2018 zum Thema sexueller Missbrauch war ein Dokument des Grauens für die katholische Kirche in den USA. Nun greift ein langjähriger Reporter der "New York Times" zentrale Aussagen des Untersuchungsberichts in den sechs Diözesen Pennsylvanias an. Teile des Berichts, der eine Vielzahl von Missbrauchsfällen durch Priestern belegt, seien "grob irreführend, unverantwortlich, ungenau und ungerecht", schreibt Peter Steinfels in einem investigativen Artikel für das Magazin "Commonweal".

Die Anschuldigung, dass katholische Bischöfe pauschal und komplett abgelehnt hätten, Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, sei nicht richtig. Dagegen seien die zahlreichen im Grand-Jury-Bericht dokumentierten Fälle von sexuellen Vergehen und Übergriffen "schrecklich wahr".

Einem Erdbeben gleich

Der Bericht hatte wegen seiner Dimension dokumentierten Missbrauchs international große Wellen geschlagen. Für die US-Kirche kam er einem Erdbeben gleich. Über sieben Jahrzehnte sollen dem Bericht zufolge mehr als 300 Priester als Täter und über 1.000 Opfer und Betroffene identifiziert worden sein. Die Dokumentation führte zum Rücktritt von Washingtons Erzbischof Kardinal Donald Wuerl (78) und löste ähnliche Untersuchungen in anderen Diözesen aus.

Steinfels argumentiert, es sei eine übertriebene Vereinfachung zu behaupten, "alle" Opfer "in allen Teilen des Staates" seien von der Kirchenleitung ignoriert worden. Auch stimme der Vorwurf nicht pauschal, diese hätten "vor allem die Täter und ihre Institutionen schützen" wollen.

Über einen Kamm geschoren

Der renommierte Publizist erkennt eine Verantwortung des Klerus beim Missbrauch und die Verbrechen an Kindern durchaus an. Er beklagt aber, dass im Jury-Bericht keine Unterschiede zwischen den Diözesen und den einzelnen Bischöfen gemacht werde. Alles sei über einen Kamm geschoren worden.

Ein großer Fehler des Berichts ist laut Steinfels, dass er die Auswirkungen der sogenannten Charta von Dallas von 2002 nicht anerkenne, die eine Zäsur der Kirche im Umgang mit Missbrauch darstelle. Viele Missbrauchsverbrechen seien erst nach 2002 überhaupt bekannt geworden, so Steinfels. "Wie kann man den Bischöfen vorwerfen, dass sie Verbrechen vertuscht haben, von denen sie nichts wussten?"

Vorstellung der Ermittlungsergebnisse

Generalstaatsanwalt Josh Shapiro hatte bei der Vorstellung der Ermittlungsergebnisse von einer "jahrzehntelangen Vertuschung" durch ranghohe Kirchenobere in Pennsylvania und im Vatikan gesprochen. Straffällig gewordene Priester seien in andere Gemeinden versetzt worden. Fast alle Taten seien rechtlich verjährt. Die Dunkelziffer sei vermutlich hoch. "Obwohl die Liste von Priestern lang ist – wir denken nicht, dass wir alle gekriegt haben", so Shapiro im August.

Die meisten Opfer waren der Untersuchung zufolge Jungen, viele von ihnen hatten noch nicht das Alter der Pubertät erreicht. Die Täter hätten Alkohol und Pornografie eingesetzt. Kinder seien begrapscht oder vergewaltigt worden. Laut Bericht wurden Mädchen in manchen Fällen nach einer Vergewaltigung schwanger. Ein Priester habe deshalb auch eine Abtreibung organisiert.

Kirchengipfel Ende Februar

Der Pennsylvania-Bericht betont aber auch, dass sich in den vergangenen 15 Jahren in der US-Kirche viel verändert habe – also seit der "Charta von Dallas". Die Diözesen hätten bei der Erarbeitung des Berichts geholfen. Gleichzeitig seien auch Maßnahmen zum Opferschutz und zur Hilfe für Betroffene ergriffen worden. Die Untersuchung verweist neben manchem Lob aber auch darauf, dass zwei Priester noch innerhalb der vergangenen zehn Jahre Kinder missbraucht hätten.

Schon seit Monaten versuchen die US-Bischöfe, den Bock umzustoßen und Glaubwürdigkeit bei der Aufarbeitung der Skandale zurückzugewinnen. Der Blick richtet sich nun auf den Kirchengipfel Ende Februar, für den Papst Franziskus die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit in den Vatikan geladen hat. Zumindest bis dahin bleibt die Stimmung im Land weiter explosiv.

Bernd Tenhage
(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 23.10.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Raubbau an der Schöpfung und Respekt für Indigene: Deutscher Pfarrer in Kolumbien
  • Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu Antisemitismus in Deutschland
  • Katholischer Wald und Klimawandel: „Da muss dringend was passieren!“
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Trump unter Druck: Hielt der US-Präsident Militärhilfe für die Ukraine zurück?
  • IGFM: Verletzung der Menschenrechte von Kurden, Christen und Jesiden durch die Türkei
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Trump unter Druck: Hielt der US-Präsident Militärhilfe für die Ukraine zurück?
  • IGFM: Verletzung der Menschenrechte von Kurden, Christen und Jesiden durch die Türkei
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wald der Zukunft
  • Lateinamerika in Aufruhr - Proteste in Chile
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Wald der Zukunft
  • Lateinamerika in Aufruhr - Proteste in Chile
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff