Geweiht aber noch im Bau: die neue Kathedrale in Bukarest
Geweiht aber noch im Bau: die neue Kathedrale in Bukarest
Die neue Nr. 1 in der Kathedrale von Bukarest
Größer als der "Decke Pitter": die Glocke in Bukarest neuer Kathedrale
 Patriarch Bartholomäus I. will sich mit ...
Patriarch Bartholomaios I.
Orthodoxe in Rumänien
Orthodoxe in Rumänien

25.11.2018

Weihe der "Kathedrale zur Erlösung der Nation" in Bukarest Ein Gotteshaus der Superlative

Die neue Kathedrale in Bukarest ist nicht nur eine der größten orthodoxen Kirchen, sondern besitzt mit mehr als 25 Tonnen nun auch die größte freischwingende Glocke der Welt. Damit liegt sie knapp vor dem "Decken Pitter" des Kölner Doms.

Darf man sagen: Rumänien hat Erlösung durchaus nötig? Die Politik ist verkeilt im Dauerzweikampf zwischen Schatten-Regierungschef Liviu Dragnea und Staatspräsident Klaus Iohannis, der sich den Kampf gegen die grassierende Korruption im Land auf die Fahnen geschrieben hat. Doch Iohannis steht auf verlorenem Posten gegen die regierenden sogenannten Sozialdemokraten Dragneas, die genau dies verhindern wollen und ihm auch die letzten verfassungsmäßigen Instrumente dafür aus der Hand geschlagen haben. Und am 1. Januar übernimmt genau diese rumänische Regierung die EU-Ratspräsidentschaft.

Weihe der Kathedrale

In diesem durchaus misslichen Tableau steht an diesem Sonntag ein besonderes Fest an: In der rumänischen Hauptstadt Bukarest wird die "Kathedrale zur Erlösung der Nation" geweiht. Mit 120 Metern Länge, 70 Metern Breite und 120 Metern Höhe ist sie eine der größten orthodoxen Kirchen weltweit. Sie bietet 5.000 Menschen Platz - doch das wird an diesem Wochenende bei weitem nicht reichen. Rumänische Medien und Behörden rechnen mit rund 30.000 Teilnehmern.

Erwartet werden nicht nur die hohe Politik und die Leitung der rumänisch-orthodoxen Kirche. Der Altarweihe soll auch das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie beiwohnen, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel. Eingeladen waren eigentlich alle Oberhäupter der orthodoxen Nationalkirchen. Doch nicht nur in der rumänischen Politik ist es derzeit schwierig. Die innerorthodoxe Krise um die Anerkennung einer von Moskau unabhängigen vereinten Nationalkirche der Ukraine macht das Fest der Kirchweihe in Bukarest auch zu einem kirchendiplomatischen Belastungstest.

"Symbol der rumänischen Seele" 

Eigentlich hatte es in Bukarest erstmals nach spannungsreichen Jahren eine Wiederbegegnung von Bartholomaios I. und seinem Moskauer Amtsbruder Kyrill I. geben sollen, und zwar im Rahmen einer "Synaxis", eines Gipfels aller Oberhirten der Orthodoxie. Davon war freilich zuletzt keine Rede mehr. Der zum mächtigen Moskau hinneigende Teil der Weltorthodoxie dürfte der Begegnung mit dem ukrainefreundlichen Bartholomaios I. nach der Aufkündigung der liturgischen Mahlgemeinschaft ausweichen.

Die Idee zum Bau einer neuen rumänischen Nationalkirche ist mehr als 150 Jahre alt. Die bisherige Kathedrale Sankt Konstantin und Helena aus der Mitte des 17. Jahrhunderts war ursprünglich eine Klosterkirche und wurde erst später zur Bischofskirche. Mit ihren nur rund 500 Plätzen war sie schon lange viel zu klein. Mit der Gründung des rumänischen Patriarchats 1925 wurde sie zwar zur Hauptkirche des Landes, aber eigentlich stets als Provisorium empfunden.

Bis der Wunsch nach einem Neubau als "Symbol der rumänischen Seele" realisiert werden konnte, mussten jedoch zunächst vier Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft überwunden werden. Nach der Wende trieb der greise Patriarch Teoctist I. (1915-2007) das Projekt entschlossen voran, ebenso wie sein Nachfolger, Patriarch Daniel (67). 2004 erhielt das Patriarchat fünf Hektar Land für den Bau. Allerdings focht der damalige Oberbürgermeister und spätere Staatspräsident Traian Basescu die Umsiedlung gerichtlich an; die Kirche musste sich einen anderen Bauplatz suchen.

Größte freischwingende Glocke der Welt

Mehr als sieben Jahre nach der Grundsteinlegung ist es nun so weit, und sogar im Zeitplan. Nach Worten von Patriarch Daniel ist die Nationalkathedrale zu 96 Prozent fertiggestellt. Rund 110 Millionen Euro hat der Bau laut jüngsten Medienberichten gekostet. Nach Angaben des rumänischen Patriarchats stammen rund drei Viertel vom Staat und dem Bukarester Stadtrat. Unklar bleibt, wie viel Geld nun noch zur Fertigstellung benötigt wird. Für die Innenausstattung setzt man auch auf Großspender und Patenschaften.

Die Bukarester "Kathedrale zur Erlösung der Nation" wird der Auferstehung Christi und dem heiligen Andreas geweiht, der am Beginn des Christentums in der Dobrudscha das Evangelium verkündete. Sie hat eine ähnliche Symbolkraft wie die Hauptkirche der serbischen Orthodoxie, die Ende 2017 geweihte Kuppelkirche Sankt Sava in Belgrad, die mehr als 10.000 Menschen Platz bietet.

Der Baukomplex in der Nähe des rumänischen Parlamentspalastes umfasst auch zwei Mehrzweckhallen für je 1.000 Personen, zwei Pilgerherbergen sowie eine Suppenküche. Und einen Superlativ hat Rumäniens Nationalkathedrale bereits dem Kölner Dom abgejagt: Im November 2016 wurde in der Innsbrucker Gießerei Grassmayr die größte freischwingende Glocke der Welt gegossen, mit einem Durchmesser von 3,35 Metern und 25,2 Tonnen Gewicht. Der "Decke Pitter" in Köln bringt es "nur" auf 3,22 Meter und 24 Tonnen.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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