Die Hände von Ashiq Masih, Ehemann von Asia Bibi, bei einer Pressekonferenz in Rom
Die Hände von Ashiq Masih, Ehemann von Asia Bibi, bei einer Pressekonferenz in Rom

12.11.2018

Politiker fordern Aufnahme Asia Bibis in Deutschland "Die Zeit wird knapp"

Die Bundesregierung hat ihre Bereitschaft zur Aufnahme der pakistanischen Christin Asia Bibi bekräftigt. Auch der Zentralrat der Muslime hat eine Einladung versendet. "Sie kann gehen, wohin sie will. Aber die Zeit wird knapp", sagt ihr Anwalt.

Einige europäische Länder und "darunter natürlich auch Deutschland" wären aufgeschlossen, sollte Asia Bibi sich entscheiden, nach Deutschland oder in ein europäisches Land zu kommen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. Man sei mit der pakistanischen Seite im Gespräch. Näheres wollte die Sprecherin mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte von Asia Bibi nicht ausführen.

Stimmen aus der Politik

"Nach all dem Leid, das Asia Bibi und ihrer Familie zugestoßen ist, darf ihre Ausreise aus Pakistan nicht weiter in der Luft hängen, nur weil man sich nicht einigen kann, welches Land zu einer Aufnahme bereit ist", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Sonntag. Die Bundesregierung müsse jetzt handeln. "Das wäre ein starkes Zeichen für die Religionsfreiheit und die Menschenrechte", so die Politikerin.

Die Christin war 2010 in Pakistan wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Am 31. Oktober sprach sie das Oberste Gericht aber überraschend frei. Seither schicken islamistische Gruppen Tausende Demonstranten auf die Straße, um gegen das Urteil zu protestieren und Bibis Hinrichtung zu fordern.

"Kompass der Menschlichkeit"

Auch die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Gyde Jensen (FDP), forderte eine Aufnahme in Deutschland. "Die Bundesregierung muss alle diplomatischen Hebel in Bewegung setzen, um ihr Leben zu schützen", sagte sie dem "Tagesspiegel" (Montag). "In Pakistan scheinen nicht mehr Gerichte über Recht zu entscheiden, sondern ein radikaler Mob."

Bereits am Samstag hatte der Historiker Michael Wolffsohn an Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, sich für Asia Bibi einzusetzen. "Dass sie so etwas kann, hat sie bewiesen", verwies Wolffsohn in einem Beitrag für bild.de auf die Befreiung syrischer Widerständler 2016 im Herrschaftsgebiet der Terrormiliz "Islamischer Staat".

"Die Zeit wird knapp"

Unterdessen signalisierte der Anwalt Bibis, dass sie bereit wäre, in der Bundesrepublik ein neues Leben zu beginnen. "Meine Mandantin wäre glücklich, wenn sie mit ihrer Familie nach Deutschland ausreisen könnte", sagte Saif-ul-Malook der "Bild am Sonntag". Es gebe für sie keine gerichtlichen Auflagen. "Sie kann gehen, wohin sie will. Aber die Zeit wird knapp."

Deutschland ist offenbar bereit, Bibi und ihre Familie unter bestimmten Bedingungen aufzunehmen. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es laut "Bild am Sonntag": "Wir sind mit der pakistanischen Regierung und unseren Partnern im Gespräch. Für uns steht der Schutz von Asia Bibi und ihrer Familie im Vordergrund." Mehrere europäische Länder seien mit Blick auf eine mögliche Aufnahme aufgeschlossen. "Dazu gehört selbstverständlich auch Deutschland", so das Außenministerium.

Zentralrat der Muslime

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat Asia Bibi zu einer Veranstaltung im Rahmen eines Interreligiösen Dialoges nach Deutschland eingeladen. "Wir begrüßen ausdrücklich die Aufhebung des Urteils durch die höchsten pakistanischen Gerichte und die kluge Haltung des pakistanischen Premierministers und sehen nun eine gute Chance, in einer offenen Atmosphäre über Religions- und Meinungsfreiheit zu diskutieren", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Sonntag in Berlin.

Der Zentralrat habe Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe für ein Einreisevisum für die Bundesrepublik gebeten, so Mazyek. Auch stehe der ZMD mit dem pakistanischen Botschafter in Berlin im Kontakt. "Wir würden es zudem sehr begrüßen, wenn uns die katholische Kirche bei unserem Vorhaben einer interreligiösen Begegnung mit Frau Asia Bibi unterstützt", ergänzte Mazyek. Ein entsprechendes Schreiben sei an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, geschickt worden.

(KNA)

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