Proteste nach Freispruch von Christin in Pakistan dauern an
Proteste nach Freispruch von Christin in Pakistan dauern an

02.11.2018

Pakistans Militär fordert islamistische Demonstranten zur Ruhe auf Nach Aufhebung des Todesurteils gegen Asia Bibi

Pakistan kommt nach dem Freispruch der wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilten Christin Asia Bibi nicht zur Ruhe. Während der Protest islamischer Hardliner auch am Freitag das Land lähmte, mahnt Pakistans Militär zur Zurückhaltung.

"Es geht um eine Rechtsfrage, und es ist besser, wenn das Recht seinen Lauf nimmt", erklärte Armeesprecher Asif Ghafoor, wie der pakistanische Sender "Geo TV" berichtete. Auch am dritten Tag der Proteste blockierten Demonstranten im ganzen Land Straßen und forderten den Tod Bibis. Nach dem Freitagsgebet erhielten die Proteste weiteren Zulauf. In vielen Teilen der Landes war das Mobiltelefonnetz desaktiviert worden.

In einem bahnbrechenden Urteil hatte am Mittwoch das Oberste Gericht Pakistans das Blasphemie-Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben und damit den islamistischen Kräften die Stirn geboten. Die Richter in Islamabad ordneten zudem die sofortige Freilassung der 47-Jährigen an, die seit fast zehn Jahren in Haft ist. Allerdings schien sich am Freitag die Haftentlassung weiter zu verzögern, nachdem eine Petition an das Oberste Gericht gestellt worden war, um den Fall noch einmal aufzurollen. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Richter den Fall noch einmal annehmen werden, doch der Prozess könnte Zeit in Anspruch nehmen. Mehrere Länder haben Bibi und ihrer Familie Asyl angeboten.

In den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen

Die fünffache Mutter wurde 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode. Der Fall hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und Gewalt geführt.

Pakistans drakonisches Blasphemie-Gesetz sieht bei Gotteslästerung unter anderem die Todesstrafe vor. Derzeit sitzen knapp 20 Menschen wegen Blasphemie in Todeszellen. Das islamische Land hat bislang jedoch noch niemanden wegen Blasphemie hingerichtet. Allerdings bedeutet bereits der Vorwurf der Gotteslästerung Lebensgefahr. Immer wieder kommt es in solchen Fällen zu Lynchjustiz und Rachemorden.

Alle Versuche, das Blasphemie-Gesetz zu ändern, scheiterten stets am Widerstand religiöser Hardliner. Zwei prominente Politiker wurden 2011 ermordet, weil sie eine Lockerung forderten.

(epd)

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