Vor den Wahlen in Brasilien
Vor den Wahlen in Brasilien
Vor der Wahl in Brasilien: Protest gegen Bolsonaro
Vor der Wahl in Brasilien: Protest gegen Bolsonaro

23.10.2018

Evangelikale in Brasilien unterstützen Bolsonaro Mit Knarre und Bibel - Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt

Brasilien wird wohl einen Rechtspopulisten zum Präsidenten wählen. Die Evangelikalen feiern Jair Bolsonaro, während der frühere Katholik die Kirche zum Feindbild macht.

An Kirchen geschmierte Hakenkreuze, Drohungen gegen Bischöfe: In Brasilien, dem einst katholischsten Land der Welt, läuft eine Hasswelle gegen die Kirche. Dahinter stecken Falschmeldungen, die Anhänger des Rechtspopulisten Jair Messias Bolsonaro (63) verbreiten. Sie warnen vor einer kommunistischen Verschwörung von linken Parteien, LGBT-Gruppen, Feministinnen und der katholischen Kirche.

Bolsonaro liegt in Umfragen weit vor Fernando Haddad (55) von der linken Arbeiterpartei PT und ist Katholik. Doch 2016 ließ er sich von einem evangelikalen Pastor im Jordan taufen. Bei den Evangelikalen, rund ein Drittel der Bevölkerung, punktet er mit der Verdammung von Gender-Fragen oder Rechten für sexuelle Minderheiten. Laut Umfragen wollen ihn rund 70 Prozent der Evangelikalen wählen, bei den Katholiken etwa jeder zweite.

Verschwörungstheorien um den Vatikan

Zuletzt beschimpfte er in einem Video Brasiliens Bischofskonferenz und den Indio-Missionsrat Cimi als "verfaulten Teil der Kirche". Die Kirche stifte zum Klassenkampf an und plane, die Indio-Reservate aus dem brasilianischen Staatsgebiet herauszulösen. Nutznießer wären die Chinesen.

Die Kirche als Teil einer kommunistischen Verschwörung? "Das kam nach dem Abkommen zwischen dem Vatikan und China auf und mischte sich mit bestehenden Verschwörungstheorien", erläutert der Politikwissenschaftler Oliver Stuenkel von der Fundacao Getulio Vargas in Sao Paulo.

Hassbotschaften und Fake-News für die Kirche

Im September hatten Rom und Peking ein Abkommen über strittige Fragen wie Bischofsernennungen abgeschlossen. "Alles, was nicht hundertprozentig auf Bolsonaros Linie liegt, wird jetzt als kommunistisch bezeichnet, auch die Vereinten Nationen und internationale Medien", so Stuenkel. Dieser plant eine Militarisierung der Gesellschaft und die Bewaffnung der Bürger zur Selbstverteidigung.

Stuenkel befürchtet eine Verschlechterung der Menschenrechtslage. Erste Anzeichen gibt es. Der Arbeiter-Bischof Jose Reginaldo Andrietta hatte in einem offenen Brief Katholiken kritisiert, die "für einen Gewalt und Hass säenden Kandidaten" stimmten. Daraufhin wurde in Sozialen Netzwerken die Exkommunikation des "kommunistischen Bischofs" gefordert, also der Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Die Kirche wurde Ziel zahlreicher Hass-Botschaften und Fake News, wie der, dass sie unter dem Vorwand der Menschenrechte Drogenbanden beschütze.

"Gott hasst die Gender-Ideologie"

"Die linken, kommunistischen und sozialistischen Bischöfe haben die katholische Kirche in eine große politische Partei verwandelt, die PT», glaubt auch «Apostel» Miguel Angelo von der evangelikalen "Christus lebt"-Kirche in Rio. Unter ihrer roten Fahne habe die PT während ihrer Regierung (2003-2016) Brasilien ruiniert und in sensible Bereiche wie Religion und Familie reinregiert. "Gott hasst die Gender-Ideologie. Das war ein Affront gegen Gott und die Bibel. Das brasilianische Volk ist schließlich konservativ und christlich."

"Die katholische Kirche vermischt heutzutage Marxismus und Christentum, behauptet in ihrer Befreiungstheologie, dass Jesus sich auf die Seite der Armen gestellt habe", sagt der evangelikale Pastor Silas Malafaia, derzeit Bolsonaros religiöser Guru. Er selbst predigt eine "Theologie des Wohlstandes", nach der Gott denen materielle Hilfe gibt, die der Kirche spenden. Reichtum ist demnach ein Zeichen der Liebe Gottes. Malafaia selbst soll umgerechnet rund 150 Millionen Dollar besitzen.

"Brasilien über alles, Gott über allem"?

"Der Marxismus hat die Taktik gewechselt, trägt jetzt ein kulturelles Gewand und will die Gesellschaften vernichten, indem er die Familien zerstört", so der evangelikale Pastor. Die von Künstlern durchsetzte Schwulenbewegung versuche, mit ihrer Gender-Ideologie einen Paradigmenwechsel vom jüdisch-christlichen Modell hin zum atheistisch-humanistischen Modell zu erzwingen. "Aber jetzt kommt die Gegenbewegung."

Im September war Bolsonaro von einem geistig Verwirrten bei einem Wahlkampfauftritt niedergestochen worden. Tagelang schwebte er in Lebensgefahr. Dass er überlebte, sehen er und seine Anhänger als göttliches Zeichen. Sein Wahlkampfmotto lautet "Brasilien über alles, Gott über allem".

Thomas Milz
(KNA)

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