Deutsche Bischöfe leiten Maßnahmen gegen Missbrauch ein
Missbrauch: Erstmals ermittelt die US-Bundesjustiz
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

19.10.2018

USA-Experte über die Ermittlungen des US-Justizministeriums nach Missbrauchsbericht "Bischöfe müssen in Verantwortung gezogen werden"

Vor zwei Monaten erschien der Pennsylvania-Report über Missbrauchsvertuschung in der US-Kirche. Jetzt ermittelt die Bundesjustiz. "Das weist darauf hin, dass man die Klagen der Opfer ernst nimmt", analysiert USA-Experte Klaus Prömpers.

DOMRADIO.DE: Was bedeutete denn nun, dass sich jetzt auch die Bundesjustiz der USA mit den Missbrauchsvorwürfen beschäftigt? Das ist eine absolute Premiere. Bislang hat sich der Staat in den USA immer aus kirchlichen Angelegenheiten herausgehalten.

Klaus Prömpers (Ehemaliger ZDF-Korrespondent in New York und USA-Experte): Auf Bundesstaat-Ebene - wie etwa in Boston vor 15 Jahren - hat es immer schon Untersuchungen gegeben. Aber, dass sich jetzt erstmals auch das Bundesjustizministerium einschaltet und von den Diözesen in Pennsylvania verlangt, die Dokumente herauszugeben, das weist darauf hin, dass man die Klagen der Opfer ernst nimmt.

Zwei Monate nachdem der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania seinen Bericht über die Missbrauchsfälle veröffentlicht hat, kommt es jetzt zu einem Versuch, das juristisch aufzuarbeiten und nicht nur der innerkirchlichen Aufarbeitung zu überlassen. Das wird natürlich schwierig sein, weil viele Priester mittlerweile verstorben sind. Aber immerhin. Man versucht damit auf die Forderungen jener Opfer einzugehen, die lange und laut ihre Stimme erhoben haben.

DOMRADIO.DE: Jetzt gibt es offizielle Vorladungen der Behörden an mehrere Bistümer. Aber so richtig überraschend kommen die ja nicht, hieß es aus einer Diözese in Pennsylvania. Warum?

Prömpers: Sie waren im Grunde nach dem Report des Generalstaatsanwaltes im August darauf vorbereitet, dass so etwas auf sie zurollen würde. Sei es auf bundesstaatlicher Ebene oder vom Bundesjustizministerium. Die Ermittlungsbehörden untersuchen nicht nur in Pennsylvania, sondern die jeweiligen regionalen Generalstaatsanwälte fordern die Diözesen in den insgesamt elf Bundesstaaten auf, die Akten und was in der Vergangenheit passiert ist, offenzulegen. Es geht darum, zu schauen, wo bereits Verfahren gelaufen sind und wo möglicherweise noch Verfahren nötig sind.

DOMRADIO.DE: Die Vorladungen gibt es ja jetzt. Wie wird es jetzt weitergehen?

Prömpers: Nun wird man erst mal aufklären, was tatsächlich passiert ist. Dann wird man unter Umständen auch versuchen zu analysieren, ob da ein System dahintersteckt. Die Generalstaatsanwältin von New York, Barbara Underwood, möchte herausbekommen, was beispielsweise die Bischöfe vertuscht haben. Wir erinnern uns: In Folge der Veröffentlichung des Berichtes in Pennsylvania hat Kardinal Wuerl aus Washington seinen Rücktritt angeboten und der Papst hat ihn angenommen. Deshalb, weil er zwölf Jahre lang in Pittsburgh Bischof gewesen ist. Ihm wird vorgeworfen dort 200 Fälle von priesterlichem Missbrauch vertuscht zu haben. Das heißt, er soll Priester versetzt haben und nicht staatlichen Autoritäten zugeführt  haben. Er hat die Konsequenzen gezogen. Der Papst hat diese Konsequenzen angenommen. Das mag bei anderen auch noch passieren, wenn man noch tiefer in die Materie eingreift.

DOMRADIO.DE: Für diese Aufarbeitung müssen ja jetzt die Archive geöffnet werden. Wird die Kirche da auch kooperieren? Und wie sieht das in Rom aus? Müssen da nicht auch alle Akten zugänglich gemacht werden?

Prömpers: Zunächst einmal kann man für Pennsylvania sagen, dass sieben der acht Diözesen gesagt haben: "Wir werden unsere Archive öffnen." Da das aber vom Bundesjustizministerium unter Strafandrohung verlangt worden ist, wird am Ende wahrscheinlich auch die achte Diözese ihre Archive öffnen müssen.

Aber der lange Arm amerikanischer Justiz wird, glaube ich, nicht bis Rom reichen. Das muss innerkirchlich ausgefochten werden. Dass die Fraktion, die wirklich aufklären will, sich in Rom nun durchsetzen kann, das vermag ich nicht wirklich zu beurteilen. Aber der Drang in diese Richtung wird sicherlich stärker. Das sieht man ja auch in Deutschland. Die bayerische Justiz fordert jetzt ja auch die bayerischen Diözesen auf, aufzuklären, und Akten offenzulegen.

DOMRADIO.DE: Was meinen Sie, welche Auswirkungen haben denn diese Ermittlungen in der Öffentlichkeit? Befindet sich die katholische Kirche in den USA im freien Fall nach unten?

Prömpers: Zweifelsohne. Vor 15 Jahren wurden in Boston die ersten Skandale in der Kirche aufgedeckt. Die jetzigen Skandale zeigen, dass es in diesen 15 Jahren eben keine Null-Toleranz-Politik gegeben hat, die man vollmundig verkündet hat. Das ist ein überaus starkes Glaubwürdigkeitsproblem - vor allem für die Bischöfe, die auch nach den Vorfällen und Erfahrungen von Boston immer noch weiter weggeschaut haben. Das werden nicht alle gewesen sein. Aber einige schon. Und die gilt es nun zur Verantwortung zu ziehen. Und im Grunde muss man sagen: Die müssen ihr bischöfliches Amt niederlegen und ausscheiden.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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