Protestbanner zum Missbrauchsskandal an einer Hauswand in Lima
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08.10.2018

Staatsanwaltschaft in Chile vernimmt im Missbrauchsskandal Erzbischof von Santiago Kritik nach Schweigen

Die Staatsanwaltschaft in Chile hat im Zuge der Ermittlungen zum Missbrauchsskandal Kardinal Ezzati befragt. Der Erzbischof von Santiago entschied sich Medienberichten zufolge allerdings dazu, keine Angaben zu machen.

Inzwischen ist der Missbrauchsskandal auch vor den Türen der Residenz des Erzbischofs von Santiago angekommen: Weil Kardinal Ricardo Ezzati bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft offenbar schwieg, versammelten sich Anhänger und Mitglieder des "Netzwerks der Überlebenden von kirchlichem Missbrauch" vor dessen Haus in der Calle Simon Bolivar in der chilenischen Hauptstadt.

Wo immer sie auch hingingen, man werde sie nicht in Ruhe lassen, sagte Helmut Kramer, Sprecher der Gruppierung, laut einem Bericht der Tageszeitung "La Tercera" mit Blick auf Kirchenvertreter. Sie seien eine Gefahr für die Jungen und Mädchen, für die Heranwachsenden.

Keine wesentlichen Erkenntnisse aus Vernehmung

Zuvor war die mit Spannung erwartete Vernehmung Ezzatis durch den Regional-Staatsanwalt von O'Higgins, Emiliano Arias, bereits einmal verschoben worden. Die Verteidigung des Kardinals begründete den entsprechenden Antrag damit, sich besser in die Aktenlage einarbeiten zu wollen.

Der zweite Termin in der vergangenen Woche brachte dann laut lokalen Medienberichten keine wesentlichen Erkenntnisse. Aus Kreisen der Staatsanwaltschaft hieß es, Ezzati habe von dem Recht Gebrauch gemacht, zu schweigen. Ihm wird zur Last gelegt, von Missbrauchsfällen im Erzbistum Santiago gewusst und nichts getan zu haben, um diese aufzuklären und weitere zu verhindern. Konkret geht es dabei um den Ex-Kanzler des Erzbistums, Oscar Munoz, dem zahlreiche Missbrauchsfälle zur Last gelegt werden.

Viele Diözesen stehen unter einer Übergangsverwaltung

Zuvor hatte Ezzati die Opfer des Missbrauchsskandals öffentlich um Entschuldigung gebeten. Bei einem Gottesdienst anlässlich der 400-Jahr-Feier der Kirche San Francisco forderte Ezzati zugleich Hilfe und Unterstützung für Betroffene von Missbrauchsfällen. Vom Grunde seines Herzens und im Namen der Erzdiözese Santiago flehe er jene um Vergebung an, die durch die Gemeinde, insbesondere durch Geistliche, missbraucht worden seien, zitierte der TV-Sender CNN Chile Ezzati in der vergangenen Woche. Es müsse alles unternommen werden, damit sich solche Fälle nicht mehr wiederholten.

Nach chilenischen Medienberichten hat die Staatsanwaltschaft seit 2000 gegen insgesamt 221 Geistliche und 8 Bischöfe ermittelt. Papst Franziskus hatte jüngst die vorzeitigen Rücktritte von zwei weiteren Bischöfen in Chile angenommen. Wie der Vatikan bekanntgab, verzichten Carlos Pellegrin Barrera (60) und Cristian Contreras Molina (71) auf ihr Amt als Bistumsleiter von Chillan beziehungsweise San Felipe. Bis zur Ernennung neuer regulärer Bischöfe übernehmen zwei sogenannte Apostolische Administratoren die Amtsgeschäfte. Damit stehen in Chile 8 von 27 Diözesen unter einer Übergangsverwaltung. Die katholische Kirche des Landes wurde im Frühjahr von einem Missbrauchsskandal erschüttert.

Chiles Staatspräsident am Samstag zu Gast im Vatikan

Im Brennpunkt steht der inzwischen 88 Jahre alte Priester Fernando Karadima, der 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt wurde. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, unter ihnen auch Juan Barros von Osorno, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird. Papst Franziskus hatte zur Klärung der Vorwürfe einen Sondergesandten nach Chile geschickt und die gesamte Chilenische Bischofskonferenz in den Vatikan gebeten. Zuletzt rückten auch die beiden chilenischen Kardinäle Ricardo Ezzati und Francisco Errazuriz ins Zentrum der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle im Erzbistum Santiago vertuscht zu haben. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Chiles Staatspräsident Sebastian Pinera trifft unterdessen am kommenden Samstag zu einem offiziellen Besuch mit Papst Franziskus im Vatikan zusammen. Im aktuellen Missbrauchsskandal hatte Pinera die katholische Kirche scharf kritisiert. Die Kirche habe einen schwerwiegenden Fehler begangen, sagte der konservative Staatschef laut lokalen Medien im Juli. Es schmerze ihn, dass hohe Würdenträger um die Taten zwar gewusst, sie aber verheimlicht hätten. Pinera amtiert seit März als Staatsoberhaupt, nachdem er diese Position schon einmal von 2010 bis 2014 bekleidet hatte. Es ist sein erster Besuch bei Franziskus. 2011 war er bei dessen Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) zu Gast.

Tobias Käufer
(KNA)

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