Kirche in Island
Kirche in Island
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
Der isländische Bischof David Tencer (r.) und Monisgnore Georg Austen (l.) im Gespräch mit dem Botschafter von Island, Martin Eyjólfsson.
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Elisabeth Käufer wird ihr Praktikum in der Gemeinde St. Peter in Akureyri, Island absolvieren
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15.09.2018

Bonifatiuswerk unterstützt Katholiken in Island Kirche im Aufbruch

Acht Pfarreien mit 25.000 Gemeindemitgliedern – diese Zahlen beschreiben die Katholiken in Island. Wie aber leben die katholische Christen in der nordischen Diaspora ihren Glauben? Das verrät der Generalsekretär des Bonifatiuswerks, Monsignore Austen, im Interview.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn Ihr erster Eindruck vom Leben der Katholiken in Island?

Monsignore Georg Austen (Generalsekretär des Bonifatiuswerkes): Es ist eine sehr spannende und interessante Zeit für das katholische Leben hier in Island, weil die katholische Kirche in Island sehr stark aus Migranten besteht. Es sind viele Menschen hier, die aus anderen Ländern kommen, um hier zu arbeiten und zu leben.

Es ist eine materiell arme Kirche in einem reichen Land mit vielen Problemen – aber auch eine Kirche, die sich im Aufbruch befindet. Ich stehe gerade über dem Meer an einem Kloster. Ein Ort, wo Menschen hinkommen und sie ein Zeichen des Gebets und des Glaubens setzen. Wir sind sehr gastfreundlich empfangen worden und gespannt auf viele Dinge, die uns in den nächsten Tagen hier erwarten.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie von Aufbruch gesprochen. Wie macht sich der denn bemerkbar?

Austen: Den Aufbruch bemerkt man daran, dass die katholische Kirche hier mehr und mehr vor allem durch Migranten, aber auch durch Konvertiten, wächst. Außerdem werden neue Gemeinden gegründet.

Das ist eine große Schwierigkeit, dass die Katholiken über das große Land, das etwa so groß ist wie die ehemalige DDR, sehr weit verstreut sind. Wenn eine Gemeinde 500 Kilometer im Durchmesser mit etwa genauso vielen Katholiken hat, ist das schon sehr schwierig. Dort werden eben neue Gemeinden gegründet. Mehr und mehr wächst die Kirche auch in den caritativen Einrichtungen, in den Möglichkeiten, die da sind. Aber es ist eben eine Diaspora-Kirche in einer Minderheitensituation.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet diese Weitläufigkeit für die zwölf Pfarrer und den Bischof in Island konkret?

Austen: Das bedeutet, dass es keinen einzigen aus Island stammenden Priester gibt. Der einzige islandstämmige Priester ist gerade in den Ruhestand gegangen. Die Priester haben keine einheitliche Sprache untereinander, damit sie sich verständigen können. Isländisch zu lernen ist schwierig.

Außerdem sind die Wege zum Gottesdienst für die Gläubigen und nicht nur für die Priester sehr weit. Teilweise ist es schwierig den Glauben zu leben. Zum Beispiel in den Familien in der Vorbereitung auf die Erstkommunion oder Firmung, wo man versucht, über Internet oder über Skype sich austauschen und zu verbinden, sodass man Glaubensgemeinschaft überhaupt erlebt.

Das ist eben das Tolle hier, wenn man zum Gottesdienst kommt. Es gibt immer das achte Sakrament, den Kirchenkaffee, wo man sich hinterher trifft, wo man das Leben miteinander teilt und eben eine sehr internationale junge Kirche erlebt.

DOMRADIO.DE: Nun sind Sie als Geschäftsführer des Bonifatiuswerks in Island unterwegs. Wie unterstützt das Bonifatiuswerk die isländischen Katholiken konkret?

Austen: Sie unterstützen konkret zum Beispiel die Kinder und Jugendarbeit in der Katechese. Wir haben derzeit zwei Personalstellen zum Aufbau der Jugendarbeit und der katechetischen Arbeit, die wir unterstützen. Wir unterstützen aber auch zahlreiche Bauprojekte, beispielsweise in dem Kloster, wo ich gerade bin, in dem ein Krankenzimmer eingerichtet werden muss. Die Menschen brauchen auch ganz konkret zwei Busse, um die großen Entfernungen zu überwinden.

Außerdem unterstützen wir die Gehälter der Priester, weil es materiell eine sehr arme Kirche ist. Es gibt keine Kirchensteuern oder staatliche Unterstützung. Deshalb ist die Kirche dort sehr stark auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Aber wir können auch viel von ihnen durch das Glaubenszeugnis in der Minderheit lernen. Deshalb versuchen wir in gutem Austausch zu sein.

DOMRADIO.DE: Sie werden insgesamt eine Woche dort sein. Worauf freuen Sie sich in den nächsten Tagen besonders?

Austen: Ich freue mich auf die Landschaft. Ich freue mich, die Menschen zu erleben und ihnen zu begegnen. Die Schwestern im Kloster, Teilnehmer des Sonntagsgottesdienstes oder interessante Persönlichkeiten aus der Politik wie den ehemaligen Präsidenten, die evangelische Bischöfin, oder verschiedene Vertreter der katholischen Kirche.

Das ist einfach eine sehr große Bereicherung, den Glauben auszutauschen, aber auch etwas vom Leben hier mitzubekommen und zu erleben, wie man in dieser Landschaft und in der Buntheit der katholischen Kirche als Weltkirche bestehen kann.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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