Kardinal Daniel N. DiNardo, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz
Kardinal Daniel N. DiNardo, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz
Ehemaliger Kardinal Theodore Edgar McCarrick
Ehemaliger Kardinal Theodore Edgar McCarrick

12.09.2018

Missbrauchsskandal in USA – Bischöfe am Donnerstag beim Papst Es geht um die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche

Papst Franziskus empfängt am Donnerstagmittag einige US-Bischöfe im Vatikan, bestätigte Vatikansprecher Burke. Angeführt wird die Delegation demnach vom Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo.

Kardinal DiNardo hatte den Papst in der Affäre um den des Missbrauchs beschuldigten Ex-Kardinal Theodore McCarrick um eine Audienz gebeten. Zu dem Treffen erwartet werden auch der Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley, Vorsitzender der päpstlichen Kinderschutzkommission, sowie der Vizepräsident der US-Bischofskonferenz (USCCB), der Erzbischof von Los Angeles, Jose Horacio Gomez.

Zudem nimmt der Generalsekretär der USCCB, Brian Bransfield, laut Burke an der Audienz bei Papst Franziskus teil. O'Malley hatte erst kürzlich betont, das Thema Missbrauch müsse Priorität haben. Die Antwort auf die Missbrauchskrise sei maßgeblich für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche.

Druck auf den Vatikan nimmt zu

Der frühere Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, hatte Ende August öffentlich den Rücktritt von Papst Franziskus gefordert, weil er von sexuellen Verfehlungen des früheren Washingtoner Erzbischofs, Kardinal Theodore McCarrick, gewusst haben soll. Bisher äußerte sich Franziskus nicht direkt dazu; auch eine offizielle Stellungnahme des Heiligen Stuhls wird zwar erwartet, blieb aber bisher aus.

Auch der jetzige Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl (77), war im Zuge des Missbrauchsskandals in den USA in die Kritik geraten. In seinem Schreiben sprach der Kardinal Bedenken von Gläubigen an, ob er die richtige Person sei, um die Kirche durch den Missbrauchsskandal zu führen. Die Entscheidung über seine Zukunft sei ein wichtiger Aspekt, damit die Erzdiözese Washington voranschreiten könne.

Nichtwissen oder Fehleinschätzungen?

Wuerl wird ebenfalls vorgeworfen, von sexuellen Verfehlungen seines Vorgängers Theodore McCarrick (88) gewusst, diese aber verschwiegen zu haben. Zudem soll er in seinen 18 Jahren als Bischof von Pittsburgh nicht hart genug gegen sexuelle Übergriffe von Priestern vorgegangen sein und Geistliche, die sich an Kindern vergingen, lediglich an andere Orte versetzt haben. Wuerl hat bestritten, von den Übergriffen McCarricks gewusst zu haben, mit Blick auf seine Amtszeit in Pittsburgh aber auch "Fehleinschätzungen" und "Unzulänglichkeiten" eingeräumt.

In einem Schreiben an die Priester seines Bistums hat Kardinal Wuerl nun einen möglichen Rückzug thematisiert. Er werde schon bald mit Papst Franziskus über seine Zukunft sprechen, heißt es in dem Brief, aus dem örtliche Medien am Dienstag (Ortszeit) zitierten. Unklar blieb, ob Wuerl den Papst bitten will, seinen vor drei Jahren mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren eingereichten Rücktritt anzunehmen. Der Papst kann den im Kirchenrecht vorgeschriebenen Amtsverzicht ablehnen und die Amtszeit verlängern.

US-Bischofskonferenz fordert Aufklärung

Die US-Bischofskonferenz drängt den Vatikan weiter zu einer umfassenden Aufklärung. Die Vertuschungsvorwürfe des früheren Nuntius der USA, Erzbischof Vigano, verlangten schlüssige Antworten, die auf Beweisen beruhen, hatte Kardinal Daniel DiNardo bereits kurz nach Bekanntwerden der Anschuldigungen Ende August gesagt.

(KNA)

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Aktuell: Statement zur Missbrauchs-Studie.

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