Rohingya in einem Flüchtlingscamp im Niemandsland zwischen Bangladesch und Myanmar
Rohingya in einem Flüchtlingscamp im Niemandsland zwischen Bangladesch und Myanmar

25.08.2018

Hilfswerke fordern mehr Unterstützung für Flüchtlinge in Bangladesch "Verlorene Generation"

Ein Jahr nach der Massenflucht der Rohingya aus Myanmar haben Hilfsorganisationen mehr Hilfe für die Flüchtlinge gefordert. Die Jungen und Mädchen könnten zu einer "verlorenen Generation" werden.

Mehr als 500.000 Kinder hätten in den Lagern im Süden Bangladeschs derzeit keine Chance auf eine ordentliche Ausbildung, warnte der Unicef-Landesdirektor in Bangladesch, Edouard Beigbeder, am Donnerstag. Damit stehe ihre Zukunft auf dem Spiel, selbst wenn sie eines Tages in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Schulen sind überfüllt, es gibt keinen einheitlichen Lehrplan

Die Jungen und Mädchen könnten zu einer "verlorenen Generation" werden, warnte das UN-Kinderhilfswerk mit Deutschland-Sitz in Köln. Die meisten Kinder lebten in Flüchtlingslagern rund um die Stadt Cox's Bazar, die nur notdürftig ausgestattet und zu voll seien.

Die 1.200 Schulen dort seien überfüllt, zudem gebe es keinen einheitlichen Lehrplan.

Beigbeder forderte die internationale Gemeinschaft auf, mehr Geld für die Bildung der Flüchtlinge bereitzustellen. Bisher hätten Geber erst die Hälfte der von Unicef für Bildungsprogramme benötigten 28,2 Millionen US-Dollar (24,3 Millionen Euro) zugesagt.

Jedes vierte Kind benötigt psychosoziale Unterstützung

Auch die Kindernothilfe beklagte die schwierige Situation der Flüchtlingskinder in Bangladesch. "Nach unserer Erkenntnis ist jedes vierte Kind mit den schlimmen Erlebnissen der letzten Monate völlig überfordert und benötigt dringend psychosoziale Unterstützung", sagte die Vorstandsvorsitzende Katrin Weidemann am Mittwoch in Duisburg. In den neun Kinderschutzzentren der Kindernothilfe fänden 600 Jungen und Mädchen Unterstützung.

Die Hilfsorganisation Care forderte die Regierungen von Myanmar und Bangladesch auf, eine Rückkehr der Rohingya in ihre Heimat vorzubereiten. In die Verhandlungen müssten die Flüchtlinge selbst eingebunden werden, erklärte das Bonner Hilfswerk am Mittwoch.

"Familien sollten erst dann zurückkehren, wenn sie in ihrer Heimat wirklich sicher sind", mahnt Care-Nothelferin Jennifer Bose. "Es sollte keine Rückkehr ohne Rechte geben." Rückführungen dürften zudem nur auf freiwilliger Basis geschehen.

Mehr als eine Million Rohingya in Bangladesch

Auch der Unicef-Landesdirektor Beigbeder forderte Verbesserungen für Rohingya in Myanmar. In der Provinz Rakhine, aus der viele der Flüchtlinge vor einem Jahr kamen, hätten viele Angehörige der Minderheit keinen gleichberechtigten Zugang zu Schulen. Dies müsse die Regierung Myanmars dringend ändern.

An diesem Samstag jährt sich der Beginn der Flüchtlingskrise in der südostasiatischen Region. Die Rohingya sind in Myanmar nicht als Minderheit anerkannt und werden seit langem diskriminiert. Immer wieder gibt es Übergriffe.

Ende August 2017 hatte eine Offensive der Armee die Flucht von mehr als 700.000 muslimischen Rohingya aus dem buddhistisch geprägten Myanmar ausgelöst. In Bangladesch leben insgesamt mehr als eine Million Rohingya-Flüchtlinge.

(epd)

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