Donald Trump umarmt US-Flagge
Donald Trump umarmt US-Flagge
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ

25.05.2018

Jesuit zum christlichen Widerstand in den USA "Es geht gegen die Bewegung hinter Trump"

23 Kirchenführer haben ein "Bekenntnis des Glaubens in Zeiten der Krise" unterzeichnet – darunter Michael Curry, der auf der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan gepredigt hat. USA-Kenner Pater Brüntrup zum christlichen Widerstand gegen Trump.

DOMRADIO.DE: "Wir glauben, dass die Seele der Nation und die Integrität des Glaubens auf dem Spiel stehen“, heißt es in der Erklärung, die 23 prominente Kirchenführern unterschrieben haben. Es heißt, das Land erlebe eine "gefährliche Krise der moralischen und politischen Führung auf den höchsten Ebenen der Regierung". Warum wird Donald Trump nicht ausdrücklich erwähnt?

Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ (Jesuit, Philosoph und USA-Experte): Ich glaube, es ist richtig, Donald Trump nicht in erster Linie persönlich anzugreifen. Es würde ihm wahrscheinlich gefallen. Es geht aber gegen eine ganze Bewegung, die ihn ja gewählt hat. Es geht um Nationalismus um Rassismus, um Frauenfeindlichkeit. Um eine Kultur des Lügens und der Unwahrheit. Um eine gewisse Neigung zum Autoritären und auch um Ausländerfeindlichkeit. Das alles ist nicht nur Trump, sondern auch eine Bewegung, die hinter ihm steht.

DOMRADIO.DE: Und genau das kritisieren jetzt die Kirchenführer in ihrem Schreiben. Hat es in jüngerer Vergangenheit so etwas schon mal gegeben?

Brüntrup: Das hat es immer wieder gegeben. Man darf das jetzt auch nicht zu hoch bewerten. Das ist eine relativ kleine Gruppe von eher linken oder liberal Gesinnten aus dem evangelischen Bereich. Die Episkopalkirche ist winzig in den USA, nicht mal ein Prozent der Bevölkerung gehören ihr an.

Sie ist allerdings politisch wichtig - 25 Prozent aller amerikanischen Präsidenten waren Episkopale. Es ist ein kleiner Ausschnitt aus der religiösen Landschaft. Der große Teil der sogenannten evangelikalen Konservativen, der fundamentalistisch bibeltreuen Christen sind weiterhin eher pro Trump. Sie nutzen ihn für ihre politische Zwecke.

DOMRADIO.DE: Michael Curry surft ja nach der Hochzeit regelrecht auf einer Sympathie-Welle. Wird diese dem Widerstand gegen Trump nutzen?

Brüntrup: Das bestimmt. Natürlich ist es ideal für dieses Dokument - das ja schon in der Fastenzeit entstanden ist - dass Curry diese weltweite Aufmerksamkeit bekommen hat. Das konnten sich die Unterzeichner nur wünschen.

Unter den Unterzeichnern ist auch Dr. Ron Sider ist, der Präsident der Evangelicals for Social Action. Das sind die Evangelikalen, die sich zum Teil wenden und sagen: "Wir können nicht nur auf die individuellen Werte wie Treue in der Ehe, gegen Abtreibung, für den Schutz des Lebens schauen; wir müssen auch die größere soziale Dimension wie die Flüchtlinge und die soziale Gerechtigkeit mit einbeziehen". Da gibt es eine Strömung innerhalb der Evangelikalen, und wenn sich diese verstärkt, dann wird es auch politisch gefährlich für Trump.

DOMRADIO.DE: Michael Curry hat die America first-Politik als Ketzerei bezeichnet. Könnte das ein Auftakt einer ernsthaften kirchlichen Anti-Trump-Bewegung sein?

Brüntrup: Auf jeden Fall. Die Katholiken waren ja sowieso von Anfang an sehr skeptisch gegenüber Trump und bleiben es auch. Es ist wie gesagt ein konservatives und biblisch fundamentalistisches protestantisches Milieu, das ihn stützt, weil es glaubt, seine Agenda politisch durchzubringen.

Sie wissen durchaus, dass der Mann charakterlich nicht das ist, was man von einem Christen erwartet, aber das nehmen sie in Kauf, um die politische Agenda durchzubringen. Doch auch in diesen Kreisen wachsen die Stimmen die sagen: "Die politische Agenda ist auch nicht mehr christlich".

DOMRADIO.DE: Gestern Abend wollten die Unterzeichner auch eine Mahnwache vor dem Weißen Haus halten. Ist das ein Zeichen von größerer Öffentlichkeit? Wird das wahrgenommen?

Brüntrup: Das läuft schon ein paar Sekunden in den Nachrichten. Man muss aber fairerweise sagen, dass ständig irgendwelche Aktionen am Weißen Haus stattfinden. Das ist auch eine gewisse Größe der amerikanischen Demokratie, dass man da die Bannmeile nicht zu groß macht und das zulässt. Da darf man sich nicht zu viel von öffentlicher Aufmerksamkeit erwarten. Das ist ein relativ alltägliches Geschehen.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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