Kreuz der amerikanischen Hispanics-Gemeinde
Kreuz der amerikanischen Hispanics-Gemeinde

10.04.2018

"Hispanics", die Zukunft der US-Kirche Schlafender Riese

In den katholischen Gemeinden der USA wird immer mehr Spanisch gesprochen. Die jungen "Hispanics" füllen die Lücken, die ihre weißen Altersgenossen hinterlassen. Und ihre Traditionen verändern auch das liturgische Leben.

Pater Allan Figueroa Deck macht sich um die Zukunft der katholischen Gemeinden in den USA keine Sorgen. Der Theologe an der Loyola Marymount University in Los Angeles nennt die Hispanics "einen schlafenden Riesen", der bald erwachen wird, um der Kirche zwischen Los Angeles und New York neues Leben einzuhauchen.

Sie seien "das Gewissen der Kirche in den USA", ist sich auch Hosffman Ospino sicher, der als Theologe am Boston College an der Schnittstelle von Katholizismus und lateinamerikanischer Kultur forscht.

Junge, spanisch sprechende Latinos

Die Debatte um den künftigen Kern der katholischen US-Kirche wird lauter, denn die Gemeinden wandeln sich kulturell, sprachlich und demografisch. Junge, spanisch sprechende Latinos mit ihrer in oder durch Lateinamerika geprägten Spiritualität verändern immer stärker den Kirchenalltag. Die Kirche als Institution werde an Einfluss in Staat und Gesellschaft verlieren, meinen die Experten - sofern sie sich nicht auf diese Entwicklung einstelle und öffne.

40 Millionen Menschen kommunizieren in den USA auf Spanisch. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew von 2014 ist schon heute fast jeder vierte US-Katholik ein Latino. Schon bald dürften "Hispanics" die Mehrheit unter den US-Katholiken ausmachen. Ein Trend, der auf den ersten Blick mit einem anderen Befund im Widerspruch steht.

Zahl der gläubigen Katholiken nimmt ab

Demnach nimmt nämlich die Zahl der gläubigen Katholiken unter den US-Latinos ab. Allein zwischen 2010 und 2013 ist ihr Anteil von 67 auf 55 Prozent gefallen. Viele Ehemalige glaubten zwar weiter an Gott, so der Jesuit Deck; doch sie hätten die Kirche verlassen, weil sie den praktizierten Katholizismus als beklemmend empfänden. Dagegen nimmt aber die Zahl der Latinos unter den praktizierenden Katholiken in Relation zu anderen Gruppen deutlich zu. Die hispanische Jugend macht rund 60 Prozent aller Katholiken unter 18 Jahren aus.

Der gebürtige Kolumbianer Ospino betonte kürzlich bei einem Kongress vor rund 500 Delegierten zehn katholischer Diözesen in Phoenix, Arizona, die Schlüsselrolle der jungen Latinos. Dort lobte der Theologe ausdrücklich die Bemühungen der Bischöfe im Dialog zwischen der institutionellen Kirche und den hispanischen Katholiken. Dieser soll im Herbst beim «Encuentro» im texanischen Grapevine seinen vorläufigen Höhepunkt finden. Dabei handelt es sich um ein Großtreffen von Hispanics aus 2.500 Pfarrgemeinden in 163 US-Bistümern.

"Der richtige Mann zur richtigen Zeit"

Richtig Auftrieb erhielten die Latino-Katholiken in den vergangenen Jahren durch Papst Franziskus. Er sei mit seiner Bescheidenheit "der richtige Mann zur richtigen Zeit", meint sein Ordensbruder, der Jesuit Deck. Die Art dieses Papstes entspreche dem tiefsten inneren Verständnis des katholischen Glaubens der Latinos. Mit seiner Gestik sei er effektiver für die Gläubigen als jede Papstenzyklika. 

Impulse verspricht sich die US-Kirche von den vielen weitgehend intakten Familienstrukturen in den Latino-Gemeinden. Der Theologe Ospino hebt die zentrale Rolle vor, die Mütter, Ehefrauen, Großmütter oder Ordensfrauen spielen. Angesichts zunehmender Vereinzelung in der Konsumgesellschaft sei das ein stabilisierender Faktor für die Kirche.

"Latinos sind starke Brückenbauer", weiß der Jesuit Deck. "Sie haben den Fuß in verschiedenen Welten." Und sie veränderten auch die Themen der US-Kirche: Soziale Gerechtigkeit werde künftig viel mehr Bedeutung bekommen. Anliegen, die bislang im Vordergrund standen, wie Abtreibung und "Homo-Ehe", dürften dagegen etwas in den Hintergrund rücken. "Unaufhaltsam erreichen wir einen Moment, an dem der Einfluss der Latinos auch die Kirchenleitung prägen wird", sagt Deck voraus. Spätestens dann werde sich die US-Kirche schon verändert haben.

Thomas Spang
(KNA)

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