Johannes-Nepomuk-Kirche in Tschechien
Johannes-Nepomuk-Kirche in Tschechien
Heiliger Johannes Nepomuk in Prag
Heiliger Johannes Nepomuk in Prag

20.03.2018 - 00:00

Die Johannes-Nepomuk-Kirche im mährischen Zdar Kurioses Denkmal

Der Prager Generalvikar Johannes von Nepomuk wurde der Legende nach zum Märtyrer, weil er dem König verweigerte, das Beichtgeheimnis der Königin zu brechen. In Mähren hat man ihm ein kurioses Denkmal gesetzt.

Ist das ein Raumschiff? Eine Stein gewordene Sternfrucht? Nein, es ist eine Barockkirche! Eine kuriose, aus Symbolen und Zahlenmystik zusammengesetzte Barockkirche. Nur denkbar knapp ist die Wallfahrtsstätte für den heiligen Johannes von Nepomuk im mährischen Zdar nad Sazavou (Saar an der Sassau) im Verlauf von drei Jahrhunderten der totalen Zerstörung entgangen. Seit 1994 steht sie unter dem Schutz der Weltkulturorganisation Unesco. 2014 beschloss der tschechische Staat die Rückgabe an die katholische Kirche.

Inmitten fischreicher Seen: das Kirchlein auf dem Grünen Berg

Das einzigartige Hauptwerk der sogenannten böhmischen Barockgotik, ein Entwurf von Johann Blasius Santini-Aichel (1677-1723), ist die Hauptattraktion der ansonsten wenig ansehnlichen Kreisstadt Zdar (21.000 Einw.). Das Kirchlein auf dem Grünen Berg (Zelena Hora) am Südrand des Saarer Berglands gehört zu einem 1252 gegründeten Zisterzienserkloster, einst abgeschieden und inmitten fischreicher Seen, heute am Stadtausgang gelegen.

1422 von den Hussiten und erneut im Dreißigjährigen Krieg in Schutt und Asche gelegt, wurde es immer wieder aufgebaut. Die Klosterkirche aus dem 14. Jahrhundert wurde 1706 vom Barockbaumeister Santini-Aichel erneuert, der sich in den folgenden Jahren mit einigen weiteren originellen Bauwerken in der näheren Umgebung des Klosters verewigte: der Dorfkirche von Obyctov in Form einer Taube, einem weitgehend unbekannten Symbol der Jungfrau Maria etwa, oder dem Gasthaus in Ostrov, das gemäß den Initialen seines Förderers, Abt Vaclav Vejmluva von Zdar, in Form eines "W" gestaltet ist.

Vejmluva war es auch, der Santinis Meisterstück in Auftrag gab: die Wallfahrtskirche auf dem Grünen Berg zu Ehren des Johannes von Nepomuk. Der Prager Generalvikar wurde der Legende nach zum Märtyrer, weil er sich standhaft weigerte, gegenüber dem böhmischen König Wenzel IV. das Beichtgeheimnis zu brechen und Bekenntnisse der Königin Sophie preiszugeben.

In die Moldau geworfen, weil er das Beichtgeheimnis nicht brechen wollte

Am 20. März 1393, vor 625 Jahren, wurde der Priester gefoltert und von der Karlsbrücke in die Moldau geworfen. Dafür wird er bis heute weltweit als Brückenheiliger dargestellt. Die zwischen 1719 und 1722 entstandene Wallfahrtskirche ist ein "Traum in 5". Die Symbolzahl ist fast allgegenwärtig: fünf Tore und fünf Kapellen hat der Kreuzgang, fünf Seiten der sternförmige Grundriss des Zentralbaus mit seinen fünf Altären in fünf Kapellen.

Das "V" steht für den Auftraggeber, Abt Vejmluva, aber auch für die lateinische Zahl fünf - und fünf Buchstaben hat auch das Wort, das dem heiligen Johannes von Nepomuk als Attribut zugeschrieben wird: "tacui" - ich habe geschwiegen. Auch die Türen- und Fensterformen geben beredten Hinweis auf den verschwiegenen Erzbischof. Zahllose Zungen gibt es da, die Mitra des Abtes von Zdar und - als gängiges Barockmotiv - die Dreieinigkeit Gottes als Triangel. Die fünf fünfstrahligen Sterne sollen bei Niedrigwasser der Moldau den Sterbeort des Heiligen markiert haben.

Fünf achtstrahlige Sterne dagegen stehen für den Zisterzienserorden, der zehnstrahlige für die Muttergottes, die von den Zisterziensern besonders verehrt wird. Auch sechsstrahlige Sterne sind zu finden - Johannissterne. Fünf V-förmig angeordnete Cherubim und drei Putten am prächtigen Hochaltar stehen für die angeblich 53 Lebensjahre des Märtyrers.

Von Brandstiftung, Umnutzung und einem Friedhof

Dem architektonischen Kleinod waren damals nicht viele Jahre in Pracht beschieden. 1737 brannten Konvent und Kirche zum ersten Mal. Das unrühmlichste Kapitel Klostergeschichte schrieb 1784 der letzte Abt von Zdar, Otto Steinbach. Er selbst soll das verheerende Feuer gelegt haben, das 1784 Kloster- und Wallfahrtskirche ruinierte.

Danach bat der Abt Kaiser Joseph II. um die Aufhebung des hoch verschuldeten Klosters und setzte sich als Privatier nach Prag ab. Sein unstetes Leben endete wohl 1825, nach einem vorgetäuschten Suizid und einer neuerlichen Flucht, im rheinischen Bonn.

Der Bischof von Olmütz wollte die zerstörte Jan-Nepomuk-Kirche, die nun als Schafstall diente, schon abreißen lassen. Die Bevölkerung wehrte sich - mit einer Idee: Das umfriedete Areal im Inneren des zehneckigen Kreuzgangs - ursprünglich als Herberge und Gebetsstätte für die Pilger konzipiert - wurde für zwei Jahrhunderte zum Friedhof der Gemeinde Zdar, die Wallfahrtskirche zur Friedhofskapelle umfunktioniert.

Alexander Brüggemann

(KNA)

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