13.02.2018

Bericht über australisches Kirchenvermögen schlägt Wellen Reicher als gedacht

Wie viel Geld hat die Kirche in Australien? Dieser Frage sind Journalisten australischer Medien in langer Recherche nachgegangen. Das Ergebnis soll um einiges abweichen von dem, was die Kirchen offiziell angegeben haben. 

Australische Zeitungen werfen den katholischen Bischöfen des Landes falsche Angaben über die Kirchenfinanzen vor. Das Kirchenvermögen betrage umgerechnet rund 19 Milliarden Euro, berichten "Sydney Morning Herald" und "The Age" (Montag). Reporter der beiden Zeitungen erklären, sie hätten in sechsmonatiger Recherche ein Vermögen der Erzdiözese Melbourne von umgerechnet 4,4 Milliarden Euro ermittelt und diesen Wert auf ganz Australien hochgerechnet.

Vor der staatlichen Missbrauchskommission habe die Erzdiözese Melbourne ihr Vermögen lediglich mit umgerechnet rund 70 Millionen Euro angegeben, hieß es. Auch die Erzdiözese Sydney habe dort den Wert ihrer 160 Pflegeheime, 550 Schulen und anderer Immobilien von rund 400 Pfarreien deutlich zu niedrig angegeben. Beide hätten als Bemessungsgrundlage die Kaufpreise aus dem 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts zugrunde gelegt, berichten die Zeitungen unter Verweis auf Dokumente der Missbrauchskommission.

Vorwurf: Man will sich vor Entschädigungszahlungen ​drücken

Die katholische Kirche gehört zu den größten Immobilienbesitzern und mit rund 220.000 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern Australiens. Neben Immobilien wie Krankenhäusern, Gotteshäusern oder Schulen besitzt sie der Medienrecherche zufolge landesweit zudem Versicherungen, Telekommunikationseinrichtungen, einen Rentenfonds, Bürohäuser, Sendemasten für Mobiltelefone sowie Sportstätten.

Der Leiter des kirchlichen "Rates für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung", Francis Sullivan, wies den Vorwurf der Täuschung zurück. Die von Zeugen der Kommission vorgelegten Dokumente seien "akkurat" gewesen, sagte Sullivan australischen Medien. Der Rat ist das von der Bischofskonferenz für die Zusammenarbeit mit der staatlichen Missbrauchskommission beauftragte Gremium. Entschieden wies Sullivan auch den Vorwurf von Missbrauchsopfern zurück, die Kirche verschleiere ihr Vermögen, um Entschädigungszahlungen zu drücken.

Konsequenzen gefordert

Peter Johnston von der Laienorganisation "Katholiken für Erneuerung" warf der Kirche Geheimnistuerei bei ihren Vermögensangaben vor. Die meisten Katholiken hätten "keine Ahnung" über den Reichtum. Ann O'Connell, Steuerrechtsexpertin an der Universität Melbourne, forderte eine Überprüfung des kirchlichen Status als wohltätige Organisation und der damit verbundenen Steuerprivilegien.

Der "Sydney Morning Herald" berichtet, ihre dezentrale Struktur mache es der Kirche einfach, "Fragen über ihr gesamtes Vermögen auszuweichen". Zugleich präsentiere sie sich oft "als eine einzige Organisation".

(KNA)

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