Kloster Mor Gabriel
Kloster Mor Gabriel

30.11.2017

Diffuse Lage um Rückgabe des Klosters Mor Gabriel Gute Neuigkeiten aus der Türkei?

Die Enteignung des jahrhundertealten Klosters Mor Gabriel in der Türkei ist zurückgenommen worden. Dennoch bleibt die Lage der aramäischen Christen in dem islamisch geprägten Land schwierig.

Die aramäischen Christen in der Türkei haben die Rückgabe des Klosters Mor Gabriel an eine Stiftung begrüßt. Der stellvertretende Ministerpräsident Hakan Cavusoglu hatte die Rückübertragung zugunsten der Kloster-Stiftung kürzlich bestätigt. Der zuständige Pfarrer Gabriel Akyüz sprach von "guten Neuigkeiten".

Bereits im Juli war eine Entscheidung, wonach etliche Kirchengrundstücke der türkischen Religionsbehörde Diyanet überschrieben werden sollten, nach zahlreichen internationalen Protesten zurückgenommen worden. Nun wurden das Kloster, mehrere Felder und ein christlicher Friedhof wieder in den Besitz der Stiftung überführt.

Eines der ältesten Klöster der Welt

Das Kloster Mor Gabriel bei Mardin im Südosten der Türkei ist eines der ältesten der Welt, und ein bedeutendes Zentrum der syrisch-orthodoxen Christen. Die Probleme waren entstanden, als 2014 mehrere kleinere Dörfer in die Stadt Midyat in der Provinz Mardin eingemeindet wurden - darunter auch der Stiftungsbesitz.

"Nachdem festgestellt wurde, dass die Enteignung irrtümlich vollzogen wurde, wird in kürzester Zeit die Rückübertragung der Eigentumsrechte an die christliche Glaubensgemeinschaft erfolgen.", sagte Mustafa Yeneroglu, Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses der Großen Nationalversammlung der Türkei. "Schon die juristische Enteignung, die faktisch sowieso nie vollzogen wurde, hätte nicht erfolgen dürfen." Die Türkei sei sich dieses historischen Erbes durchaus bewusst und stolz darauf, diese Vielfalt beheimaten zu dürfen.

Unter Führung der Regierungspartei AKP werde auf die Pflege dieses Erbes großen Wert gelegt, so Yeneroglu. "So wurden in den vergangenen Jahren Dutzende historische Kirchen und Klöster in der Türkei auf Staatskosten restauriert und instand gesetzt." Tatsächlich hatte sich die Lage der aramäischen Christen in den vergangenen Jahren zunächst verbessert: Sie dürfen mittlerweile zum Beispiel eigene Schulen betreiben. 2015 wurde der Bau einer Kirche in Istanbul gestattet - zum ersten Mal überhaupt seit 1923. Als der syrische Bürgerkrieg begann, hatte Präsident Erdogan den syrischen-orthodoxen Patriarchen eingeladen, in die Türkei zurückzukehren. Das Patriarchat hatte die Türkei 1925 verlassen.

Noch keine vollständige Rückgabe

Problematisch aber bleibt die Quasi-Verstaatlichung zahlreicher Klöster und Kirchen durch eine fragwürdige Gemeindereform. Christen bitten etwa seit Jahren um eine Rückgabe mehrerer Immobilien an die Kloster-Stiftung. "Zum Grund und Boden des Klosters Mor Gabriel sind noch immer verschiedene Rechtsverfahren anhängig. Von einer vollständigen Rückgabe kann überhaupt nicht die Rede sein", sagt Daniyel Demir, Bundesvorsitzender der Aramäer in Deutschland. Mit Blick auf die aktuellen Enteignungen und Eigentumsübertragungen zu mehr als 50 Kirchen und Klöstern gebe es keine offiziellen Rückabwicklungen.

"Von der Übertragung an Diyanet hat man aufgrund des politisch-medialen Drucks, besonders aus der aramäischen Diaspora, zwar abgesehen, dennoch liegen die Eigentumspositionen noch immer bei der sogenannten Staatskasse", so Demir weiter. "Verbindliche Korrekturen liegen dem Bundesverband der Aramäer in Deutschland und dem Kloster Mor Gabriel nach heutigem Stand nicht vor."

Ethnische Minderheit

Die Assyrer oder Aramäer gelten als die älteste ethnische Minderheit der Türkei. Ihre Ursprünge gehen bis in die Zeit um 3500 vor Christus zurück. Ihre Heimatregion ist das Hochplateau Turabdin im Südosten der Türkei, nahe der Stadt Mardin. Dort gibt es mehr als 80 Klöster.

Im Unterschied zu den übrigen christlichen Gemeinden in der Türkei wurden die Aramäer allerdings im Vertrag von Lausanne 1923 nicht als eigenständige religiöse Minderheit anerkannt. Als 2011 die AKP-Regierung verkündete, konfiszierten Besitz an die religiösen Gemeinden zurückzugeben, waren die Aramäer davon ausgenommen.

Viele von ihnen waren auch unter den Opfern des Massenmords an den Armeniern 1915. Die Ereignisse sind auf Aramäisch als "Seyfo" (Schwert) bekannt. Schätzungen zufolge kamen damals 750.000 Menschen ums Leben. Später wanderten viele Aramäer nach Europa und in die USA aus. Ihre Lage spitzte sich in den vergangenen zwei Jahren zu, als die Kämpfe zwischen der türkischen Armee und der PKK wieder aufflammten. Insgesamt leben noch rund 20.000 aramäische Christen in der Türkei, 15.000 davon in Istanbul. Ihre Zahl dürfte aber durch den Zuzug syrischer Kriegsflüchtlinge gewachsen sein. Sie spalten sich wiederum in drei Kirchen auf, von denen die syrisch-orthodoxe die größte ist.

Philipp Mattheis
(KNA)

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