Ein Rosenkranz aus Holz, mit Kreuz und der Aufschrift "Medjugorje"
Rosenkranz in Medjugorje
Erzbischof Henryk Hoser
Erzbischof Henryk Hoser

21.08.2017

Medjugorje auf dem Weg zum anerkannten Marienort Prüfung vor dem Abschluss?

Werden die angeblichen Marienerscheinungen in dem bosnisch-herzegowinischen Wallfahrtsort Medjugorje bald vom Vatikan anerkannt? Erzbischof Henryk Hoser, der Papstgesandte für den Ort, schürt die Hoffnung darauf.

"Alles deutet darauf hin, dass die Erscheinung anerkannt wird, vielleicht noch in diesem Jahr", sagte Erzbischof Henryk Hoser von Warschau-Praga der polnischen Nachrichtenagentur KAI.

Echtheit der "ersten Erscheinungen"

Die Glaubenskongregation habe die Dokumentation der gemeldeten Erscheinungen der Gottesmutter bereits dem vatikanischen Staatssekretariat übergeben. Konkret geht Hoser von der Echtheit der "ersten Erscheinungen" in Medjugorje aus. Das stärkste Argument dafür sei die "Treue zur Kirchenlehre", die die sechs Menschen zeigten, denen 1981 Maria erschienen sein soll, so der Papstgesandte.

Diese seien "nicht besessen oder psychisch gestört". Es sei schwer zu glauben, "dass sechs Seher seit 36 Jahren lügen".

Zweifel beim Ortsbischof

Seit Juni 1981 sollen sich in Medjugorje bei Mostar angeblich täglich Marienerscheinungen abspielen, mehr als 40.000 insgesamt. Sie sind in der katholischen Kirche umstritten; eine Anerkennung durch den Vatikan fehlt. Insbesondere Ortsbischof Ratko Peric von Mostar-Duvno bezweifelt die Marienerscheinungen.

Über eine mögliche Anerkennung muss letztlich Papst Franziskus entscheiden. Im Februar hatte er Hoser zum päpstlichen Sondergesandten für Medjugorje ernannt, um die dortige pastorale Situation und die Bedürfnisse der Pilger zu untersuchen.

"Gesunde Spiritualität"

Hoser betont in dem Interview, in dem Wallfahrtsort laufe "alles in die richtige Richtung". Es sei nicht seine Aufgabe gewesen, "Medjugorje zu schließen". Medjugorje sei einer der "lebendigsten Orte des Gebets und der Bekehrung in Europa". Dort gebe es eine "gesunde Spiritualität". Die Ordensmänner in dem Ort verhindern ihm zufolge "touristische Elemente" bei den Besuchen. Niemand reise in das herzegowinische Dorf, "um seine Neugier zu befriedigen".

Gläubigen seiner Diözese könne er eine Wallfahrt nach Medjugorje empfehlen, so der Erzbischof von Warschau-Praga.

Jährlich besuchen rund 2,5 Millionen Gläubige aus aller Welt Medjugorje. Offizielle Wallfahrten mit Bischöfen waren lange nicht möglich. Laut Hoser haben allerdings schon vier Kardinäle, viele Bischöfe und Tausende Priester Gläubige dorthin begleitet. Bistümer und Pfarreien sollten bislang zwar keine Wallfahrten organisieren. Gruppen von Gläubigen dürften dies jedoch.

Erscheinung vor Hirtenkindern

Im Mai hatte Franziskus einen Kommissionsbericht zu Medjugorje als "sehr gut" bezeichnet. Zugleich wiederholte er seine ironische Einschätzung, er sehe Maria nicht als "Leiterin eines Telegrafenamtes, das jeden Tag eine Nachricht zu einer bestimmten Stunde versendet".

Am 24. Juni 1981 hatten in Medjugorje erstmals drei Hirtenkinder von Erscheinungen der Gottesmutter berichtet. Einen Tag später soll sie drei weiteren Kindern erschienen sein. Die sechs Seher haben nach eigenen Angaben seitdem regelmäßig Erscheinungen, bisher insgesamt rund 42.000. Später berichteten sie auch von Botschaften der "Gospa" (Herrin). Die Berichte lösten einen anhaltenden Pilgerstrom aus.

(KNA)

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