Erinnern an die Zeit der Teilung in einem Dorf in Zentral-Pakistan, Punjab-Provinz
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Berthold Pelster
Berthold Pelster
Der seines Amtes enthobene pakistanische Premier Minister Nawaz Sharif während einer Kundgebung in Lahore
Der seines Amtes enthobene pakistanische Premier Minister Nawaz Sharif während einer Kundgebung in Lahore

14.08.2017

Kirche in Not zur Lage in Pakistan "Ungerechte, diskriminierende, gesellschaftliche Strukturen"

Das mehrheitlich muslimische Pakistan feiert 70 Jahre Unabhängigkeit. Seit der Trennung von Indien werden in Pakistan religiöse Minderheiten, wie Hindus, Christen oder die Ahmadi-Minderheit, unterdrückt.

domradio.de: Die Christen im Land haben gerade ein Gesetz gegen religiöse Diskriminierung gefordert. Was wissen Sie über diese Initiative?

Berthold Pelster (Katholisches Hilfswerk "Kirche in Not"): Es gab in diesen Tagen eine Konferenz zum Thema religiöse Vielfalt in Pakistan. Organisiert wurde die unter anderem von der katholischen Bischofskonferenz, aber auch von christlichen Bürgerrechtsbewegungen. Da hat man sich insbesondere mit den Fragen der religiösen Minderheiten befasst und am Ende auch eine Resolution verabschiedet.

domradio.de: Was steht denn in dieser Resolution?

Pelster: In dieser Resolution wird gefordert, dass mehr für die religiösen Minderheiten in Pakistan getan wird. Darin wird  zum Beispiel auf eine Rede des Staatsgründers von Pakistan, Mohammed Ali Jinnah, Bezug genommen. Ali Jinnah hat vor 70 Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass Pakistan überhaupt entstehen konnte. In seiner Rede hat er gefordert, dass alle Menschen in Pakistan die gleichen Rechte haben müssten, ganz unabhängig von ihrer Religion – also ganz egal ob sie Muslime sind oder Hindus oder Christen. In dieser Resolution wird jetzt gefordert, dass diese Rede in die Präambel der Verfassung aufgenommen wird. Es geht darum, dass man durch die Verfassung einen viel besseren Schutz für die Rechte von religiösen Minderheiten hat.

domradio.de: Meinen Sie, diese Resolution wird Auswirkungen haben?

Pelster: Ja, das ist die große Frage. Solche Forderungen werden nicht zum ersten Mal erhoben. Tatsache ist ganz einfach, dass sich das gesellschaftliche Klima in den vergangenen Jahren auch in Pakistan geändert hat. Es hat sich zum Schlechteren verändert, so dass Minderheiten, wie die Christen oder die Hindus in Pakistan diskriminiert werden. Auch religiöse Sondergruppen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft, wie die Ahmadi-Gemeinschaft, werden zum Teil massiv unterdrückt und erfahren immer wieder gewaltsame Anschläge oder auch Diskriminierung in Form des berüchtigten Blasphemie-Gesetzes.

domradio.de: Dieses Blasphemie-Gesetz, warum schwebt das wie so ein Damoklesschwert über den Christen im Land?

Pelster: Das Blasphemie-Gesetz stellt Verstöße gegen den Islam unter Strafe. Wer also den Koran ehrfurchtslos behandelt, kann zu lebenslanger Haft verurteilt werden oder wer sich kritisch oder negativ über den Propheten Mohammed äußert, der kann zum Tode verurteilt werden. Dieses Blasphemie-Gesetz, also ein Gesetz gegen Gotteslästerung, das kann sehr leicht missbraucht werden. Anschuldigungen sind ganz schnell erhoben. Da reichen manchmal schon Gerüchte aus, dass Menschen verhaftet werden. Solche Gerüchte wieder aus der Welt zu schaffen, das ist sehr schwierig. Viele hundert Menschen wurden schon unter diesem Vorwand angeklagt. Etliche Dutzend Menschen sitzen heute in Gefängnissen, darunter auch Christen, die zum Tode verurteilt worden sind. Das ist ein ganz schwieriges Thema in Pakistan.

domradio.de: Vor kurzem musste Ministerpräsident Nawaz Sharif wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten – hat die politische Situation in Pakistan Auswirkungen auf die Lage der Christen?

Pelster: Das Problem der Regierung in Pakistan ist, dass sie starke Gegenkräfte im Land hat. Das sind radikal-islamische Gruppen und Bewegungen, die überhaupt nicht einverstanden damit sind, dass religiöse Minderheiten gleichberechtigt sein sollten. Sie sind der Meinung, dass religiöse Minderheiten in Pakistan – in diesem aus ihrer Sicht rein islamischen Land – eigentlich nichts zu suchen haben. Gegen diese starken gesellschaftlichen Gegenbewegungen kann die Regierung kaum ankommen, egal unter welchem Präsidenten.

domradio.de: Wie versuchen Sie von Kirche in Not, die Christen in Pakistan zu unterstützen?

Pelster: Kirche in Not unterstützt diese unterdrückte Minderheit in der Form, dass wir ihnen helfen ihren Glauben trotz aller Schwierigkeiten zu praktizieren. Das heißt, dass sie Gebäude haben, wo sie ihre Messen und Gottesdienste feiern können. Wir möchten sie mit religiöser Literatur ausstatten und ihnen ganz einfach den Rücken stärken, dass sie sich nicht allein gelassen fühlen im Kampf gegen ungerechte, diskriminierende, gesellschaftliche Strukturen.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

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