Papst Benedikt XV.
Papst Benedikt XV.

28.07.2017

Wie Papst Benedikt XV. den Ersten Weltkrieg beenden wollte Friedenspapst oder Fiasko?

Es war ein verzweifelter Anlauf, die "furchtbare Schlächterei" des Ersten Weltkriegs zu stoppen: Vor 100 Jahren sandte Papst Benedikt XV. seinen Friedensappell an die verfeindeten Staaten. Doch die ließen ihn abblitzen.

Drei Jahre dauerte das große Morden nun schon. Soeben hatten englische Divisionen die dritte Flandernschlacht eröffnet.

Ihre deutschen Gegner in der Trichterwüste östlich von Ypern setzten dabei erstmals Senfgas ein. Es drang durch die Uniformen und hinterließ schreckliche Verätzungen auf Haut und Augen. Die Opfer erblindeten, viele erstickten. Es war der 1. August 1917, der Tag, an dem Papst Benedikt XV. (1914-1922) einen glühenden Friedensappell an die kriegführenden Mächte richtete.

Den großen diplomatischen Bahnhof

"Soll denn die zivilisierte Welt nur noch ein Leichenfeld sein?", fragte der Papst in seiner Friedensnote. "Soll das ruhmreiche und blühende Europa, wie von einem allgemeinen Wahnsinn fortgerissen, in den Abgrund rennen und Hand an sich selbst anlegen zum Selbstmord?" Er rufe in vollkommener Unparteilichkeit zum Frieden auf, "wie es jenem ziemt, der als der gemeinsame Vater alle seine Kinder mit der gleichen Liebe umgibt".

Es war nicht die erste Friedensinitiative des Italieners Giacomo della Chiesa, der den größten Teil seiner kirchlichen Laufbahn im Vatikan verbracht, dann das Erzbistum Bologna übernommen und im September 1914, einen Monat nach Kriegsausbruch, den Stuhl Petri bestiegen hatte. Doch alle vorherigen Aufrufe waren auf taube Ohren gestoßen. Nur einige humanitäre Appelle, etwa zugunsten der Behandlung von Kriegsgefangenen, hatten gefruchtet. Nun wählte der 62-Jährige den großen diplomatischen Bahnhof einer offiziellen Note an die Regierungen.

Ziel: Wiederherstellung der Vorkriegswelt

Die darin unterbreiteten Vorschläge liefen letztlich auf eine Wiederherstellung der Vorkriegswelt hinaus: Rückgabe aller besetzten Gebiete, insbesondere die Räumung Belgiens durch die Deutschen; Verzicht auf Reparationen, Rückgabe der deutschen Kolonien. Alle strittigen Territorialfragen wie zwischen Deutschland und Frankreich um Elsass-Lothringen sollte ein internationales Schiedsgericht entscheiden.

Doch welche Erfolgsaussichten konnte ein solcher Vorstoß bieten - nach drei Jahren Weltenbrand, Millionen Toten und verwüsteten Landstrichen? Welche Regierung würde ihren Bürgern vermitteln wollen, dass alle Opfer nur einem schnöden Verständigungsfrieden gedient hätten?

Keine Einladung nach Versailles

"Keine Macht wollte Abstriche bei ihren hochgesteckten Kriegszielen riskieren. Letztlich endete die Note in einem diplomatischen Fiasko", urteilt der österreichische Historiker Andreas Gottsmann. Entweder gingen im Vatikan erst gar keine Antwortschreiben ein, oder sie beschränkten sich wie im deutschen Fall auf allgemeine Friedensbeteuerungen ohne konkrete Verhandlungsbereitschaft. Nur das untergehende Österreich-Ungarn hatte vergeblich auf eine Annahme des päpstlichen Vermittlungsvorschlags gedrängt.

Doch für das Papsttum kam es noch schlimmer. Jede Mächtegruppe wähnte in der Note ein Komplott und diffamierte Benedikt XV. als "Papst der Gegner". Für die Franzosen wurde er zum "pape boche"; der deutsche Heerführer Erich Ludendorff dagegen sprach nur noch vom "Franzosenpapst". Zu den Friedensverhandlungen in Versailles 1919 luden die Sieger den Vatikan erst gar nicht ein.

Widersacher aus dem eigenen Lager

Am enttäuschendsten dürfte für Benedikt XV. die Reaktion der Bischöfe in den kriegführenden Ländern gewesen sein. Die meisten hatten sich schon 1914 dem allgemeinen Hurra-Patriotismus angeschlossen. Statt sich nun hinter ihren Chef im Vatikan zu stellen, bliesen viele erst recht ins nationalistische Horn.

Der deutsche Episkopat warnte in einem Hirtenbrief vom 1. November 1917 vor einem Frieden "als Judaslohn für Treubruch und Verrat am Kaiser". So wurde der stets auf strikte Neutralität bedachte Papst, der den Versailler Vertrag als Unrecht verurteilte und 1922 starb, zur tragischen Figur.

Pazifismus der Päpste

Oder doch nicht? Auch wenn der Vatikan sich auf politischer Ebene nicht als moralische Autorität durchsetzen konnte, legte Benedikt XV. den geistigen Grundstein für einen strikten Pazifismus der Päpste.

Seine Friedensdoktrin wurde Bestandteil des kirchlichen Lehramts aller seiner Nachfolger. Benedikt XVI. (2005-2013) berief sich bei seiner Namenswahl ganz explizit auf den Weltkriegspapst.

"Friedenspapst"

Heute sind die Forderungen nach Schiedsgerichtsbarkeit, Abrüstung und letztlich der Ächtung des Krieges als Mittel der Politik, wie vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) formuliert, aus dem katholischen Weltbild nicht mehr wegzudenken.

Inzwischen genießt die Kirche zumindest in Fragen des Weltfriedens jene moralische Autorität, die Benedikt XV. versagt blieb. So wurde ein Gescheiterter im Nachhinein doch noch zum "Friedenspapst".

 

 

(KNA)

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