Kirchenkreuz neben einer Moschee in Ägypten
Kirchenkreuz neben einer Moschee in Ägypten
Abtpräses Jeremias Schröder
Abtpräses Jeremias Schröder

18.07.2017

Abtpräses zur Klosterneugründung in Ägypten "Das Klosterleben einpflanzen"

Die Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien in Oberbayern wollen es wagen: Sie gründen ausgerechnet in Ägypten ein neues Kloster. Abtpräses Jeremias Schröder blickt im domradio.de-Interview der Zukunft optimistisch entgegen.

domradio.de: Warum wollen Sie ausgerechnet in Ägypten ein Kloster gründen, wo immer wieder Christen Opfer von Anschlägen werden und Präsident al-Sisi zwar eine strenge Einhaltung der relativ restriktiven Religionsgesetze fordert, das aber viele islamistische Gruppierungen nicht kümmert?

Abtpräses Jeremias Schröder (Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien): Uns haben junge ägyptische Katholiken gefragt, ob wir nicht helfen können, ein Kloster zu gründen. Das ist einer unserer Aufträge als Missionsbenediktiner, dass wir helfen, das Klosterleben einzupflanzen. Wir wollten versuchen, ihnen zu helfen, und sind jetzt mitten dabei.

domradio.de: Bedeutet das, Sie schicken keine Mönche aus Deutschland dorthin, sondern unterstützen die Katholiken im Land, ein eigenes Kloster zu gründen?

Schröder: Wir unterstützen sie, müssen aber auch Mönche hinschicken. Es ist nicht so einfach, ein Kloster zu gründen. Allerdings haben wir keine Deutschen dort, sondern zwei Kenianer. Die Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien sind weltweit verbreitet mit ungefähr 1.000 Mönchen. Unser Kloster in Kenia war bereit, sich in Ägypten zu engagieren. Aber auch die Abtei Münsterschwarzach am Main in der Nähe von Würzburg unterstützt diese Gründung sehr stark.

domradio.de: Kommt dabei nicht der Gedanke auf, dass es gefährlich ist, in der aktuellen Lage seine Mitbrüder dort hinzuschicken?

Schröder: Ich muss sagen, dass es bei uns keine große Rolle gespielt hat. In unserer Kongregation hat sich eigentlich niemand darüber Gedanken gemacht, aber von Außen wird das manchmal gefragt. Wir waren auch früher schon in Ländern, in denen nicht alles leicht ist. Wir haben Mitbrüder in Venezuela, wo es zurzeit drunter und drüber geht. Das gehört aber auch dazu. Wir hören natürlich von Terrorattacken, aber es sind auch große Länder. Auch bei uns gibt es Terrorattacken und es kommen trotzdem immer noch Menschen zu uns.

domradio.de: Derzeit wird ein Haus in Kairo bezogen, ein landwirtschaftlicher Betrieb beim Suezkanal ist geplant. Was genau soll in diesen beiden Häusern stattfinden?

Schröder: Das Kloster auf dem Land wird sicherlich auf lange Sicht der Hauptsitz des Klosters werden. Da ist ganz normales Klosterleben - beten und arbeiten nach der benediktinischen Tradition. Und es wird ein Ausbildungshaus geben, in dem junge Mitbrüder ihr Noviziat machen können. Wahrscheinlich auch ein Gästehaus für Christen und andere, die einmal in einem solchen Kloster stille Tage verbringen wollen. In der Stadt sind wir für all die Dinge zu erreichen, die man in der Stadt braucht. Da werden auch unsere Studenten wohnen können. Wir stehen diesbezüglich in Beziehung mit den Behörden für offizielle Dinge. Das sind die beiden Standbeine, die wir im Grunde brauchen.

domradio.de: Eine Beziehung zu den Behörden muss es aber schon geben - also müssen Sie das in irgendeiner Form mit dem ägyptischen Staat absprechen, oder können Sie als Benediktiner einfach dort hingehen und Ihr Kloster eröffnen?

Schröder: Wir haben auch eine Gutheißung durch den ägyptischen Staat und sind inzwischen schon rechtlich in Ägypten anerkannt. Der offizielle Name für die Gemeinschaft ist "Die Benediktiner in Ägypten". Wir haben also eine Rechtspersönlichkeit durch den Patriarchen der katholisch-koptischen Kirche erworben. Er ist unser Vermittler für alle diese offiziellen Belange.

domradio.de: Was erhoffen Sie sich in den nächsten Jahren von diesem Kloster?

Schröder: Ich würde mich freuen, wenn es ein kleines Kloster mit vielleicht 20 oder 25 Mitbrüdern gibt, die einerseits auf dem Land leben und da auch jungen ägyptischen Katholiken diese Lebensform anbieten, wenn das Kloster durch einen Gästebetrieb bekannt geworden ist, wenn zum Beispiel die koptisch-orthodoxen Christen sagen: "Mit den Benediktinern kann man aber gut reden." Wir sind auch engagiert im christlich-islamischen Dialog. Der Obere des Klosters ist eigentlich ein Islamwissenschaftler. Wir hoffen, dass das auch ein Ort sein kann, wo dieser Dialog weiter gepflegt werden kann. Das entspricht auch ganz unserer Ordenstradition.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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