Erzbischof Pizzaballa während der Fußwaschung
Erzbischof Pizzaballa während der Fußwaschung

13.04.2017

Feier der österlichen Tage in Jerusalem begonnen Höchstes christliches Fest im Heiligen Land

Begleitet von hohen Sicherheitsvorkehrungen haben in Jerusalem die Feiern der drei österlichen Tage begonnen. Am Morgen versammelten sich Hunderte Christen vor und in der Grabeskirche.

Vom Gründonnerstagabend an bis zum Ostersonntag gedenken Christen der Passion und der Auferstehung Jesu. Und troz verschiedener Kalendersysteme von West- und Ostkirchen wird das Osterfest in diesem Jahr am gleichen Termin begangen. Das einwöchige jüdische Pessachfest endet mit Anbruch der Dunkelheit am 18. April. Der Abendmahlsmesse stand erstmals der italienische Erzbischof Pierbattista Pizzaballa als Patriarchatsverwalter und Nachfolger des emeritierten Patriarchen Fouad Twal vor. Die "meisterhafte Restaurierung" der Grabkapelle enthülle die verwandelnde Kraft des Ostergeheimnisses, das fähig sei "die Zerstreuten wieder zu vereinen, verschiedene Gruppen zusammenzubringen und Gemeinschaft innerhalb unserer Spaltungen wiederherzustellen", sagte Pizzaballa in seiner Predigt. Zugleich warnte er vor leeren Worten und Ritualen. Eine Liebe, die nicht zum Opfer werde, verändere nicht die Welt, sondern ende als Empfindung oder Demagogie; ein Priestertum, das nicht Beziehung und Begegnung fördere, sei "nur ein Job und Macht". Der Sieg Christi am Kreuz hingegen enthülle Macht, Erfolg, Geld, Ideologie und Gewalt als Arbeit des Teufels.

1.500 zusätzliche Polizisten

Üblicherweise wird die Abendmahlsmesse erst am Abend gefeiert, in der Grabeskirche findet sie wegen der örtlichen Verhältnisse jedoch am Morgen statt. Pizzaballa wusch zwölf Franziskanern und Seminaristen die Füße im Gedenken an die Geste Jesu und weihte die heiligen Öle.

Auf dem Vorplatz der Grabeskirche feierten unterdessen griechisch-orthodoxe Christen nach alter Tradition die Liturgie der Fußwaschung. Auch in den zahlreichen Kirchen Jerusalems wurden Fußwaschungs-Gottesdienste nach den unterschiedlichsten Riten gefeiert. An der Klagemauer versammelten sich unterdessen Zehntausende Juden zum traditionellen Priestersegen.

Israelische Sicherheitskräfte regelten die Zugänge zu den zentralen Feiern. Medienberichten zufolge sollen während der jüdischen und christlichen Feiertage 1.500 zusätzliche Polizisten in und um die Altstadt im Einsatz sein. Insgesamt seien mehr als 3.500 Polizisten vor Ort.

15 Prozent mehr Besucher erwartet

Am Nachmittag des Gründonnerstags folgen eine Prozession zum Abendmahlssaal auf dem Berg Zion und eine nächtliche Gebetswache beim Garten Getsemani. Am Karfreitag ziehen Christen aller Konfessionen im Gedenken an den Leidensweg Jesu über die Via Dolorosa. Die Ostervigil der Katholiken findet am frühen Karsamstagmorgen statt.

Das israelische Tourismusministerium erwartet für die Feiertage einen Anstieg der Touristenzahlen um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Ministerium rechne mit 79.500 christlichen und 78.500 jüdischen Besuchern. In den vergangenen Jahren waren die Besucherzahlen wegen der angespannten Sicherheitslage zurückgegangen. Das Auswärtige Amt mahnte Besucher rund um die Ostertage zu besonderer Vorsicht. Größere Menschenansammlungen seien zu meiden.

 

(KNA)

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