Marienstatue in Medjugorje
Marienstatue in Medjugorje
Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch
Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch

12.04.2017

Kardinal Müller über Papst-Entscheid zu Medjugorje "Könnte noch lange dauern"

Papst Franziskus will sich mit einer Entscheidung über den bosnischen Marienwallfahrtsort Medjugorje offenbar noch Zeit lassen. Kardinal Gerhard Ludwig Müller, kündigte eine "womöglich noch lange Wartezeit" bis zum Urteil an.

"Ein pastorales Phänomen darf nicht auf falsche Grundlagen gebaut sein, und wir können seelsorgliche Angelegenheiten nicht von Fragen rund um die Echtheit dieser Visionen trennen", sagte der Präfekt der römischen Glaubenskongregation im Interview der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI.

Keine Fristsetzung

Die Frage nach dem angeblich übernatürlichen Charakter der Ereignisse von Medjugorje war Gegenstand einer von Kardinal Camillo Ruini geleiteten vatikanischen Kommission, die 2014 ihre vierjährige Arbeit beendete und die Ergebnisse der Glaubenskongregation überreichte. Die Glaubenskongregation untersuche die behaupteten rund 42.000 bisherigen Erscheinungen seit 1981 derzeit genau. Entscheiden werde der Papst, sagte Müller. Es gebe keine Fristsetzung für einen Abschluss der Forschungen, sagte Müller. Seine Kongregation werde sich nicht unter Druck setzen lassen.

Zu Medjugorje müsse der Vatikan eine "nuancierte Position" einnehmen können, "selbst wenn die Erscheinungen der Muttergottes anerkannt werden", betonte Müller. Es gebe deutliche Unterschiede zu den längst kirchlich bestätigten Erscheinungen wie etwa Lourdes oder Fatima.

Vatikanische Untersuchung

"Bei Fatima sahen wir einen klaren, eindringlichen Aufruf gegen die Verbreitung des Kommunismus - und den konkreten und prophetischen Appell, ihm mit Gebet und Zeugnis entgegenzutreten", so der Kurienkardinal. Allgemein sollten Privatoffenbarungen "eher als prophetische Erfüllungen von Forderungen des Evangeliums denn als etwas Neues oder Notwendiges" gesehen werden.

Der Wallfahrtsort Medjugorje - Ziel von jährlich 2,5 Millionen Pilgern aus aller Welt - ist auch derzeit wieder Gegenstand einer vatikanischen Untersuchung. Der Sondergesandte des Papstes für Medjugorje, Erzbischof Henryk Hoser, untersuchte dazu in den vergangenen zwei Wochen die vom Franziskanerorden geleitete Seelsorge vor Ort und soll Richtlinien für die künftige Pilgerbetreuung erstellen. Ausdrücklich geht es dabei nicht um die Marienerscheinungen.

(KNA)

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