Nach dem Anschlag auf die koptische Kirche St. Georg
Nach dem Anschlag auf die koptische Kirche St. Georg

09.04.2017

Anschlag auf koptische Kirchen in Ägypten Papst betet für die Opfer

Zwei Anschläge an einem Tag: Am Palmsonntag ist die koptische Minderheit in Ägypten angegriffen worden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Taten für sich reklamiert. Papst Franziskus schließt die Opfer in sein Gebet ein.

Bei Bombenanschlägen auf zwei koptische Kirchen, die staatlichen Medien zufolge durch Selbstmordattentäter verursacht wurden, starben am Palmsonntag mehr als 30 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Es handelt sich um die schwersten Anschläge auf die christliche Minderheit in Ägypten seit Jahren.

Detonation am Palmsonntag

Am Morgen des Palmsonntag zündete zunächst ein Sprengsatz in der koptischen Kirche St. Georg in der nordägyptischen Stadt Tanta. Dort wurden mindestens 25 Menschen getötet und 78 verletzt, wie das Staatsfernsehen berichtete. An dem christlichen Feiertag war die Kirche zur Messe gut besucht. St. Georg ist dem Staatsfernsehen zufolge das größte christliche Gotteshaus der Region im Nildelta.

Wenige Stunden später explodierte ein Sprengsatz in einer weiteren Kirche, dieses Mal in der Nähe von Alexandria. In dem Gotteshaus hatte zuvor Patriarch Tawadros II. den Palmsonntagsgottesdienst gefeiert. Hier seien mindestens elf Menschen getötet und weitere 35 verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Kairo mit. Der Attentäter war der staatlichen Zeitung "Al-Ahram" zufolge zuvor am Einlass in die St. Markus Kirche gehindert worden.

Gebet und Beileid

Papst Franziskus hat dem Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst Tawadros II., und dem ägyptischem Volk sein Beileid bekundet. Er sei den Angehörigen der Opfer nahe und bete für eine Umkehr jener, die Terror, Gewalt und Tod säten, sagte der Papst am Sonntag zum traditionellen Angelus-Gebet auf dem Peterplatz. Franziskus gedachte auch der Opfer des Terroranschlags von Stockholm.

Vom 28. bis 29. April reist der Papst nach Kairo. Dort ist auch eine Begegnung mit Tawadros II. vorgesehen.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte in Bonn: "Es waren zugleich Attentate gegen das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen. Diesen Zielen der Verbrecher darf kein Erfolg beschieden sein!" Die Gläubigen aus den verschiedenen Religionen und besonders die Verantwortungsträger müssten dem Hass und der Gewalt eine entschiedene Absage erteilen, betonte der Münchner Erzbischof.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat seine große Betroffenheit zum Ausdruck gebracht. "Was da passiert ist, macht wütend", erklärte Bedford-Strohm am Sonntag auf seiner Facebook-Seite: "Ich bin im Gebet bei den Opfern dieses fürchterlichen Anschlags." Er "hoffe dass alle Menschen in Ägypten und überall auf der Welt zusammen helfen, dass der menschenverachtende Fanatismus, der zu solchen Taten führt, endlich überwunden wird", fügte Bedford-Strohm hinzu, der sich zurzeit in den USA aufhält. Er fühle sich mit den koptischen Christen innerlich eng verbunden.

Stimmen aus der Politik

"Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag", teilte der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, auf Twitter mit. Es sei eine weitere widerwärtige Tat gegen alle Ägypter.

Auch die Bundesregierung hat mit Entsetzen auf den Bombenanschlag reagiert. "Wir trauern mit den Menschen in Ägypten, mit den Angehörigen der Opfer, wir bangen mit den Verletzten", erklärte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) am Sonntag in Berlin. "Das Kalkül der Täter, einen Keil in das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu treiben, darf nicht aufgehen."

"In Gedanken und im Gebet bin ich bei den Angehörigen der Opfer", erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Den Verletzten wünsche ich eine vollständige Genesung und Papst Tawadros die Kraft, seiner Glaubensgemeinde Trost spenden zu können." Tawadros II. ist das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, die bereits sei dem ersten Jahrhundert nach Christus existiert. Sie gehört damit zu den ältesten Kirchen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte: "Dass eine solche Tat Menschen in Ausübung ihrer Religion während des Gottesdienstbesuches am Palmsonntag trifft, empört mich besonders. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen, meine Wut den Tätern." Der Terror treffe nicht nur Europa, deswegen dürfe auch die Zusammenarbeit weder an Landes- noch an Kontinentalgrenzen halt machen, fügte de Maizière hinzu: "Wir dürfen unsere Gesellschaften nicht spalten lassen, schon gar nicht entlang unterschiedlicher religiöser Überzeugungen!"

Spannungen zwischen den Religionen

Christen machen in Ägypten zehn Prozent der etwa 94 Millionen Einwohner aus. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Es gibt allerdings vereinzelte Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Bei einem schweren Bombenanschlag auf die Peter-und-Paul-Kirche nahe der koptischen Markus-Kathedrale waren im Dezember 29 Menschen getötet worden. Damals bekannte sich die Terrormiliz IS zu der Tat. Ein Ableger des Islamischen Staates treibt im Nordsinai in Ägypten sein Unwesen und kündigte in Propagandavideos Angriffe auf Christen an.

Christen auf der Flucht

Im Februar flohen Hunderte ägyptische Christen aus dem Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel. Vorangegangen war eine Mordserie an Mitgliedern der religiösen Minderheit, hinter der die Terrormiliz IS vermutet wurde.

(dpa, KNA, epd)

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