Ordensfrauen beziehen Betten eines Gästezimmers
Ordensfrauen beziehen Betten eines Gästezimmers
Innenhof des Gästehauses
Innenhof des Gästehauses
An der Rezeption
An der Rezeption
Führung durch eines der Birgitten-Zimmer
Führung durch eines der Birgitten-Zimmer
Auf der Dachterrasse
Auf der Dachterrasse
Bild des weinenden Papst Johannes Paul II.
Bild des weinenden Papst Johannes Paul II.

29.03.2017

Übernachten bei Ordensschwestern in Rom Wo Engel singen

Die meisten Touristen in Rom wollen hauptsächlich die Stadt sehen, die Bleibe ist da oft zweitrangig. Das Gästehaus der Birgittenschwestern an der Piazza Farnese im Zentrum ist jedoch auch selbst einen Besuch wert.

Mitten im Gewusel Roms plötzlich eine andre Welt: die Casa di Santa Brigida, das Gästehaus der Birgittenschwestern. Wer die monumentale Eingangstür des Gebäudes aus dem 15. Jahrhundert durchschreitet und in der noblen Biedermeier-Empfangshalle steht, hat den Trubel der nur wenige Schritte entfernt gelegenen Piazza Farnese - oder die Patrouillen vor der französischen Botschaft schräg gegenüber - sofort vergessen. Schwere Teppichböden dämpfen den Schritt, rote Polstersessel laden zum Verweilen, an der Decke prangt ein Kronleuchter. Wie ein typisches Kloster wirkt das alles nicht - eher schon wie ein mondänes Hotel.

Der Geist, der hier weht, ist jedoch ein anderer. Die Ordensschwestern, die das Gästehaus betreiben, haben Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt. Am Empfang deshalb auch kein Portier in Livree, sondern Schwester Gertrude in typischer Ordenstracht: grauer Habit, schwarzer Schleier und darüber die weiße "Leinenkrone" mit fünf roten Punkten - Symbol für die Wundmale Christi. Unter ihrem schlichten Gewand verschwindet die zierliche Schwester aus Indien fast ebenso, wie hinter dem dunklen Holztresen. Herzlich begrüßt sie Gäste, reicht Zimmerschlüssel, Postkarten und Infobroschüren.

Schwester Gertrude, seit 1987 im römischen Gästehaus der Birgitten, ist unter anderem für die Zimmerbuchungen zuständig. "Gastlichkeit bedeutet für mich, in jedem Besucher die Präsenz Gottes zu sehen:

Keiner soll sich bei uns verloren fühlen, sondern wie in einer Familie", erklärt sie. Gerade in ihrem Orden spielt die Gastfreundschaft eine besondere Rolle; weltweit betreiben die Schwestern in 19 Ländern Gästehäuser wie das in Rom. Sie beherbergen Touristen auf Kuba, in Finnland, Indien oder Indonesien. Auch in Bremen bieten die Birgitten Unterkunft.

Besonderes Anliegen allerorts: die Ökumene. Die 2016 heiliggesprochene Maria Elisabeth Hesselblad (1870-1957), die den Orden neu belebte, wurde als evangelische Christin geboren, trat jedoch mit 32 Jahren zum Katholizismus über. Ihr Zimmer ist inzwischen zu einem Mini-Museum im Gästehaus geworden, für Besucher jedoch normalerweise nicht zugänglich. Anders ist das bei den drei Zimmern der Heiligen Birgitta: Hier organisieren die Schwestern gerne Führungen - übrigens auch für Leute, die nicht bei ihnen übernachten.

Gerade ist eine Gruppe aus Baden-Baden in den Räumen mit Original-Holzdecke, Gemälden und beeindruckenden Schmuckglasfenstern. Kaum vorstellbar, dass hier die Heilige früher auf Stroh schlief.

Zweites Zuhause

Ökumene und Gastfreundschaft sind zwei wichtige Elemente in der Spiritualität des Ordens. Der Glaube der Gäste spielt keine Rolle, jeder ist herzlich willkommen. "Persönlich aufgenommen zu werden ist mir sehr wichtig", sagt eine ältere Dame aus Frankfurt, die bereits zum dritten Mal bei den Birgitten in Rom übernachtet. Sie fühle sich sehr wohl, so die Witwe, die bei den Schwestern offensichtlich ein zweites Zuhause gefunden hat.

Eigentlich wollte sie ja nur kurz etwas auf ihrem Zimmer holen, bevor es wieder zum Italienisch-Sprachkurs geht, doch spontan ergibt sich ein Plausch auf den Plüschsesseln. Zwischen Mutter Elisa, die einige Zeit in der deutschsprachigen Schweiz war, und der Frankfurterin, die grade Italienisch lernt, geht es in deutsch-italienischem Mischmasch hin und her. Die Unterhaltung mit den Gästen ist für die Ordensfrau auch eine Möglichkeit, über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Das ergebe sich natürlich nicht immer, aber manchmal. Grade geht es jedenfalls um Papst Franziskus. "Er hat bei einem Treffen mit Ordensoberinnen gesagt, eine Welt ohne Ordensfrauen wäre tot", berichtet die Birgittin.

Die Casa di Santa Brigida jedenfalls halten die Ordensfrauen definitiv am Leben, denn sie übernehmen sämtliche Arbeiten des Gästebetriebs. Zwischen 9 und 12 Uhr, wenn das Frühstück vorbei ist und die Gäste zur Stadtbesichtigung ausfliegen, sorgen die guten Geister des Hauses dafür, dass das Mittagessen vorbereitet wird, Zimmer gereinigt, Gehwege gefegt werden. Eine besondere Aufgabenverteilung gibt es nicht. "Eine für alle und alle für eine", sagt Schwester Gertrude lachend. Die Arbeiten rotieren unter den insgesamt etwa 20 bis 30 Birgitten des Hauses.

Himmlisch-süßer Duft

Da am Empfang grade nichts los ist, unterstützt Schwester Gertrude die Küche: Kartoffelschälen für das Mittagessen. Immerhin wollen um 13 Uhr rund 30 Gäste und ebenso viele Schwestern beköstigt werden. So werden Fleischbällchen gerollt, frische Artischocken und Obst verarbeitet. Auf dem Gasherd brodeln Birnen, verbreiten himmlisch-süßen Duft. Obwohl hier viele fleißige Schwestern werkeln, herrscht friedlich-konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Besteckgeklapper ja, aber Gespräche untereinander oder Radiogedudel? Fehlanzeige. Küchenarbeit als Kontemplation: Ora et labora, lautet das Motto.

Tatsächlich sind Musik und Gespräche nicht erlaubt, bei jeder Arbeit verrichten die Ordensfrauen innerlich Gebete, erklärt Schwester Gertrude. Inzwischen poliert sie mit einem Geschirrtuch Besteck. "Beim Spülen denke ich an die Tränen Jesu oder der vielen Leidenden auf der Welt, beim Abtrocknen daran, die Tränen Jesu oder seinen Schweiß zu trocknen."

Ordensleben heißt, sich für Gott entscheiden, sich selbst für ihn und die anderen hinzugeben, macht Schwester Gertrude klar. Auch wenn das Gästehaus in Rom prachtvoll ist, betont sie: "Wir verdienen nichts, uns gehört hier nichts." Die Einnahmen - je nach Saison Übernachtung mit Frühstück etwa 75 Euro pro Person - fließen in die Missionen des Ordens, etwa in Indien oder auf den Philippinen. Ein Teil des Geld wird auch für Unterhalt und Betrieb des riesigen Hauses benötigt.

Erst kürzlich wurden etwa die Schmuckglasfenster in der anliegenden Kirche und Kapelle von einer bayerischen Firma restauriert.

Nicht nur die bunten Lichtmuster, die die Sonne durch die Glasfenster auf Boden und Bänken zeichnet, schaffen eine besondere Stimmung in der Basilika. Jeden Morgen sitzt Schwester Gertrude bei der Messe an der Orgel, begleitet den Gesang der Schwestern. Wer um 7.30 Uhr lieber noch etwas schlafen will, kann übrigens trotzdem von der Morgenmusik geweckt werden. "Eine Besucherin, die vor vielen Jahren bei uns war, hat mir gesagt, dass sie sich noch heute an den 'Gesang der Engel' erinnert, der von der Kirche aus ihr Zimmer erreichte", erzählt Schwester Gertrude.

Stefanie Stahlhofen
(KNA)

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